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Milo Moiré – wer die nackte Luzernerin wirklich ist
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So freizügig zeigt sich Milo Moiré im Playboy. (Bild: Peter Palm)

Ist das Kunst oder kann das … in den Playboy? Milo Moiré – wer die nackte Luzernerin wirklich ist

4 min Lesezeit 14.07.2016, 09:33 Uhr

Nackt auf der Domplatte, als «Vaginalkünstlerin» Eier gebärend oder zum Anfassen auf der Strasse. Milo Moiré polarisiert. Jetzt zeigt sie sich auch im Playboy – als «Meisterin». Dabei kennt man die Luzerner Primarlehrerin hier unter einem ganz anderen Namen.

Die Luzernerin Milo Moiré erscheint in der kommenden August-Ausgabe des deutschen Playboys. Dort wird sie als «Performance-Meisterin» vorgestellt. Eine seltsame Kombination – das sexuell durch die SM-Szene konnotierte Wort «Meisterin» anstelle von Künstlerin zu nutzen. Im sportlichen Sinne oder anstelle von Virtuose wird es ja wohl kaum gedacht sein.

Anfassen erlaubt

Bekannt wurde die Luzernerin dadurch, dass sie ein Bild malte, indem sie Eier voller Farbe aus ihrer Vagina plumpsen liess, oder weil sie mit Passanten Nackt-Selfies machte. Neuerdings lässt sie sich auf der Strasse auch an die Geschlechtsteile fassen.

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Erst vor kurzem machte sie mit dieser Box zum Anfassen Schlagzeilen (siehe Video). Eine Aktion – ursprünglich aus den 60er Jahren von der Österreicherin Valie Export –, welche seit einigen Monaten im Kölner Museum Ludwig gut dokumentiert ausgestellt ist.

In Köln verbrachte die Luzernerin in den letzten Monaten scheinbar öfters Zeit. Kein Wunder, lebt sie doch mit ihrem Partner und Manager, dem Fotografen Peter Palm, gleich daneben in Düsseldorf. Aber auch in der Schweiz ist sie immer mal wieder. «Ich bin natürlich öfters mal in Luzern, meine Familie besuchen», schreibt sie uns per Mail.

Eine ihrer letzten Protestaktionen in Köln fand nach den sexuellen Übergriffen an Silvester statt. Nackt stellte sie sich auf die Domplatte und verkündet ihre Botschaft auf einem handgeschriebenen Schild: «Respektiert uns! Wir sind kein Freiwild, selbst wenn wir nackt sind!!!» Das würde wohl fast jeder unterschreiben.

<p>Milo Moiré nackt vor dem Kölner Dom. (Bild: Screenshot Youtube)</p>

Nach den Berichten aus der Silvesternacht habe sie ein Statement setzen wollen, schreibt sie auf ihrer Webseite: «Ich habe eine Null-Toleranz, was passiert ist und wie damit umgegangen wird. Das war mein erstes explizit politisches Statement. Ich bin ein Mensch, ich bin eine Frau, ich bin Performance-Künstlerin, ich bin Psychologin, ich bin europäische Bürgerin. Ich möchte die Werte wahren und dafür kämpfen, dass sie erhalten bleiben und dass man nicht einen Schritt zurück macht. Die Frauen sollen die Haltung bewahren und sich nicht einschüchtern lassen und für diese Freiheit einstehen.»

Die Enttarnung

Anfang diesen Jahres wurde bekannt, dass die Nacktkünstlerin in Luzern am Semi die Ausbildung zur Primarlehrerin machte, 2004 als «Moneygirl» bei Deal or no Deal arbeitete und 2005 bei der Wahl zur «Miss Bodensee» den Titel gewann. Später studierte sie Psychologie an der Uni Bern und machte 2011 ihren Masterabschluss. «Tages-Anzeiger»-Journalistin Michèle Binswanger outete als erste Moirés Vergangenheit. Doch auch sie hielt sich zurück, den bürgerlichen Namen der Performance-Künstlerin zu nennen, welcher zwar nach kurzer Recherche gefunden werden kann, jedoch in der Presse und von Seiten Moirés seltsamerweise komplett verschwiegen wird: Sue Pruzina.

