Mini-Pferdebaby hüpft dem Tod von der Schippe
  • Gesellschaft
Anfangs noch etwas schüchtern, traut sich das Baby-Minipferd nach einiger Zeit immer näher an die Besucher. (Bild: lwo)

Tierischer Nachwuchs auf dem Sonnenberg Mini-Pferdebaby hüpft dem Tod von der Schippe

4 min Lesezeit 11.07.2016, 18:30 Uhr

Der Sonnenberg ist ein sehr gemächliches Ausflugsziel. Doch was sich dort kürzlich rund um die zum Hotel gehörenden Miniross-Familie ereignet hat, geht auf keine Kuhhaut. Dabei geht’s um einen falsch kalkulierten «Scheidenalarm», um einen umweltfreundlichen Rasenmäherersatz sowie eine Webcam, die Erstaunliches zutage brachte.

Dass es bei der Geburt um ein Haar gestorben wäre, scheint das kleine weiss-braun gefleckte Energiebündel nicht zu beeindrucken. Der Nachwuchs-Hengst, der am 3. Juli auf dem Krienser Sonnenberg das Licht der Welt erblickt hat, ist einfach nur zum Knuddeln. Hüpft schon jetzt rum wie ein Grosser, erkundet neugierig die Welt, entzückt die Besucher – und muss noch einiges lernen. Etwa, dass weder bei seinem älteren Bruder Sunny noch seinem Papi Dusty «da unten» Milch rauskommt. Auch wenn das kleine Pferdchen es noch so hartnäckig versucht. Die Milch, die gibt’s nur bei Mutti Zora.

Dass am Zipfelchen von Papa keine Milch rauskommt, lernt das Jungpferdchen sicher auch bald.

Dass am Zipfelchen von Papa keine Milch rauskommt, lernt das Jungpferdchen sicher auch bald.

(Bild: lwo)

Ohne Hilfe droht Erstickungstod

Die nun vierköpfige Pferdefamilie der Rasse «American Miniature Horse» gehört zum Inventar des Hotels Sonnenberg oberhalb von Kriens. Diese Tiere werden maximal 90 Zentimeter hoch und stammen nicht, wie Viele meinen, von den Ponys ab, sondern sind eine spezielle Züchtung. Das bei Familien, Spaziergängern und Seminargästen beliebte Hotel wird seit 2007 vom Verein The Büez unter Geschäftsleiter Ron Prêtre geführt. Der Verein hilft arbeitslosen Menschen via Jobtrainings, wieder auf eigene Füsse zu kommen (hier gehts zum grossen Interview mit Prêtre).

«Der kleine Hengst hat ein Riesenglück gehabt, dass er bei der Geburt nicht erstickt ist», erzählt Prêtre. Denn diese Miniaturpferde sind überzüchtet und benötigen bei der Geburt Hilfe von Menschen. «Durch die Züchtung ist die Fruchtblase von schwangeren Pferdemüttern dicker als normal. Wenn das Baby rauskommt, muss man die Blase von Hand aufreissen», weiss Prêtre. Sonst kriegt das Neugeborene keine Luft und verendet in der Regeln nach wenigen Minuten.

Kleines Nickerchen nach einem aufregenden Tag.

Kleines Nickerchen nach einem aufregenden Tag.

(Bild: lwo)

Geburt überraschte alle

Weil man aber nie genau weiss, wann die Geburt eines Fohlens bevorsteht, wird den Stuten ein sogenannter «Scheidenalarm» eingenäht. Das ist ein Stift, der über die Scheide gelegt wird, bei Ausdehnung rausfällt – und dann via elektronischem Sender Alarm schlägt. «Das hat letztes Jahr bei Sunny gut funktioniert», erinnert sich Prêtre. Er habe zwar drei Wochen lang im Hotel übernachten und auf den Alarm warten müssen. Als es so weit war, konnte er aber sofort runter in den Stall sprinten und dem Neugeborenen aus der Fruchtblase helfen.

