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Mimiks ist zurück – und er ist lieber «niemer»
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Auf Erfolg getrimmt – oder es so nehmen, wie's kommt? Mimiks (27) hat die Antwort gefunden. (Bild: ida)

Neue Single des Luzerner Rappers Mimiks ist zurück – und er ist lieber «niemer»

5 min Lesezeit 18.08.2019, 05:00 Uhr

Star wollte er werden, mit Villa und Ferrari. Nun weiss der Luzerner Rapper Mimiks: Er will lieber wieder ein wenig normal sein. Zwei Jahre war es ruhig um Angel Egli – jetzt ist er mit einer neuen Single zurück.

Er fällt auf. In einem knallgelben T-Shirt bekleidet sitzt Mimiks – mit bürgerlichem Namen Angel Egli – auf der Terrasse bei der «Nachbar». Vom Inhaber wird er mit Handschlag und Lachen begrüsst, hier trifft man Mimiks und seine 041-Crew nicht selten an.

Nach zwei Jahren meldet sich der 27-jährige Luzerner mit einer neuen Single zurück. Wobei es vielleicht gar nicht eine solche ist. «Der Track dauert knapp acht Minuten und widerspiegelt die letzten vier Jahre meines Lebens», sagt Mimiks. «Es ist keine Single – vielmehr wird eine Story erzählt.»

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Wenn es beim Rappen nicht funkt

7 Minuten und 52 Sekunden – so lange dauert der neue Track genau. Kein Wunder, fällt es Mimiks schwer, in Worte zu fassen, um was es darin geht. «Ich habe viel Schönes erlebt – aber auch viel Schlechtes. Auf dem Track habe ich das alles verarbeitet.»

Also hören wir kurz rein in den neuen Song. «Ech gebe alles deför uf und söscht isch bald mal alles us», rappt Mimiks. Schliesslich setzte der gelernte Koch vor Jahren alles auf die Karte Musik. Und das nicht ohne Risiko. «Wenn man sich voll und ganz über die Musik identifiziert und es läuft nicht, wird das ganze Leben gleich viel anstrengender», sagt Mimiks.

«Durchstieren», bis es funkt

Zwei Jahre war es um Mimiks still. Untätig blieb er nicht. «Ich habe ungefähr 40 Tracks geschrieben – aber alle wieder vernichtet.» Der Vibe sei nicht da gewesen. Die Magie. Der Funke, dass es jetzt der Track sei, mit dem er sich zurückmelden möchte. Und er habe auch viele Songs geschrieben, somit viel gesagt. Klar sei er auch ein Perfektionist, wenn es um die Musik gehe. «Ich kann mich an Details aufhängen, die für einen anderen überhaupt nicht relevant sind.»

«Ich habe ein halbes Jahr gelitten, bis ich wieder in den Flow kam.»

Mimiks, Luzerner Rapper

Er musste die Sache «durchstieren», wie er sagt. Er habe zwar Bock gehabt, ins Studio zu gehen. «Aber ich kam nicht voran.» X verschiedene Sachen habe er ausprobiert. Und sich genervt, weil er nicht wusste, was los war. «Ein halbes Jahr habe ich gelitten, bis ich wieder in den Flow kam.»

Doch die Geduld hat sich ausbezahlt. Zehn, zwölf Songs habe er jetzt auf der Seite, die er richtig fühlt. Und somit ist das vierte Album bereits in der Pipeline.

«Für immer niemer»:

Mimiks steht im Rampenlicht

«Für immer niemer», heisst der erste Song, der sich in drei Teile gliedert. Am Sonntagabend wird das Musikvideo dazu releast. Mimiks rappt von seinem Werdegang. 2014 erschien sein erstes Album in den Läden. «Young Mimi näbe de andere […] crazy shit! […] alles no so neu gsi, jong und naiv, voller Träum.»

Mit seinem Debüt «VodkaZombieRamboGang» rappte sich Mimiks direkt auf Platz eins der Hitparade. Er galt als Zugpferd und Aushängeschild des gesamten 041-Kollektivs. Und bahnte sich seinen festen Platz in der Schweizer Rapszene. «Nome drü Zahle präged in Lozärn die ganzi Jugend.»

Mit seiner Bekanntheit kamen auch Reibereien, Dissereien – man kannte Mimiks in der Stadt. «Ey und den isch die Beziehig cho», rappt Mimiks im Song weiter. «Plötzlich öpis, won ech secher ned ha welle si.»

«Ech han welle läbe vom Applaus vo de Crowd.»

Mimiks in «Für emmer niemer»

Eineinhalb Jahre war Mimiks mit Influencerin Anja Zeidler zusammen. Mimiks rückte noch mehr ins Scheinwerferlicht, in den Fokus der Presse. «Rote Teppich, Interviews, Celebrity, kes Wunder redet si.»

Das kann gegen den Strich gehen. «Es ist eine Stimmungsfrage. Wenn ich easy drauf bin, kratzt es mich nicht, wenn man mich anspricht. Wenn ich nicht so gut drauf bin, dann kann es stressen, wenn die Leute glotzen.» Mit ein Grund, weshalb Mimiks heute in Zürich wohnt. «Da tauche ich regelrecht unter.»

In der Gedankenwelt gefangen

«Ech han emmer welle Star si – irgendwenn met Villa met Ferrari und so. Ech han welle läbe vom Applaus vo de Crowd

Irgendwann habe er sich in den Kopf gesetzt, dass er ein erfolgreicher Musiker werden möchte. Er stürmte die Charts. Auch mit seinem dritten Album «Jong & Hässig Reloaded» lag Mimiks vor Ed Sheeran an der Spitze der Schweizer Albumcharts. Doch er wollte mehr.

«Baby, ech bin cool mit dem Typ, won ech gsehn im Spiegel: Ey, de semmer halt für emmer niemer.»

Mimiks in «Für emmer niemer»

«Es führte zu einem latenten Unglück», sagt Mimiks heute. «Ich dachte darüber nach, wie ich das Ganze noch besser und grösser machen könnte.»

Frieden mit sich selbst geschlossen

Irgendwann habe er gemerkt: Das bringt es nicht. Er habe mit sich selbst Frieden schliessen müssen. «Ich bin easy mit mir selber, wenn ich jetzt nicht Superstar werde mit dem Ganzen.» Er sehe es nicht mehr so verbissen. Es komme, wie es kommt.

Und so rappt Mimiks weiter: «Säg, was bruch ech zum glöcklech wärde, esch es för ander öper si oder de Frede met mer sälber?» Und er fand die Antwort darauf: «Baby, ech bin cool mit dem Typ, won ech gsehn im Spiegel: Ey, de semmer halt für emmer niemer.»

Berufsmatura in Aussicht

Das Glas Wasser ist leer getrunken. Wir stehen auf, machen uns auf den Weg in Richtung Langensandbrücke, wo wir Mimiks für ein Foto ablichten. «Mit dem Musikmachen fühlt es sich jetzt wieder gleich geil an wie vorher», so Mimiks. Auch die berufliche Zukunft sei ein Thema.

«Und vielleicht gebe ich ja bald ein Kochbuch raus», meint er und lacht. «Spass. Aber ich bin wirklich der beste Hummus-Macher dieser Welt.»

Jedes Wochenende in Luzern: Mimiks.

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