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Mietbetrüger treiben ihr Unwesen in Zug
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Seesicht für 900 Franken? Mietbetrüger treiben ihr Unwesen in Zug

3 min Lesezeit 12.07.2019, 05:05 Uhr

Wer eine günstige Wohnung an der Chamerstrasse mieten will, soll Vorauszahlungen über AirbnB leisten. Mit einer dreisten Masche versuchen derzeit falsche Vermieter, aus der Wohnungsnot in Zug Kapital zu schlagen.

Nur 900 Franken Miete für eine Wohnung mit Seesicht in der Stadt Zug – eine solche Gelegenheit bietet sich einem nur selten im Leben. Dies dachte sich auch eine Zugerin bei einem Inserat auf der Immobilien-Seite von Comparis – und machte sich sogleich daran, sich das Schnäppchen zu sichern.

Das Inserat an sich ist nicht auffällig, denn im Haus an der Chamerstrasse gibt es 30 Wohnungen und immer wieder Fluktuationen. Eher seltsam ist indes, dass die Kontaktperson – offensichtlich die Vormieterin, denn die Immobilie befindet sich im Besitz einer Anlagestiftung – selbst nicht zu erreichen ist.

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Chamerstrasse in Zug: Hier waren angeblich sehr günstige Wohnungen zu haben.

Zweifelhaftes E-Mail aus den Ferien

Auf Kontaktversuche erhielt die Interessentin eine E-Mail. Die Kontaktperson sei derzeit in Spanien, man solle die Miete plus Kaution einfach über den Immobilien-Marktplatz Airbnb überweisen. «Ungesehen, versteht sich», schrieb die Interessentin vor wenigen Tagen in der Facebook-Selbsthilfegruppe «Zuger helfen Zuger», wo sie vor einem Betrugsversuch warnte.

«Cyberkriminalität kennt keine Grenzen.»

Frank Kleiner, Zuger Polizei

Sie ist nicht die erste, die ähnliche Erfahrungen gemacht hat. «Hab so etwas mit einer Wohnung am Zugerberg erlebt», heisst es in den Kommentaren unter dem Post. «Ist einer Freundin von mir auch schon passiert», oder «Hab ich auf Wohnungssuche in Luzern auch schon erlebt».

Verstand walten lassen

«Die Masche ist nicht neu», sagt Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Polizei. «Solche Inserate tauchen immer mal wieder auf.» An verschiedenen Orten und von Vermietern, die sich auch in London oder Deutschland aufhalten wollen. «Cyberkriminalität kennt keine Grenzen», sagt Kleiner.

Wichtig sei vor allem eins: «Auf keinen Fall Geld zu überweisen.» Schliesslich würde niemand eine Kaution für eine Wohnung leisten, ohne diese vorher gesehen zu haben. Vorsicht solle man daher auch bei Angeboten walten lassen, die ungeheuer verlockend aussähen.

Beschränkte Haftung

Verhindern lassen sich die dreisten Übertölpelungsversuche kaum. Ein Mann moniert in der Selbsthilfegruppe, dass er sich einem Mietpreisbetrüger an die Fersen geheftet habe und dessen IP-Nummer der Polizei weitergemeldet habe. Das Fake-Inserat sei darauf zwar verschwunden, weiter sei aber nichts passiert. Airbnb selbst übernimmt für die vermittelten Vermietungen keine rechtliche Verantwortung.

Melden kann man Betrugsversuche, Anzeigen nur in speziellen Fällen.

Frank Kleiner von der Zuger Polizei empfiehlt, in erster Linie und sofort die Immobilienplattformen zu benachrichtigen, wo die falschen Angebote aufgeschaltet werden. Diese könnten sie vom Netz nehmen und Informationen zum Fall sammeln.

Viele Hinweise

«Wir handeln bei jedem Verdacht auf Mietbetrug, wenn wir selber etwas bemerken oder von Leuten darauf aufmerksam gemacht werden», sagt Michael Kuhn von Comparis.

Comparis bündelt Inserate von verschiedenen Immobilienplattformen der Schweiz. Kuhn empfiehlt, die verschiedenen Plattformen über Auffälligkeiten zu unterrichten – aber auch der Polizei Meldung zu machen. «Nur so können genügend Informationen zusammenkommen, um allenfalls gegen die Betrüger vorgehen zu können.»

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