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Metro statt Busse: Luzern prüft neues System
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Ergänzen Metros dereinst die Busse? Die Stadt soll ein neues System für den öffentlichen Verkehr prüfen. (Bild: Fotoagentur AURA)

Ungewöhnliche Einigkeit im Stadtparlament Metro statt Busse: Luzern prüft neues System

3 min Lesezeit 17.11.2017, 07:24 Uhr

Kann man in Luzern in ferner Zukunft mit einer Metro statt im Bus fahren? Die Parteien im Stadtparlament zeigen sich gegenüber dieser Vision offen – mit einer Ausnahme. 

Wer den öffentlichen Verkehr in Luzern nutzt, kennt die Situation: Die Autos stauen sich und mittendrin steckt der Bus fest und kommt nur noch im Schritttempo voran. Zu den Hauptverkehrszeiten kommt das Netz an seine Grenzen und strapaziert die Nerven mancher Passagiere. Schneller ginge es unterirdisch, denn dort stehen keine Autos im Weg.

Geht es nach dem Stadtparlament, könnten Luzerner womöglich tatsächlich dereinst auf einem eigenen Trassee von A nach B gelangen. Der Grosse Stadtrat hat am Donnerstag mit klarer Mehrheit ein Postulat gutgeheissen, das den Stadtrat auffordert, die Idee einer Metro zu prüfen. 

Diese soll das Stadtzentrum im Idealfall mit Kriens, Littau oder Emmenbrücke verbinden. Die Idee von SP, Grünen und Grünliberalen geht damit weit über die von privaten lancierte Idee einer Metro zwischen Ibach und Schwanenplatz hinaus. Denn für diese, das zeigte sich im Stadtparlament ebenfalls, gibt es nach wie vor nur wenig Begeisterung (zentralplus berichtete). 

Stadtrat lehnt Revolution ab

Zwar will die GLP das Projekt mit einer Volksinitiative nochmals thematisieren, nachdem das Projekt jahrelang in der Schublade schlummerte, weil der Stadtrat das inzwischen ebenfalls versenkte Musegg-Parking bevorzugte. Unterstützung erhält sie von der SVP, die einer Metro ebenfalls offen gegenüber steht. CVP-Grossstadtrat Roger Sonderegger stellte hingegen die Finanzierbarkeit in Frage. Zum anderen ist für ihn klar: «Solange man in die Stadt fahren kann, tun Autofahrer das auch. Die Metro ist für sie nicht attraktiv.»

«Die Sehnsucht ist gross, mit einem Projekt fast alles zu lösen.»

Adrian Borgula, Stadtrat (Grüne)

Auch die Linken zeigen kaum viel Begeisterung für das Grossprojekt. Und nicht zuletzt beim Stadtrat fällt die Metro durch: «Die Sehnsucht ist gross, mit einem Projekt fast alles zu lösen», sagte Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne). «Die Realität in der Verkehrspolitik sieht anders aus.»

Der Stadtrat will denn auch grundsätzlich nichts von einer Metro wissen. Ein solches Netz sei zum einen sehr teuer, sagte Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne). Zum anderen fehle der Platz dafür. Eine Haltung, die im Stadtparlament fast reihum bedauert wurde. 

Denn Luzerns Politiker zeigten am Donnerstag, dass sie dem System einer Metro durchaus positiv gegenüber stehen. Allerdings geht es dabei eben nicht um das private Projekt mit Parkhaus in Ibach, sondern in erster Linie um eine bessere Alternative beziehungsweise eine Ergänzung zum Bus. 

Neue Annäherung in der Verkehrspolitik

Diese Offenheit kann man durchaus als Zeichen für eine neue Annäherung in der Verkehrspolitik werten. Bereits im September, als es um die Carparkierung ging, wurde der Ruf nach einem Konsens laut (zentralplus berichtete). 

Dass nach der Resignation nun offenbar der Wille vorhanden ist, wieder vermehrt am gleichen Strang zu ziehen, taten mehrere Voten kund. «Die FDP ist nicht gegen Visionen», sagte Reto Kessler (FDP). Es solle keine Denkverbote geben. Deshalb stimmte seine Fraktion dem Postulat zu, das die Idee einer Metro als zusätzliches Angebot im öffentlichen Verkehr prüfen sollte.

«Der Durchgangsbahnhof wird weiter verzögert, die Busse stecken in Autokolonnen fest.»

Mario Stübi, SP-Grossstadtrat

Auch SP-Grossstadtrat Mario Stübi erachtete eine solche Vision als gute Möglichkeit: «Der Durchgangsbahnhof wird weiter verzögert, die Busse stecken in Autokolonnen fest.» Gleichermassen offen zeigte sich die SVP, deren Grossstadtrat Marcel Lingg die «schöne Annäherung im Parlament» lobte. 

Einzig die CVP gab sch «konservativ», wie Roger Sonderegger selber sagte. Der Verkehrspolitiker monierte, dass eine grosse neue Infrastruktur enorm teuer sei. Er verwies auf die Metro in Lausanne, wo nur schon eine Linie rund 700 Millionen Franken kostete. Dennoch steckt die CVP den Kopf keineswegs in den Sand: Der Durchgangsbahnhof erlaube viel mehr Züge, so Sonderegger, und damit ein besseres S-Bahn-System.

Am Ende war sie aber allein: Alle anderen Fraktionen stimmten dem Postulat zu. Der Stadtrat muss nun aufzeigen, wie neue Ideen im öffentlichen Verkehr von und um Luzern aussehen könnten – und ob eine Metro dazu gehört. 

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