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Mit den Toten Hosen kam der Dauerregen
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Campino heizt die Stimmung in der Allmend an. (Bild: Marco Masiello)

Luzern: 50’000 Menschen in Mitsing-Laune Mit den Toten Hosen kam der Dauerregen

4 min Lesezeit 26.08.2018, 11:32 Uhr

Jetzt ist er vorbei: der Mega-Event in Luzern. Die Toten Hosen spielten vor 50’000 Menschen, die im Regen ihre Helden feierten. Die Düsseldorfer waren bei der Riesen-Show in der Allmend in Spiellaune – obwohl sich das Alter auch bei den Punkern bemerkbar macht.

Die letzten Wochen fieberte Luzern dem Konzert-Höhepunkt des Jahres entgegen. Die Toten Hosen besuchten am Samstag die Allmend. Erwartet wurden rund 50’000 Menschen. Um das Festivalgelände rechtzeitig in Schuss zu bekommen, wurde tagelang auf Hochtouren gearbeitet (zentralplus berichtete).

Wie sehr die Toten Hosen als Zuschauermagnet funktionieren, zeigt nicht nur das Riesen-Konzert in Luzern vom Samstag. Auch der Umstand, dass ein Schweizer Festival bereits jetzt vor Ort Werbung für ihr bestätigtes Line-Up 2019 macht, das da wäre: «Die Toten Hosen – und viele mehr». Aber das wäre vorweggenommen; bevor man schon wieder Tickets kauft, sollen die fünf Herren in Luzern überzeugen.

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Fisch-Filets mit politischer Aussage

Den Nachmittag verbrachten schon viele Zuschauer vor der Bühne zu den Klängen von The Living End, Feine Sahne Fisch Filet und den Donots (zentralplus berichtete). Dabei überzeugten die Rostocker Fisch-Filets, trotz des unsäglichen Namens, am meisten. Die Töne etwas schief, dafür überaus sympathisch und mit klarer politischer Aussage gegen rechts-aussen. Authentischer Deutsch-Punk mit viel farbigem Rauch, Frei-Bier für die Zuschauer und eigens mitgebrachter Schnaps-Ausschenk-Anlage.

Feine Sahne Fisch Filet: Sympathischer Punkrock aus Norddeutschland.

Feine Sahne Fisch Filet: Sympathischer Punkrock aus Norddeutschland.

(Bild: Marco Masiello)

Lange Schlangen vor dem Einlass 

Dann kamen pünktlich die Toten Hosen auf die Bühne. Und mit ihnen kam der Dauerregen. Zudem schien die Menschenmasse in der (eigentlich schon gut gefüllten) Allmend plötzlich noch mehr anzuschwellen. Erst fragte man sich, warum denn alle auf den letzten Drücker kommen, doch am Einlass wartete man scheinbar zeitweise bis zu einer Stunde. Viele wären also schon viel früher da gewesen. «Schlecht organisiert», hört man raunen. Doch trotz langer Schlangen: Bei Konzertbeginn sind die meisten drin und mit Bier versorgt.

Es wurde zusammengerückt und gedrängelt, bis jeder an seinem Platz stand – Bewegen ging fast nicht mehr. Also wehe, wer auf die Toilette musste. Wer seinen Platz hergab, fand nicht mehr zurück.

Die Band eröffnete mit «Opel Gang», einem Song aus den 80ern. Sofort war klar: Die Band hat Lust und Energie. Der Funke sprang schnell auf das Publikum über, das inzwischen durchnässt war vom andauernden Niederschlag.

Campi flunkert fürs Radio

Sänger Campino war zu Spässen aufgelegt. Da das Konzert live am Radio übertragen wurde, liess er sich nicht nehmen, für die Zuhörer den Event noch schöner zu reden, als er war. «Bei strahlendem Sonnenschein» stehe er auf der Allmend und blicke auf den «eigens für den Abend perfekt ausgeleuchteten Pilatus». Die Menge im Regen warf kurz einen Blick auf den in Wolken gehüllten Luzerner Hausberg – und goutierte Campinos Aussagen mit einem Lacher.

Freunde und Hosen-Fans: Die vier Herren aus Luzern. Der Kollege ganz links sieht die Band heute zum 10. Mal.

Freunde und Hosen-Fans: Die vier Herren aus Luzern. Der Kollege ganz links sah die Band zum 10. Mal.

(Bild: jwy)

Auch sonst zeigte sich der 56-jährige Sänger vorbereitet. Für seine Ansagen bewies er immer wieder Kenntnisse von Ort und Region, sprach vom Vierwaldstättersee und wusste um den aktuellen (schlechten) Tabellenplatz des FC Luzern. Nur einmal buhte das Publikum wohl auch für Campino unerwartet: Als er Ex-FCL-Coach Markus Babbel erwähnte. 

Authentisch – und älter geworden 

Campino wäre nicht Campino, würde er alle Einsätze treffen und die Texte fehlerfrei zum Besten geben. Das macht den Charme der Hosen auch vor 50’000 Leuten aus. Die Düsseldorfer sind eine geborene Live-Band und hören sich auch so an. Da darf man auch ein Lied in der Hälfte abbrechen («Bis zum bitteren Ende») mit der Begründung, Gitarrensolos seien doch langweilig und man habe zu wenig Zeit für den ganzen Song.

Das einzige, was fehlte, war der Extra-Schuss Spektakel. Die Toten Hosen fielen früher mit Kletteraktionen oder Pyro-Fackeln (siehe Video) auf. Doch heute sind Campino und Co. etwas gesetzter. Für Überraschungen sorgt das eigens mitgebrachte «Michail-Sergejewitsch-Gorbatschow»-Orchester, das die Band bei gewissen Liedern unterstütze. Man darf sagen: Auch Punks werden älter.

So sah die Show noch vor ein paar Jahren aus:

Dennoch spielten die fünf Musiker während zweieinhalb Stunden eine gute Mischung aus alten und neuen Songs, wie man das von ihnen kennt. Das Publikum auf der Allmend, wie so oft an Hosen-Konzerten, bewies Stimmkräftigkeit und Textsicherheit. Sowohl vorne wie hinten.

Am Ende stapften die Fans durchnässt, mit dreckigen Schuhen, aber sicher zufrieden von der Allmend. Jeder hätte noch seine Wunschsongs gehabt, die heute nicht zum Besten gegeben wurden – aber das dürfte normal sein, nach 36 Jahren Musik-Schaffen und 16 Studioalben.

Die Toten Hosen haben alles in allem überzeugt. Da dürfte das eingangs genannte Festival Freude haben – der eine oder andere wird sich sicher bald Tickets kaufen, um die Alt-Punker auch nächsten Sommer wieder zu sehen.

Weitere Impressionen gibt es in der Fotostrecke:

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