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Migros-Oberhaupt erlebte packende Einkaufsära
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Einkaufen im ersten Shopping-Center der Schweiz: So sah es 1967 in der Migros im Schönbühl-Center in Luzern aus. (Alle Bilder: Migros Luzern)

Als die Büchsen nach Luzern kamen Migros-Oberhaupt erlebte packende Einkaufsära

6 min Lesezeit 20.04.2016, 14:30 Uhr

Die Migros Luzern hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Einiges, was sich heute schweizweit etabliert hat, wurde hier erfunden. zentralplus sprach mit Anton Wechsler, der die letzten 40 Jahre bei der Migros verbracht hat, über die Entwicklung des orangen M. Und zeigt Bilder aus den frühen Anfängen.

Ein Einkauf in der Migros – was für uns heute selbstverständlich und kaum mehr wegzudenken ist, ist in Luzern erst seit 75 Jahren möglich. Während die Genossenschaft Migros Luzern zu Beginn der Erhebungen im Jahr 1949 in der gesamten Zentralschweiz lediglich 7,8 Millionen Franken erwirtschaftete, waren es im letzten Jahr stolze 1,4 Milliarden Franken.

Hätten Sie zum Beispiel gewusst, dass man früher nicht mit Einkaufswagen durch die Supermärkte fuhr? Und dass man teilweise nicht einmal in die Migros fahren musste, um dort einzukaufen? Aber: Dass wir heute so einkaufen, wie wir es kennen, haben wir in erster Linie den Amerikanern zu verdanken. Doch eines ums andere. zentralplus hat mit Anton Wechsler, aktuell Präsident der Verwaltung der Migros Genossenschaft Luzern und davor 40 Jahre in verschiedenen Funktionen in der Genossenschaft tätig, über die Geschichte des orangen M gesprochen und zeigt die Chronik in Bildern.

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Nur Grundnahrungsmittel im Laden

Anton Wechsler hat als einfacher Verkaufslehrling bei der Migros angefangen und hat sich nach und nach bis in die Geschäftsleitung und schliesslich an die Spitze der Verwaltung hochgearbeitet. «Dass man sein Leben lang nur für einen Arbeitgeber tätig war, ist aus heutiger Sicht eher unüblich», sagt der 63-Jährige. Trotzdem hatte er den ersten Meilenstein in der Geschichte seines Unternehmens noch nicht miterlebt: die Eröffnung der ersten Migros-Filiale in Luzern im Jahr 1930. 

Am 11. April 1930 wurde die erste Luzerner Migros-Filiale an der Grabenstrasse eröffnet.

Am 11. April 1930 wurde die erste Luzerner Migros-Filiale an der Grabenstrasse eröffnet.

(Bild: Migros Luzern)

Zu finden war das kleine Geschäft an der Grabenstrasse in Luzern, also am Löwengraben zwischen dem früheren Gefängnis und der ehemaligen Postfiliale in der Luzerner Altstadt. Damals sei es Standard gewesen, dass die Kunden bedient wurden. «Mit dem Einkaufswagen konnte man damals nicht durch den Laden fahren», so Wechsler. Dazu sei er ohnehin viel zu klein gewesen. Und: Auch das Sortiment beschränkte sich lediglich auf die wichtigsten Grundnahrungsmittel. Das blieb noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg so.

Erst 1949 wurde in Luzern an der Zürichstrasse der erste Selbstbedienungsladen der Migros in Luzern eröffnet – übrigens dort, wo heute der Schuhladen vis à vis vom Löwencenter eingemietet ist. Dazu inspirieren liess sich Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler übrigens in den USA. «Dort hatte sich das Modell der Selbstbedienung zu diesem Zeitpunkt längst in den Supermärkten etabliert», erklärt Wechsler.

1949 wurde an der Zürichstrasse der erste Migros-Selbstbedienungsladen der Zentralschweiz eröffnet.

1949 wurde an der Zürichstrasse der erste Migros-Selbstbedienungsladen der Zentralschweiz eröffnet.

(Bild: Migros Luzern)

«Die Migros wollte nicht nur Preisführer sein, was die Produkte angeht, sondern auch führend bezüglich der Betriebskosten», erklärt Wechsler die Motivation hinter den Selbstbedienungsläden. Das sei bis heute gleich geblieben und komme letztlich den Kunden zugute. «Da wir bis heute genossenschaftlich organisiert sind, steht bei uns die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund», meint Wechsler. Selbstbedienungsläden seien schliesslich nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll gewesen. «Das Konzept deckt ein wichtiges Kundenbedürfnis», so Wechsler. 

«Handel heisst Wandel»

Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit den heute beliebten «Self Scanning» und «Self Checkout»-Angeboten. Dass der Kunde seine Ware selbstständig erfassen und bezahlen kann, ist in den grösseren Filialen in der Zentralschweiz seit 2012 möglich. Heute werden in der Zentralschweiz bereits 30 bis 40 Prozent des Umsatzes an den Selbstbedienungskassen erwirtschaftet – Tendenz steigend. Dazu inspirieren liess man sich übrigens auch von den Amerikanern. «Es hat allerdings sehr lange gebraucht, bis wir diese Konzepte hier einführen konnten», so Anton Wechsler. Er war mit von der Partie, als eine Delegation der Migros in die USA reiste, um sich ein Bild von den dortigen Supermärkten zu machen.

