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Mini-Olympia: Luzern zahlt 13 Millionen
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Luzern wird 2021 die Winteruniversiade durchführen.

Winteruniversiade 2021 in der Zentralschweiz Mini-Olympia: Luzern zahlt 13 Millionen

6 min Lesezeit 28.04.2016, 16:48 Uhr

Was Olympia für Profisportler, ist die Winteruniversiade für Studenten. Und die Austragung 2021 findet in Luzern statt. Nun muss die Stadt Luzern einen Betrag von zwei Millionen sprechen. Die Hoteliers reiben sich bereits die Hände.

Almaty, Krasnoyarsk, Luzern. Erstere noch nie gehört? Was sollen die kasachische und die sibirisch-russische Stadt mit «unserem» Luzern zu tun haben? Ganz einfach: Diese drei Städte haben den Zuschlag zur Austragung der nächsten drei Winteruniversiaden erhalten. Am 5. März 2016 hat die Fédération Internationale du Sport Universitaire (FISU) in Brüssel entschieden, die Winteruniversiade 2021 in der Zentralschweiz durchzuführen.

Die Luzerner Delegation freut sich über den Zuschlag zur Austragung der Winteruniversiade.

Die Luzerner Delegation freut sich über den Zuschlag zur Austragung der Winteruniversiade.

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(Bild: Eric Vidal)

Kosten halten sich im Rahmen

Das Organsieren eines solchen Events ist nicht ganz gratis: Die Gesamtkosten betragen 33,5 Millionen Franken. Der Bund und die Zentralschweizer Kantone beteiligen sich gemäss Planung mit je 13 Millionen Franken. Die Stadt Luzern will zwei Millionen Franken beisteuern. Nun liegt der Bericht und Antrag des Stadtrates vor – das Stadtparlament wird voraussichtlich am 9. Juni 2016 über den Standortbeitrag entscheiden.

«Der Europaplatz vor dem KKL und der Universität Luzern sollen das Herz des Events werden.»

Ursula Stämmer, Stadträtin

Ursula Stämmer, zuständige Stadträtin der Direktion Bildung, Kultur und Sport, erklärt: «Der Gesamtbetrag von rund zwei Millionen Franken kann mit jährlichen 200’000 Franken zulasten des Fonds zur Allgemeinen Förderung von Kultur und Sport bis 2021 beigebracht werden.» Eine Million werde dabei an den Kanton Luzern zuhanden der Gesamtkosten ausbezahlt, die andere wird zugunsten der direkten Verwendung in der Host City im Fonds zurückbehalten. «Kosten, die direkt bei der Stadt Luzern anfallen können, sind etwa Dienstleistungen des Tiefbauamtes oder banale Dinge wie Blumenschmuck», präzisiert Stämmer. Die Gelder aus dem Fonds würden übrigens nicht in Konkurrenz zu anderen Ausgaben in Sport oder Kultur stehen, hält Stämmer fest.

Europaplatz als Zentrum

Luzern ist die Host City, sprich, wird das Zentrum der Winteruniversiade sein. «Der Europaplatz vor dem KKL und der Universität Luzern sollen das Herz des Events werden», sagt Stadträtin Stämmer. Sie ist Vorstandsmitglied des Vereins «Winteruniversiade Luzern-Zentralschweiz», gemeinsam mit je einem Regierungsrat aus den sechs Zentralschweizer Kantonen. Luzern wird auch die Eröffnungsfeier austragen – voraussichtlich in der Swissporarena des FCL. «Die Schlussfeier wird entweder auf dem Europaplatz in Luzern oder im Anschluss an den Eishockey-Final in der Bossardarena in Zug durchgeführt», so Stämmer.

Die Winteruniversiade ist der weltweit zweitgrösste Winter-Multisportanlass direkt nach den olympischen Winterspielen. Erwartet werden über 2500 Studenten aus rund 50 Nationen im Alter zwischen 17 und 28 Jahren. Da scheinen die Gesamtkosten von 33 Millionen Franken eher tief. Das hat Gründe: Die erforderlichen Wettkampfstätten auf dem Stoos, in Engelberg, Einsiedeln, Andermatt, Zug und Luzern bestehen bereits oder können mit geringem Aufwand hergerichtet werden. «Und die Stadt Luzern kann auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen», meint Stämmer.

Auf der Karte ist ersichtlich, in welchem Gebiet welche Sportart ausgetragen wird. Nur der Kanton Nidwalden wird keine Wettkämpfe ausrichten.

Auf der Karte ist ersichtlich, in welchem Gebiet welche Sportart ausgetragen wird. Nur der Kanton Nidwalden wird keine Wettkämpfe ausrichten.

Eidgenössische Feste zuhauf

«Die Stadt Luzern hat sich als Festivalstadt mit diversen Grossanlässen etabliert», sagt Stämmer. Sie nennt das eidgenössische Schwing-, Jodler- und Musikfest. «Es wird auch bei der Winteruniversiade eine Bewilligung für die Benutzung des öffentlichen Grundes brauchen», erklärt sie. Doch es gibt zahlreiche solche Events, bei denen auch Strassensperrungen und Weiteres organisiert werden müssen. Stämmer nennt etwa den Lucerne Marathon. Aber auch der diesen Samstag stattfindende Stadtlauf kann erwähnt werden.

«Ein gelungener Event wird viel zur Steigerung der Bekanntheit der Marke Luzern und zu einem positiven Image beitragen.»

