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Milizfeuerwehr muss abspecken
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Ab 2016 wird in Luzern auch hauptberuflich gelöscht. (Bild: Doku-Dienst FWL)

Luzern auf dem Weg zur Berufsfeuerwehr Milizfeuerwehr muss abspecken

5 min Lesezeit 31.03.2015, 10:30 Uhr

Ob Kleinbrände, Tierrettungen oder Ölspuren − neu deckt ab 2016 eine Berufsfeuerwehr das ganze Spektrum an Hilfeleistungen ab. Das hat auch deutliche Auswirkungen auf die bisherige Milizfeuerwehr.

Seit der Regierungsrat des Kantons Luzern die Leistungsvereinbarung für das Polizei-Löschpikett gekündigt hat (siehe Box), ist klar, dass das bisherige Milizsystem der Feuerwehr Stadt Luzern durch eine Berufsfeuerwehr ergänzt wird. Diese wird ab 2016 als Ersteinsatzelement die Aufgaben der Löschpiketts übernehmen. Nun wurde ein Konzept erarbeitet, wie die Luzerner Berufsfeuerwehr organisiert sein soll. «Wir wissen nun, wie wir diesen Leistungsauftrag umsetzen wollen und erstellen dazu den Bericht und Antrag zuhanden unserer Entscheidungsinstanzen», sagt Feuerwehrkommandant Theo Honermann.

Milizsystem wird gebraucht

Wie viel die neue Berufsfeuerwehr pro Jahr kosten wird und wie viele Leute eingestellt werden, kann Honermann zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Auch ob die Berufsfeuerwehr letztlich günstiger als das Löschpikett sein wird, bleibt noch offen. «Unser Konzept muss zuerst vom Stadtrat und Parlament behandelt werden.» Am Mittwoch wird der diesbezügliche Bericht und Antrag dem Stadtrat übergeben, bevor schliesslich im Juni das Stadtparlament darüber entscheidet.

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«Das Ziel bei der Neuorganisation der Feuerwehr ist, den verbindlich vorgegebenen Sicherheitsstandard zu gewährleisten», erklärt Honermann. «Dazu gehört auch, das Milizsystem weiterhin attraktiv zu halten. Denn die Miliz bleibt in vielen Bereichen trotz Berufsfeuerwehr unentbehrlich.» Gerade bei grösseren Einsätzen brauche es die Miliz, die über dieselben Kompetenzen wie die Berufsfeuerwehr verfügt und dieser deshalb auch nicht untergeordnet sein wird. Dennoch wird es zu einigen Veränderungen kommen, die ab 2016 schrittweise eingeführt werden.

«Die Miliz bleibt in vielen Bereichen trotz Berufsfeuerwehr unentbehrlich.»

Theo Honermann, Feuerwehrkommandant

«Best Practice» für Luzern

Polizei-Löschpikett forderte zu viel

Die Feuerwehr Stadt Luzern wurde bisher vom Löschpikett der Luzerner Polizei entlastet, damit die Milizfeuerwehr bei kleineren Bränden nicht aufgeboten werden muss. Doch damit ist Ende Jahr Schluss (zentral+ berichtete). Grund: Die Luzerner Polizei verlangte für diese Leistung 800'000 Franken mehr pro Jahr − also rund 1,5 Millionen statt der bisherigen 700'000 Franken. Die Stadt Luzern kam darauf zum Schluss, dass es besser sei, wenn die Feuerwehr das Löschpikett selbst führt. Um Zeit für diese Neuorganisation zu gewinnen, haben sich Stadt und Kanton auf eine 1,1-Millionen-Leistungsvereinbarung für das Jahr 2015 geeinigt. Das Löschpikett der Luzerner Polizei erhält bei diesem Kompromiss lediglich 400'000 Franken mehr als bisher.

 Nur ein Jahr hat die Feuerwehr Stadt Luzern Zeit, sich auf die Neuorganisation vorzubereiten. Anfang Jahr hat eine Projektgruppe die Feuerwachen in Lugano, Biel, St. Gallen und Winterthur besucht. «Obwohl der Grundauftrag der Feuerwehr überall gleich ist, ist jede Berufsfeuerwehr anders organisiert», so Honermann. In dem Sinne habe man von den Erfahrungen in den verschiedenen Städten stark profitieren und für das Luzerner Modell das Geeigneste herauspicken können. Honermann ist sich sicher: «Wir haben eine solide und auch bei der Milizfeuerwehr sehr gut akzeptierte Lösung für Luzern gefunden.»

