Met: Zuger Brauer will uns den Wikinger-Trunk schmackhaft machen
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Michael Iten braut seit seiner Schulzeit Honigwein. (Bild: Michael Iten)

Nordisches aus der Innerschweiz Met: Zuger Brauer will uns den Wikinger-Trunk schmackhaft machen

5 min Lesezeit 05.04.2021, 15:20 Uhr

Michael Iten aus Unterägeri ist Bankangestellter, Judo-Meister und Honigwein-Brauer. Seit seiner Schulzeit widmet er sich der uralten Brau-Tradition. Jetzt hat er die Met-Herstellung professionalisiert – und versucht, nicht nur Mittelalter- und Metalfans für das Produkt zu begeistern.

Den ersten Kontakt zum Honigwein hatte der Autor dieser Zeilen im Alter von 20 Jahren, als ihm ein Trinkhorn mit dem goldenen Gebräu unter die Nase gestreckt wurde, stilecht von einem befreundeten Wikinger, mit geflochtenem Bart und tätowierten Edda-Versen auf den Armen – weniger stilecht: in einem Bus in Schwyz.

Und in den Kanton Schwyz führt der Weg auch zu diesem Interview. Denn hier, in Pfäffikon (der Schwyzer-Version), hat der gebürtige Zuger Michael Iten aus Unterägeri seine Honigwein-Manufaktur. Die erste Berührung mit dem Getränk hatte der 34-Jährige allerdings bereits im Jahre 2004. «Das muss an einem Metal-Musikfestival gewesen sein», sagt er. «Ich weiss noch, dass ich es ziemlich gut fand», ergänzt er lachend.

Die ersten Brauversuche wagte er zwei Jahre später im Rahmen seiner Maturaarbeit über die nordische Mythologie. «Ich wollte meine Präsentation etwas ausschmücken und habe mit einem 2-Liter-Reagenzglas aus dem Chemielabor meine erste Charge gebraut und an der Präsentation verteilt.» Die Matura hat er bestanden – ob wegen oder trotz Honigwein, weiss Iten nicht genau.

Honig gegen Gürtel

In den Folgejahren betrieb er die Honigwein-Produktion als Hobby, experimentierte mit Rezepten und verteilte Kostproben an Freunde für einen symbolischen Batzen. «Das reichte gerade, um die nächste Charge zu finanzieren», erinnert er sich. «Ich wurde mit jedem Ansatz besser – das Feedback auch.»

«Es brannte mir immer unter den Nägeln. Ich wollte wissen, ob ich eine Nachfrage und ein stetiges Einkommen schaffen kann.»

Michael Iten, Honigwein-Produzent

Zu Uni-Zeiten hätte Iten dann die Chance gehabt, eine Startup-GmbH zu gründen, er lehnte jedoch ab. «Mir war damals die Spitzensport-Karriere wichtiger.» Denn Itens andere Passion zu jener Zeit war Judo. Bis zu seinem Rückzug aus dem Profisport 2015 wurde er neun Mal Schweizermeister und brachte zahlreiche Weltcup-Medaillen nach Hause.

Ganz aufgegeben hatte er die Brauerei jedoch nie. Auch später nicht, als er nach seinem Studium einem «normalen» Beruf nachging. «Es brannte mir immer unter den Nägeln. Ich wollte wissen, ob ich eine Nachfrage und ein stetiges Einkommen schaffen kann.» Denn obwohl Honigwein zu den ältesten alkoholischen Getränken der Menschheitsgeschichte gehört (siehe Box), fristet er heute eher ein Nischendasein.

Michael Iten präsentiert seine heimische Kreation «Goldstich». (Bild: Michael Iten)

Wie Wein und doch anders

Heute arbeitet Michael Iten hauptberuflich in einer Bank in Liechtenstein. Nebenher hat er mit seiner Brauerei im vergangenen Herbst aber die ersten Schritte Richtung Professionalität gewagt.

Produziert wird Itens «Goldstich» bei ihm zu Hause in einem Stahltank mit 220 Litern Volumen. «Der Herstellungsprozess ist nahezu identisch mit herkömmlichem Wein. Statt Trauben nimmt man jedoch Honig.» Man löst den Honig in ein Honig-Wasser-Gemisch auf, gibt eine speziell Hefe dazu und lässt das Ganze dann gären.