Sibylle Gerardi, Sprecherin Luzern Tourismus

«Eine Winteruniversiade ist ein Mulitsportanlass im Winter und eine ideale Ergänzung zu den bedeutenden Grossanlässen im Sommer und steigert die Bekanntheit der Marke Luzern», so Stämmer. Der Anlass bringe viele Vorteile mit sich. So werde etwa der Tourismus ganz direkt profitieren. Luzern verfügt als Host City über eine grosse Hotelinfrastruktur, sodass praktisch alle Teilnehmenden in Luzern übernachten werden. Zudem sind im Winter die Betten in der Regel nicht ausgebucht. «Weiter ist der Anlass auch optimal geeignet, um den noch jungen Hochschulstandort Luzern mit der akademischen Welt zu verknüpfen», findet Stämmer. Denn diese Teilnahme an einer Universiade seien immer mit einem Bildungsprogramm verknüpft, deshalb agiere die Uni Luzern als sehr enger Partner, erklärt Stämmer.

Urs Hunkeler (rechts), Leiter des Bewerbungskomitees, und der Luzerner Regierungsrat Guido Graf präsentierten im Januar die Kandidatur passenderweise vor der Universität Luzern.

Urs Hunkeler (rechts), Leiter des Bewerbungskomitees, und der Luzerner Regierungsrat Guido Graf präsentierten im Januar die Kandidatur passenderweise vor der Universität Luzern.

Tourismus hofft auf grossen Werbeeffekt

Urs Hunkeler ist Verwaltungsratspräsident der Messe Luzern AG und als Leiter des Bewerbungskomitees stark in das Projekt involviert. «Was kann Luzern als weltbekannte Tourismusdestination besser, als Gastgeberin einer solchen Veranstaltung sein?», fragt er rhetorisch. Er wird die Entscheidung des Stadtparlaments genau verfolgen. «Wir hoffen, dass die Luzerner Grossstadträte der Vorlage beherzt zustimmen werden.» Hunkeler ergänzt: «Das Projekt Winteruniversiade wird sehr gut aufgenommen und alle freuen sich darauf: Rund 40 regionale und nationale Organisationen und Institutionen haben für unser Bewerbungsdossier ihre Unterstützung schriftlich zugesichert.»

Im Video gab Urs Hunkeler nach dem positiven Zuschlag Auskunft über die Kandidatur:

Auch Ursula Stämmer sieht von politischer Seite wenig Gefahr für das Projekt. «Ich habe die Bildungskommission immer auf dem Laufenden gehalten und denke, man ist sehr an diesem tollen Sport-Event interessiert.» Insbesondere die angenehmen Nebenerscheinungen würden das Projekt attraktiv machen.

Ein direkter Profiteur dieser «angenehmen Nebenerscheinung» ist der Tourismus. Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus erklärt: «Es handelt sich um den weltweit zweitgrössten Multisport-Anlass im Winter, der entsprechende mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Winteruniversiade wird im In- und Ausland einen entsprechenden Werbeeffekt für die Region Luzern-Vierwaldstättersee zur Folge haben.» Der Anlass werde viele junge Leute, Begleitpersonen und rund 300 Journalisten aus 50 Nationen nach Luzern bringen, die danach in ihrer Heimat als «Botschafter» für Luzern als Feriendestination fungieren und allenfalls auch selbst wiederkommen. «Ein gelungener Event wird viel zur Steigerung der Bekanntheit der Marke Luzern und zu einem positiven Image beitragen», fasst Gerardi zusammen.

Mit Olympia hat Anlass wenig zu tun

Sammelt Luzern Erfahrungen, um später einmal die «grossen» olympischen Winterspiele durchzuführen? Die Schweiz will sich bekanntlich 2026 bewerben und Luzern wurde von verschiedenen Seiten immer wieder als Host City ins Spiel gebracht. Stämmer sagt: «Jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf die Winteruniversiade.» Ein Grossanlass wie Olympia würde wohl auch beim Volk auf Widerstand stossen. Die gescheiterten Kandidaturen aus Hamburg, München oder dem Kanton Graubünden veranschaulichen dies gut.

In Graubünden kämpfte der Verkehrsclub VCS an vorderster Front gegen Olympia. Wie hat es die VCS Sektion Zentralschweiz mit der Universiade? Die Grüne Luzerner Kantonsrätin und Geschäftsleiterin Monique Frey meint: «Die Winteruniversiade ist nicht mit den Olympischen Winterspielen vergleichbar.» Man könne in diesem Fall die vorhandenen Anlagen nutzen und müsse für die Athleten und Betreuer keine Extradörfer aufbauen. Frey stellt klare Forderungen an die Organisatoren: «Für den Verkehr kennt man zudem gute Beispiele der Kombination Eintritt plus öV-Billett. Dies werden wir einfordern.»

Bezüglich Eintritten planen die Organisatoren sowieso, dass der Besuch der Events kostenlos sein wird. Ein erklärtes Ziel des Organisationskomitees ist es, Publikum für die vielen verschiedenen Events zu mobilisieren. Neben den attraktiven Sportevents soll dieses auch durch ein abwechlungsreiches Rahmenprogramm und einen anziehenden Unversiade-Park angesprochen werden. Es wird auch angestrebt, im Konzertsaal des KKL hochstehende Kulturveranstaltungen stattfinden zu lassen. Und weiter lasse das KKL auch einfache Discoabende zu.

Die FISU war bereits in Luzern zu Gast und hat sich die betroffenen Standorte angeschaut, wie sie auf Facebook mitteilt:

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