Einfach nackt oder einfach Kunst?

Doch geht es wirklich darum? Oder bloss darum, die Ereignisse und den folgenden kollektiven Aufschrei in der Bevölkerung zu nutzen, um die eigenen Nacktauftritte bekannter zu machen?

Denn einige Aussagen Moirés kollidieren mit ihrem Aussehen, welches komplett und mit jedem nicht vorhandenen Härchen dem Ideal der heutigen Werbe- oder Pornoindustrie entspricht. Ganz offensichtlich tut Moiré einiges dafür, um der Öffentlichkeit einen «perfekten Körper» mit prallen Lippen und Silikonbrüsten zu präsentieren.

Ob das noch etwas mit der «atemberaubenden Schutzlosigkeit» zu tun hat, welche sie als Künstlerin propagiert? Kann ein nackter Körper, der perfekt dem Ideal der heutigen Zeit angepasst ist, überhaupt Verletzlichkeit ausstrahlen, oder Selbstbestimmung der Frau? Ist Milo Moiré wirklich nackt, oder hat sie sich einen perfekten Körper angezogen? Fragen, die ganze Kommentarspalten an Diskussionen über Feminismus, Selbstbestimmung und Schönheitsideale füllen können – und auch tun.

«Nicht viel nachgeholfen»

Für Milo Moiré selbst machen diese Überlegungen jedoch keinen Sinn: «Die Frage verstehe ich nicht, ich habe wirklich nicht viel nachgeholfen, hauptsächlich halte ich meinen Körper mit Sport und guter Ernährung in Form, der Rest ist Genetik, und dafür danke ich meinen Eltern. Was heisst denn ‹der heutigen Zeit angepasst›? Wo fängt das an, schon bei gefärbten Haaren oder lackierten Nägeln? Ist man deshalb mehr geschützt?», stellt sie per Mail die berechtigte Gegenfrage.

«Nacktheit ist medial überall präsent, aber wenn im Alltag wirklich jemand nackt vor einem steht, gilt das als unnatürlich», schreibt Moiré auf ihrer Webseite. Und auch hier muss man sich fragen, wie sehr sie mit nackter Natürlichkeit provoziert. Und wie sehr mit einem sexualisierten Idealbild der Frau. Geht es wirklich um Kunst, oder ist es schlichtweg eine mit etwas Kunst- und Psychologiegeschwurbel getarnte exhibitionistische Suche nach Aufmerksamkeit? Also perfekt für den Playboy?

Dort sagt Moiré im Interview aber: «Jeder darf denken, was er möchte. Für mich ist meine Arbeit Kunst. Meine Performances schaffen Metaphern, wecken Assoziationen, stellen Zusammenhänge her. Um das zu sehen, ist aber ein intensiver Blick darauf notwendig.»

Im Kunstblog Artnet News zur Art Basel 2015 wurde ihre Performance unter den «Worst of» aufgelistet. Der Kommentar: «Kunstmessen sind vielleicht ein guter Marktplatz, aber das hier ist jenseits von schlecht.» Es gelänge Moiré weder Menschen aufzurütteln noch eine originelle Aussage zu machen.

So bleiben ihre Performances meist im Boulevard. Und die Gaffer stehen bestimmt weiterhin Schlange. Doch, solange sich von diesen mit Kunst vielleicht weniger vertrauten Menschen wenigstens ein paar erstmalig Gedanken über Kunst oder die sexuelle Selbstbestimmung machen – gut so.

Sue Pruzina (links) zu ihrer Zeit als Moneygirl. (Bild: Screenshot charlywerdernews)

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