Später wird der Honigwein filtriert und abgefüllt. Ein Labor prüft anschliessend den genauen Alkoholwert, der meistens um die 14 Volumenprozent beträgt. Pro Jahr schafft Iten drei Chargen – was seinem Ziel entspricht. «Ich will dieses Jahr um die 600 Liter produzieren.»

Nach dem Abfüllen werden die Flaschen noch etikettiert (Bild: Goldstich)

Honig in rauen Mengen

Den Honig bezieht er von einem regionalen Imker – in ziemlich grossen Mengen. «Pro 100 Liter Wein brauche ich rund 40 Kilogramm Honig», sagt er. Finanziell zahlt sich das noch nicht aus. «Man kann damit Geld verdienen», sagt er, «aber davon bin ich noch weit entfernt.» Die bisherigen Einnahmen investiert der Zuger in neue Zutaten oder Ausrüstung.

Das Wissen rund um die Honigwein-Brauerei hat er sich im Laufe der Jahre autodidaktisch mit Büchern und weiteren Recherchen beigebracht. «Und das meiste weiss ich wegen Learning by doing», ergänzt er. Weitere Inputs hat er sich von Önologen und Sommeliers eingeholt. «Die bringen kritisches Feedback, das mich auch weiterbringt.»

Was einen guten Honigwein ausmacht, erklärt Michael Iten im Video.

Der Segen des Lebensmittelinspektorats

Auch wenn er inzwischen bereits sehr gute Ergebnisse erzielt, sieht sich Iten immer noch am Anfang: «Ich habe zwar lange in meinem Braulabor herumexperimentiert, aber ich stecke immer noch in den Kinderschuhen», sagt er lachend. Dazu gehörte auch die ganze Administration.

«Ich will den Honigwein als regionales Lifestyle-Produkt platzieren.»

«Ich habe mich stundenlang mit der Gesetzeslage auseinandergesetzt.» Bewilligungen für seinen Betrieb braucht er keine, da es sich bei dem Honigwein um ein vergorenes Getränk und keinen gebrannten Schnaps handelt. Die nötigen rechtlichen Abklärungen, auch mit dem Lebensmittelinspektorat, hat er dennoch getroffen. Dieses hat seine heimische Brau-Anlage abgesegnet.

Honigwein als Lifestyle

Selbst wenn Iten an einem Musikfestival auf den Geschmack gekommen ist, produziert er für eine andere Zielgruppe. «Ich will ein Produkt anbieten, das der Wertigkeit des Honigs gerecht wird.» Man solle zu zweit eine Flasche trinken können, ohne danach einen schweren Kopf oder einen vor Süsse zusammengeklebten Mund zu bekommen.

«Ich finde es toll, dass ich die Leute für ein uraltes, fast vergessenes Getränk begeistern kann.»

Darum strebt Iten auch nicht die Mittelaltermärkte oder die Festivalszene zur Kundengewinnung an, sondern eher Spezialitätenläden oder Personen, die offen für eine Ergänzung zum traditionellen Wein sind. «Ich will den Honigwein als regionales Lifestyle-Produkt platzieren.»

Ausgang ungewiss

Längerfristig wünscht er sich, dass er sein Hobby in einem dauerhaften Pensum betreiben kann. «Es soll immer noch ein Hobby bleiben, aber ein konstantes.» Ob das klappt, weiss er noch nicht. «Es kann sein, dass es niemanden interessiert und das Projekt nach einem Jahr wieder tot ist.»

Bisher seien ihm aber alle Chargen sehr schnell abgekauft worden – mit guten Rückmeldungen. «Ich finde es toll, dass ich die Leute für ein uraltes, fast vergessenes Getränk begeistern kann», sagt Iten und schenkt dem Autor und sich selbst noch einmal nach.

Skol!

Über Honigwein

Honigwein, auch Met genannt, gilt als eines der ältesten alkoholischen Getränke der Welt und soll Wissenschaftlern zufolge bereits in Afrika vor 20’000 Jahren getrunken worden sein. Auch im frühen Ägypten wurden 7’000 Jahre alte Gefässe mit Rückständen von Honigwein gefunden. «Berühmt» wurde das Gebräu später in den nordischen Ländern, wo der Met auch fester Bestandteil von Zeremonien und Ritualen der Wikinger war.

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