Mittlerweile tüftelt man bereits an neuen Scan- und Bezahlmöglichkeiten. «Das ist jedoch noch Zukunftsmusik», so Wechsler. Braucht der Supermarkt der Zukunft überhaupt noch Kassenpersonal? Gehen in Zukunft Arbeitsplätze im Detailhandel verloren, indem sie automatisiert werden, wie es Zukunftsforscher prognostizieren? Nein, meint Anton Wechsler. «Handel heisst Wandel», das habe er im Verlauf seiner Karriere immer wieder bestätigt erhalten. «Klar bringt die Zukunft Veränderungen mit sich – doch bei der Migros wird es garantiert nie zu Massenentlassungen kommen.» Im Gegenteil, die Zahl der Mitarbeiter sei über die Jahre hinweg stetig gestiegen. «Auch in Zukunft wird es immer wieder neue Stellen geben», ist er sich sicher.

Anton Wechsler, Präsident der Verwaltung der Migros Luzern, ist seinem Arbeitgeber 40 Jahre lang treu geblieben. Hier posiert der 63-Jährige vor einem der ersten Verkaufswagen der Migros. (Bild: azi)

Anton Wechsler, Präsident der Verwaltung der Migros Luzern, ist seinem Arbeitgeber 40 Jahre lang treu geblieben. Hier posiert der 63-Jährige vor einem der ersten Verkaufswagen der Migros. (Bild: azi)

Produktsortiment ist explodiert

Von der Zukunft zurück in die Vergangenheit: Bereits fünf Jahre nach der Eröffnung stiess der erste Selbstbedienungsladen in Luzern an seine Kapazitätsgrenzen. 1954 erfolgte der Umzug der Migros in die Hertensteinstrasse, wo heute das Buchhaus Stocker zu finden ist. Dort hatte es nicht nur viel mehr Platz, es wurden auch eine Imbissecke und eine Hausbäckerei errichtet. 1974 kam auch ein Migros-Restaurant dazu. Im Jahr 2000 wurde die Filiale weiter vergrössert durch den erneuten Umzug zur «Schweizerhof-Migi», die wir heute kennen.

«Die grösste Veränderung hat die Sortimentsbreite erfahren», erzählt Wechsler. «Das Sortiment ist im Laufe der Zeit quasi explodiert.» Der Gusto der Kunden sei anders geworden, zudem gibt es jedes Produkt in verschiedenen Qualitäten – von günstig über Bio bis hin zu Spezialprodukten für Allergiker. Aber auch in Zukunft will die Migros das Sortiment ausbauen.

Verkaufswagen statt Quartierlädeli

Für alle, die etwas abgeschiedener wohnten, waren ab 1960 auch die ersten Selbstbedienungs-Verkaufswagen auf Tour. Die Initiative dazu kam von Rudolf Weber, dem damaligen Geschäftsführer der Migros Luzern.

1960 ging der erste Selbstbedienungs-Verkaufswagen der Migros in Luzern auf Tour.

1960 ging der erste Selbstbedienungs-Verkaufswagen der Migros in Luzern auf Tour.

(Bild: Migros Luzern)

Doch die Verkaufswagen der Migros waren nicht bei allen gern gesehen. «Die Detailhändler in den Dörfern, etwa der Metzger oder der Beck, fühlten sich durch die Konkurrenz bedroht», erzählt Wechsler. Bei den Kunden waren die Selbstbedienungswagen jedoch sehr beliebt – sodass man diese noch im Jahr 1984 neu konzipierte.

Der neu konzipierte Migros-Verkaufswagen ging in Luzern ab 1984 auf Tour.

Der neu konzipierte Migros-Verkaufswagen ging in Luzern ab 1984 auf Tour.

(Bild: Migros Luzern)

Erstes Shopping-Center der Schweiz in Luzern

Die Migros eröffnete jedoch weitere Filialen auf Stadtgebiet – unter anderem im ersten Einkaufszentrum der Schweiz: dem Schönbühl Center in Luzern. «1967 war dieses Shopping-Center ein einzigartiges Prestigeobjekt mit regionaler Ausstrahlung», erinnert sich Wechsler. Heute hingegen sei es vor allem eine gute Einkaufsmöglichkeit für die Quartierbewohner.

Das Shopping-Center Schönbühl-Luzern im Jahr 1967.

Das Shopping-Center Schönbühl-Luzern im Jahr 1967.

(Bild: Migros Luzern)

Erfolgsmodell in Luzern getestet

Bereits zehn Jahre später kam es in Luzern erneut zu einer Premiere: 1977 wurde im Tribschen-Quartier der erste Fitnesspark der Migros in der Schweiz eröffnet. Mit Erfolg: Es wurden täglich bis zu 1000 Eintritte gezählt. «Da hatte die Migros Luzern Pionierarbeit geleistet», sagt Wechsler. Heute ist die Migros schweizweit die grösste Anbieterin im Bereich der Fitnesscenter. 

1977 – der erste Migros-Fitnesspark im Luzerner Tribschen-Quartier ist eröffnet.

1977 – der erste Migros-Fitnesspark im Luzerner Tribschen-Quartier ist eröffnet.

(Bild: Migros Luzern)

2001 kam in Luzern der Fitnesspark National hinzu, 2012 eröffnete schliesslich der Fitnesspark im neuen Sportgebäude in der Allmend, wofür der Park im Tribschen geschlossen wurde.

Auch die ersten M-Budget-Partys gingen 2014 in Luzern im Club ABC Mix über die Bühne. Auf die Idee kam die Luzerner Marketingabteilung der Migros – worauf das Konzept in der ganzen Schweiz kopiert wurde. «Das ist kennzeichnend für die Migros», meint Anton Wechsler. «Jede der zehn regionalen Genossenschaften hat viel Freiraum, eigene Ideen zu verwirklichen.» Die Migros Luzern scheint damit stets Erfolg zu haben – noch immer ist sie jene Genossenschaft mit dem höchsten Marktanteil in der Schweiz.

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