Ab dem nächsten Jahr sollen drei Dienstgruppen im 24/48-Rhythmus Schichtbetrieb leisten. Das bedeutet: Auf einen 24-Stunden-Dienst folgen 48 Stunden Erholungszeit. «Es hat sich gezeigt, dass dieses Modell unter anderem auch sozialverträglich ist», erklärt Honermann.

250’000 Franken für den Umbau benötigt

Während ihrem Rund-um-die-Uhr-Dienst werden die Berufsfeuerwehrleute im Feuerwehrgebäude Kleinmatt vis à vis vom Neubad einquartiert, wo sie auch im Bereitschaftsdienst in der Nacht schlafen werden. Dazu sind Umbau- und Anpassungsarbeiten von rund 250’000 Franken nötig. 

Es braucht unter anderem neue Büros und Nasszellen, wie auch Schlaf-, Ess- und Aufenthaltsräume, welche in den bestehenden Räumlichkeiten integriert werden müssen. Die baulichen Massnahmen werden jeweils so umgesetzt, dass auch Berufsfeuerwehrfrauen genügend Privatsphäre haben werden. Nicht zuletzt wird es auch einen Fitnessraum geben, wo sich die Berufs- aber auch Miliz-Feuerwehrleute fit halten können.

Langweilig wird es den Berufsfeuerwehrleuten nicht, während sie auf Einsätze «warten». «Die Leute werden vielseitig eingesetzt», so der Kommandant. Neben der Zeit, die für das regelmässige Training der vielseitigen Einsatzleistungen sowie für Sport und Fitness zur Verfügung steht, gäbe es genügend Beschäftigungen in den bestehenden Fachbereichen wie Logistik, Administration oder Feuerpolizei.

Keine Chance für Ü32

Für Berufsfeuerwehrleute gibt es einen eidgenössischen Fachausweis, der in einer 18-monatigen Ausbildung an der Höheren Fachschule für Rettungsberufe in Zürich erworben werden kann. Ein solcher Abschluss sei für die Kandidaten jedoch nicht zwingend, erklärt Honermann. Jedoch sei geplant, dass man sich bei der Feuerwehr Stadt Luzern zum Berufsfeuerwehrmann oder -frau ausbilden lassen kann. Gut 80’000 Franken kostet der Lehrgang, der von der Stadt finanziert wird. «Diese Ausbildung ist hart», weiss Honermann. Da sie körperlich sehr herausfordernd sei, kämen dafür nur Kandidaten unter 32 Jahren in Frage.

Welche Eigenschaften müssen Berufsfeuerwehrleute mitbringen? «Im Grunde unterscheiden sich die Anforderungen nicht von jenen, die wir an die Leute aus der Miliz stellen», sagt Honermann. Man müsse gesund, belastbar und fit sein, aber auch genügend Begeisterung für das Metier mitbringen. Angst davor, nicht genügend qualifizierte Berufsfeuerwehrleute zu finden, habe man nicht. Erste Anfragen hätten gezeigt, dass solche Stellen in der Zentralschweiz gefragt seien. Von einer Wohnsitzpflicht in der Stadt Luzern will man absehen. Die Stellen werden zwischen Juli und September ausgeschrieben und vergeben.

Reduktion der Milizfeuerwehr

Berufsfeuerwehrleute bringen ein breites Wissen mit sich und seien deshalb vielseitig einsetzbar, erklärt Honermann. «Ob Kleinbrände, Tierrettungen oder Ölspuren – die Berufsfeuerwehr deckt das ganze Spektrum an Hilfeleistungen ab.» Dies führe auch dazu, dass die Miliz für Kleineinsätze weniger gebraucht werde. Den Bestand an Milizangehörigen möchte man bis 2019 von derzeit rund 330 Personen um rund 80 Leute verkleinern. «Wir werden aber sicher niemanden entlassen», betont Honermann. 

«Ob Kleinbrände, Tierrettungen oder Ölspuren − die Berufsfeuerwehr deckt das ganze Spektrum an Hilfeleistungen ab.»

Theo Honermann, Kommandant Feuerwehr Stadt Luzern

Diese Reduktion erreiche man durch natürliche Fluktuation und dadurch, dass man weniger Neue rekrutiere. Durch diese Massnahmen solle die Miliz gar attraktiver werden. Denn: weniger Leute, mehr Einsätze pro Feuerwehrangehöriger. «Wir sind überzeugt, das ist eine Win-win-Situation», so Honermann. Berufs- und Milizfeuerwehr seien gleichgestellt und würden gegenseitig voneinander profitieren können.

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