Doch beim noch namenlosen, am 3. Juli geborenen Baby-Hengst funktionierte das nicht. Weil der Tierarzt schätzte, dass der kleine Rabauke erst etwa drei Wochen später auf die Welt käme, hätte deshalb der «Scheidenalarm» erst später eingenäht werden sollen.

«Der Bruder zottelte während der Geburt einfach raus.»

Ron Prêtre, Geschäftsleiter Hotel Sonnenberg

Dann die Überraschung: «Am Sonntagabend, 3. Juli, habe ich die im Stall platzierte Webcam aufgerufen. Da sah ich, dass nicht drei, sondern vier Rössli rumstanden!» Prêtre fuhr sofort auf den Sonnenberg und realisierte erleichtert, dass alles in bester Ordnung war.

Mutter hat Fruchtblase platzen lassen

«Auf der Videoaufzeichnung konnten wir sehen, dass die Eltern das super gemacht haben. Die Mutter bemerkte, dass die Fruchtblase nicht geplatzt war, und schleifte diese deshalb über den Boden, bis sie aufging.» Auch Papa Dusty habe sich umgehend daran gemacht, den kleinen Stammhalter abzulecken und zu reinigen. Das nennt man Teamwork! Wobei: Bruder Sunny ist entweder sehr empfindlich oder sehr eigensinnig. Prêtre lacht: «Er zottelte während der Geburt einfach raus.»

Mini-Pferdesteaks mit Kräuterbutter? Nein, danke

Jetzt ist die Minipferdefamilie also zu einer Grossfamilie angewachsen. Doch dabei wird’s nicht bleiben. «Sunny verkaufen wir, sonst werden es zu viele. Diese Rassen bringt man gut weg, weil sie sehr pflegeleicht und sehr menschenlieb sind», sagt Prêtre. Ausser etwas Heu als Futterzugabe, gelegentlichen Kontrollen durch den Tierarzt und den Hufschmied würden keine Kosten anfallen.

Und was für einen Nutzen haben die Tiere? Pferdesteaks vom Miniross, garniert mit Kräuterbutter, findet man auf der Menükarte des Hotels Sonnenberg keine. Prêtre lacht: «Ich glaube nicht, dass man die überhaupt essen kann.» Angeschafft hätten sie die Pferde als «Rasenmäherersatz». Denn zum Hotel gehören 5000 Quadratmeter Wiese, und die will gemäht werden. «Weil der Lärm des Rasenmähers von unseren Besuchern aber nicht geschätzt wird, haben wir auf die Pferde umgesattelt. Das funktioniert super und hat den schönen Nebeneffekt, dass die Rösser unsere Gäste erfreuen.» Diese Gäste übrigens können via Wettbewerb Vorschläge für einen Namen des kleinen Glückspilzes machen.

Vom Kinderspielzeug zum «Beistellpferd»

Und zum Schluss noch etwas unnützes Wissen: Die amerikanischen Miniaturpferde wurden früher an den Königshöfen als Spielgefährten für die Königskinder gehalten und gezüchtet. Später dann, in Amerika, nutzte man sie als «Beistellpferde»: Weil normale, grosse Pferde nicht alleine gehalten werden durften, zwei aber zu teuer im Unterhalt waren, stellte man ihnen einfach ein kostengünstiges Minipferd dazu. Wie lustig diese das fanden, ist nicht überliefert. Bei der Mini-Rösslifamilie auf dem Sonnenberg muss man sich da keine Sorgen machen, die führen augenscheinlich ein sorgloses Leben. Zumindest bis zur nächsten Geburt …

Speziell für Kinder sind die Kleinpferde eine Attraktion. Füttern darf man die Tiere aber nur mit Gras.

Speziell für Kinder sind die Kleinpferde eine Attraktion. Füttern darf man die Tiere aber nur mit Gras.

(Bild: lwo)

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