Mit diesen Wildpflanzen können Heilkräuter-Laien punkten
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Annamarie Rogenmoser weiss nicht nur sehr genau was sie schnippelt, sondern auch, wozu die Kräuter gut sind. (Bild: wia)

Unterwegs mit der Zuger Heilkräuterfachfrau Mit diesen Wildpflanzen können Heilkräuter-Laien punkten

6 min Lesezeit 5 Kommentare 04.04.2021, 12:31 Uhr

Respekt vor der Natur? Das ist in Ordnung. Doch auch wenn man kaum eine Ahnung hat von Pflanzen: Mit folgenden fünf Gewächsen kannst Du nichts falsch machen. Und erst noch in der Küche auftrumpfen.

Die fiese Krise hält an, verlangt von uns, dass wir noch etwas durchbeissen und uns mit lustigen Hobbys über Wasser halten, bis wir endlich wieder gesellige Dinner veranstalten und rappelvolle Discos besuchen dürfen. Doch was tun? Zum Stricken bist du zu ungeschickt, fürs Youtube-Yogaprogramm zu faul, fürs Federkohlchips-Backen zu wenig influencerig.

Wie wärs mit Heilkräutersammeln? Dafür ist nämlich genau jetzt der richtige Zeitpunkt. Die Pflänzchen erwachen aus dem Winterschlaf, schütteln sich den letzten Frost von den zarten Blättern. Beim Pflücken von wilden Kräutern ist zwar grundsätzlich Vorsicht geboten, doch gibt es durchaus Gewächse, die selbst für Laien einfach zu erkennen sind und aus denen sich prima eine Tinktur oder ein Küchenschmaus zubereiten lässt.

Damit wir auf der Suche ebendieser Kräuter nicht hilflos durch den Wald irren, treffen wir Annamarie Rogenmoser, ihres Zeichens ausgebildete Heilkräuterfachfrau.

Eigentlich hätten wir die Unterägererin in ihrer Gemeinde zum «Chrüütle» getroffen, doch weil dort noch unverhofft Schnee liegt, beginnt unser Naturspaziergang bei der Tobelbrücke. Keine zwanzig Meter sind wir gegangen, da treffen wir auf unser erstes gewünschtes Kraut. Es dürfte das im Moment Auffälligste sein in den hiesigen Wäldern. Auch olfaktorisch.

Der Bär im Wald

«Hier sieht man den Bärlauch sehr gut», sagt Rogenmoser und zeigt auf breite, glänzende Blätter, die einzeln aus dem Laub ragen. «Es handelt sich um eine blutreinigende Pflanze, die den Stoffwechsel ankurbelt und antibakteriell wirkt», sagt die Fachfrau. Sie empfiehlt, davon zu essen, nachdem man mit Antibiotika behandelt wurde und der Darm wieder auf Vordermann gebracht werden muss. «Der Nachteil am Bärlauch: Er lässt sich schlecht konservieren. Das funktioniert höchstens im Öl, etwa als Pesto.»

Bärlauch ist zwar zünftig streng zu riechen, aber auch zünftig gesund.

Auch wenn Allium Ursinum vermeintlich unverkennbar riecht, ist Vorsicht geboten beim Pflücken. «Es besteht durchaus Verwechslungsgefahr. Etwa mit dem Aronstab, dessen Blätter etwas dunkler und auch breiter sind, oder aber mit dem Maiglöckchen», gibt sie zu Bedenken. «Gerade wenn man etwa die Kinder zum Sammeln schickt, oder die Hände bereits nach Bärlauch riechen, kommen solche Verwechslungen vor.»

Den Aronstab sollte man ja nicht verwechseln mit dem Bärlauch.

Ein wenig brennen muss es

Im Sonnenschein spazieren wir weiter, auf der Suche nach Anfängerkräutern. Die Suche endet rasch, denn unsere zweite Kandidatin, die Brennnessel, ist leicht zu finden. Obwohl diese noch niedlich klein ist. «Gemäss Überlieferungen wurde die Brennnessel bereits von den Römern genutzt. Sie peitschten sich damit aus», sagt Rogenmoser. Keine Foltermethode, sondern offenbar ein archaisches Mittel gegen Rheuma. «Die Brennnessel hat eine ausschwemmende Wirkung, ist sehr eisenreich und hat sehr viel Vitamin C», erklärt sie. Sie werde genutzt, um den Blutdruck zu senken und zu entgiften. Auch rege sie bei stillenden Frauen die Milchbildung an. «Die Wirkung der Brennnessel ist wissenschaftlich bewiesen», erklärt Rogenmoser weiter.

Die Brennnessel kann viel mehr als nur brennen.

Ob im Risotto, in der Suppe oder einer Kräuterquiche, das Gewächs kann prima in der Küche verwendet werden. Auch Brennnesselchips aus dem Ofen empfiehlt Annamarie Rogenmoser. Dazu die gewaschenen Nesseln mit etwas Gewürz und wenig Öl kurz in den Backofen legen, bis sie knusprig sind. Obacht: Die Nessel soll nicht roh gegessen werden, da die pflanzeneigenen Brennhärchen im Hals zu Verbrennungen führen können. «Wer sie also für Smoothies oder ähnliches brauchen will, soll erst mit dem Wallholz darüber fahren.»

Ein Löwe liegt im Gras …

Unsere nächste Pflanze ist eine, die zu Unrecht als gewöhnlich, ja gar langweilig, wahrgenommen wird. Noch ist es etwas früh im Jahr, doch auf dem Feld finden wir bereits ein erstes, knallgelb blühendes Exemplar von «Tarraxacum Officinale», dem Löwenzahn. «Diese Pflanze ist gut für die Pflege der Leber und der Galle, denn sie enthält viele Bitterstoffe. Sie ist ausserdem blutreinigend und wirkt antirheumatisch», so Rogenmoser. Geeignet sind die jungen Blätter für Salate, Risotto oder Quiche, aber auch in hausgemachte Pasta oder Spätzle passen sie rein. Mit den Blüten lässt sich, in Kombination mit Wasser und Zucker, sogenannter Löwenzahnhonig machen, und auch die Wurzeln sind verwendbar.

Säublueme? Von wegen. Die ist ganz prima.

«Es handelt sich um eine der wenigen Wurzeln, die man im Frühling nimmt. Im Herbst werden diese nämlich süsslich, und das ist nicht das, was wir wollen, denn die Bitterstoffe sind wichtig.» Menschen mit einer Korbblütenallergie lassen besser die Finger von der Pflanze. Bei diesen kann die Einnahme solcher Pflanzen beispielsweise Juckreiz oder Gesichtsschwellungen auslösen.

… und ebenso eine Gans

Wenn wir schon gleich bei den Korbblüten sind. Nicht nur sind Gänseblümchen, ganz nach ihrem lateinischen Namen «Bellis Perennis», hübsch anzusehen, sondern sie sind auch nützlich. «Die Pflanze wird in der Umgangssprache auch als kleines Arnika bezeichnet, denn sie kann bei Prellungen und Verstauchungen angewendet werden», sagt die Heilpflanzenfachfrau. Auch sorgen die Saponine für eine appetitanregende sowie fiebersenkende Wirkung. Als Tee wird das Pflänzchen ausserdem gegen Husten eingenommen. «Eine Salbe aus Gänseblümchen wirkt zudem bei Insektenstichen juckreizmildernd.»

Rogenmoser erzählt weiter: «Man sagt, dass man die ersten drei Gänseblümchen essen soll, die man im Jahr sieht. Tue man das, werde man das ganze Jahr über nicht krank.»

Schön und ausdauernd ist sie, die Gänseblume. So will es zumindest der lateinische Name.

Das Pflänzchen, das den Weg mag

Zum Schluss wartet noch der Spitzwegerich auf uns. Wo? Natürlich auf einem Feldweg, wo er, im verdichteten Boden, besonders gut gedeiht. «Im Zweiten Weltkrieg wurde der Spitzwegerich nicht nur als Wundheilpflanze genutzt, sondern auch als Salat verwendet», sagt Rogenmoser. «Heute ist er vielmehr als Hustenmittel bekannt.» Ihn zu trocknen sei nicht ideal, da er sonst seine Kraft verliere. Besser sei es, ihn gleich frisch zu verarbeiten. Etwa zu einem Sirup, gemeinsam mit Honig. «Es gibt ein Verfahren, bei dem man die kleingeschnittene Pflanze abwechselnd mit Rohzucker oder Honig aufschichtet, und die Mischung dann in einem Glas während drei Monaten in der Erde vergräbt», sagt Rogenmoser. Was dabei entsteht, ist ein wirksamer Hustensirup. Sofern der Fuchs die Gläser nicht vorher ausbuddelt, wie es ihr letztens passiert sei.

Wer unterwegs ist und Ohrenweh verspüre, könne die Pflanze verknüllen und ins Ohr stecken. «Aber bitte nur so weit, dass man sie wieder rausbekommt.» Auch auf Insektenstichen kann man die Pflanze verreiben.

Der Spitzwegerich mag den harten Boden um Wege herum.

Wir brauen eine Tinktur

Nun wissen wir zwar in der Theorie, wozu wir all die Kräuter verwenden können. Die Praxis folgt sogleich. Mit einem ordentlichen Schuss Wodka. Konkret machen wir aus dem gesammelten Spitzwegerich eine Tinktur gegen Mückenstiche. Zunächst müssen wir den gewaschenen, gut getrockneten Spitzwegerich klein schneiden. Alles Weitere erzählt Annamarie Rogenmoser gleich selber:

Ebenfalls eine spannende Anwendung: Ein sogenanntes Oxymel, dass bereits zu Zeiten Hildegard von Bingens existierte. Die Grundlage davon ist immer dieselbe: Essig, Honig und Heilkräuter. «Innerlich wird Oxymel zur Stärkung des Immunsystems oder zur Linderung von Krankheiten verwendet», sagt Rogenmoser. Da Oxymel keinen Alkohol beinhaltet, ist er ideal für Kinder, etwa bei Husten.

In unserem Fall verwenden wir Brennnessel sowie Spitzwegerich und erhalten eine eisenhaltige, entschlackende Tinktur. Davon nehme man täglich 1-2 Esslöffel auf ein Glas Wasser und trinke es auf nüchternen Magen. Schmecken tut’s übrigens … gar nicht so schlecht.

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5 Kommentare
  1. Annamarie Rogenmoser, 08.04.2021, 07:59 Uhr

    @Gudrun, Sie unterstellen mir ziemlich viele Sachen, welche ich NIE so gesagt habe! So z.B. Chemie ist ja böse, oder Sie sagen ich gefährde Menschen.
    Nein, ich bin nicht Chemikerin, aber ausgebildete Heilpflanzenfachfrau TEN und mich als Quacksalber zu bezeichnen ist ziemlich frech !
    Ich möchte die Menschen wieder näher zu den natürlichen Heilmitteln und in die Natur bringen , was nicht heisst, dass man NIE mehr einen Arzt aufsuchen muss.

    Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute- mit oder ohne Heilpflanzen!
    Die vielen positiven Reaktionen auf diesen Artikel bestätigen mich in meiner Arbeit.

    Liebe Grüsse

    Annamarie

  2. Gudrun, 04.04.2021, 15:55 Uhr

    Es handelt sich um eine blutreinigende Pflanze, die den Stoffwechsel ankurbelt und antibakteriell wirkt», sagt die Fachfrau. Sie empfiehlt, davon zu essen, nachdem man mit Antibiotika behandelt wurde und der Darm wieder auf Vordermann gebracht werden muss.

    Es wimmelt von solchen Aussagen im Interview. Ich habe nichts gegen Naturheilkunde, aber diese undifferenzierte Art ist wirklich ärgerlich.

    -Blutreinigend? Was heisst das genau?
    -Stoffwechsel ankurbeln? Das kann auch Durchfall sein, Imfall.
    -Antibakteriell, ja das ist noch vieles, vielleicht Gifte sind auch antibakteriell.

    Sie wissen nicht welche Bestandteile der Pflanze sie bei der Verarbeitung extrahieren, geschweige den welche Menge, dazu bräuchte es nämlich analytische Chemie, aber Chemie ist ja böse. Dann haben Sie von Galenik auch keine Ahnung, das heisst von der Dareichungsvorm.

    Es gibt sicher eine belegte Wirksamkeit von Heilpflanzen. Nur handelt es sich dabei um sehr spezifische Studien, welche einzelne chemische Substanzen aus der Pflanze dafür verantwortlich machen. Diese Stoffe werden auch professionell aus der Pflanzr gelöst und die Mengen werden Untersucht und ev aufbereitet.

    Das Man sich irgendwelche Heilkräuter reinschieben soll, während der Antibotikaeinnahme soll man gefälligst dem Arzt überlassen.

    Ich habe nichts gegen Naturheilmittel aber hasse Quacksalber.

    1. Karin, 06.04.2021, 19:01 Uhr

      Solche Kommentare stimmen mich sehr traurig. Da hat man wohl was total falsch verstanden. Es ist jedem selbst überlassen was man ausprobieren möchte und was nicht. Von Quacksalber kann man hier ganz bestimmt nicht reden. Ich habe nichts gegen Meinungsäusserung. Aber ich mag solche Unterstellungen ganz und gar nicht. Das halte ich für eine Frechheit. Gehen Sie nach draussen, frische Luft schnappen oder bewegen Sie sich um Ihren Frust los zu werden.
      Freundliche Grüsse

    2. Gudrun, 07.04.2021, 20:54 Uhr

      Gibt es auch begründete Kritik oder warum genau stimmt sie das traurtig? Was ist denn genau nicht ok?

      Ja ausprobieren kann von mir aus jeder was er will, aber den Leuten irgendwelche Halbwahrheiten zu erzählen und sie möglicherweise gefährden geht ja wohl zuweit.

    3. Karin, 08.04.2021, 06:33 Uhr

      Ich kenne diese Kräuterfrau und weiss, dass sie keine Aussage macht ohne dass sie sorgfältig recherchiert hat oder sogar selber Erfahrung damit gemacht hat.
      Mich stimmt es traurig wenn man mit Unterstellungen daher kommt die weder Hände noch Füsse haben.
      Freundliche Grüsse,
      Karin

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