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«Menzingen verpasst eine Chance»
  • Politik
Keine Chance mehr auf Rettung: Das von Hanns A. Bruetsch gebaute Hallenbad in Menzingen wird im Herbst definitiv abgerissen. (Bild: zvg / M. Schwerzmann (Archivbild) )

Hallenbad wird nun definitiv abgerissen «Menzingen verpasst eine Chance»

4 min Lesezeit 25.06.2014, 14:08 Uhr

Noch 2010 hatten die Menzinger hart um die Rettung ihres Hallenbad gekämpft, dann ging den Bad-Befürwortern der Schnauf aus. Das ist vier Jahre her, und jetzt ist definitv klar: Im Herbst wird das Bad St. Franziskus abgerissen. Ersatzlos – Wo es jetzt steht, soll wieder Wiese sein. Das ist traurig, sagt der Menzinger Beat Weiss.

Jetzt ist es soweit: Das Hallenbad in Menzingen soll definitiv abgerissen werden. Während die Nachbarngemeinden Unter- und Oberägeri den Neubau einer ganzen Bäderlandschaft beschliessen (zentral+ berichtete), verschwindet klammheimlich das kleine Hallenbad St. Franziskus in Menzingen. Zu teuer die Renovation für die Gemeinde, zu wenig Bedarf von Seiten der Besitzer, der Schwestern vom heiligen Kreuz. Diesen Herbst wollen die Schwestern ihr Bad nun rückbauen, ersatzlos: Wo jetzt der schlichte Bau des Zuger Architekten Hanns A. Bruetsch steht, der auch das Haus Zentrum in Zug oder die Kirche Bruder Klaus in Oberwil gebaut hat, soll schon bald wieder Wiese sein.

Andere Lösung für den Schwimmunterricht

1967 wurde das Bad St. Franziskus gebaut, und von Generationen von Seminar-Schülerinnen und Schülern sowie von den Schwestern vom heiligen Kreuz verwendet. Nach über vierzig Jahren Betrieb wurde es 2009 vom Institut geschlossen: Es entsprach nicht mehr den Sicherheitsstandards und hätte renoviert werden müssen. Die Kosten wurden vom Gemeinderat mit 7.6 Millionen Franken veranschlagt, plus jährliche Unterhaltskosten von einer Million Franken.

Das war der Gemeindeversammlung zu teuer: Sie beschloss, sich nicht an der Sanierung des Bades zu beteiligen. Für die Menzinger Schulkinder fand die Gemeinde eine andere Lösung: «Es gibt Abkommen mit der Gemeinde Baar», sagt Gemeindepräsident Peter Staub, «wir sind in der Lage, unseren Kindern den Kurs zum Wassersicherheits-Check anzubieten.»

Zudem stünde der Gemeinderat immer noch in Verhandlungen mit den Gemeinden Ober- und Unterägeri zur Einmiete ins Ägeribad, dessen Bau die beiden Gemeinden am 22. Juni beschlossen haben. «Wir werden an der Dezember-Gemeindeversammlung darüber informieren», sagt Staub.

«Menzingen ist schlicht zu konservativ»

Dabei hatte schon die Schliessung des Bades für Widerstand gesorgt: 2009 hatten die Schwestern das Bad zugemacht, und 2010 hatte die Gemeinde Menzingen beschlossen, kein Geld für die Sanierung des Bades in die Hand zu nehmen.

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«Finanziell wäre eine Sanierung für die Gemeinde schlicht nicht tragbar», sagt Gemeindepräsident Roman Staub auch heute noch. Dennoch hatte eine Gruppe um Beat Weiss mit der Gründung der Interessengemeinschaft Pro Hallenbad versucht, das Bad zu retten, neben anderen Vereinen und Parteien, die ebenfalls für das Bad gekämpft hatten. Dass es nun tatsächlich abgerissen werden soll, das sei traurig: «Es ist eine verpasste Chance für Menzingen», sagt Weiss. «Aber die Gemeinde ist schlicht zu konservativ, und mit dem neuen Ägeribad sind die Chancen für eine Rettung unseres Hallenbads noch viel kleiner geworden.»

Günstigere Variante sei möglich gewesen

2010 hatte nur knapp ein Viertel der Gemeindeversammlung Nein gesagt zur Schliessung des Hallenbads, das ist ein klares Verdikt: «Wir sind bachab gegangen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung hätte viel grösser sein müssen, damit wir das Hallenbad hätten retten können.» Weiss ist nach wie vor überzeugt, dass es auch eine günstigere Variante hätte geben können, als die vom Gemeinderat damals gerechnete (siehe Infobox). «Es muss ja immer günstiger sein, ein Hallenbad zu sanieren, als ein neues zu bauen. Es hätte ein paar Millionen gekostet, bestimmt. Aber nicht so viele, wie der Gemeinderat gerechnet hat.»

 

Die Fensterfront des Hallenbads, hier noch mit Wasser.

Die Fensterfront des Hallenbads, hier noch mit Wasser.

(Bild: zvg / M. Schwerzmann)

 

«Für die Menzinger ist das Bad kein Thema mehr»

Gemeindepräsident Staub widerspricht Weiss: «In der Zwischenzeit hat es auch eine Abklärung durch den Kanton gegeben, der das Hallenbad allenfalls für sein Kurzzeitgymnasium hätte nutzen können. Aber er kam zum Schluss, dass die Sanierungskosten viel zu teuer gekommen wären. Man hat auch beim Kanton gesehen; das Hallenbad würde zu einer teuren Baustelle.» Eine Chance auf Rettung gibt es für das Hallenbad nicht, so Staub: «Es ist für die Menzinger kein Thema mehr. In der Bevölkerung ist das erledigt.»

Weshalb man so lange mit dem Abriss gewartet habe? «Das hat so lange gedauert, weil der Kanton im Rahmen seiner KGM-Planung das Bad mit einbezogen hat», sagt Staub, «zudem ist das Bad im Privatbesitz des Instituts Menzingen. Die Gemeinde hat keinen Einfluss darauf.»

«Für einzelne Schwestern ist das Bad auch mit Erinnerungen verbunden»

Urs Zahner vom Institut Menzingen glaubt ebenfalls nicht an Widerstand aus der Bevölkerung: «Die Menzinger nehmen das Hallenbad nicht mehr als solches wahr, es ist ja auch schon seit fünf Jahren geschlossen.» Die Bewilligung für den Abriss hat das Institut schon eingeholt. Eine Zwischennutzung kommt für die Schwestern nicht in Frage: «Wir haben Studien zu Zwischennutzungen gemacht, aber es gab keine Form, die für die Schwestern passend gewesen wäre.»

Ob der Rückbau für die Schwestern nicht schwierig sei? Das Bad wurde immerhin unter ihrer Ägide erbaut, vor 40 Jahren, und von vielen Schwestern lange besucht. «Für einzelne Schwestern ist das Bad sicher auch mit Erinnerungen verbunden», sagt Zahner, «aber die meisten von ihnen sind hochbetagt, sie können das Bad nicht mehr benutzen.» Es scheint als gebe es keine Chance zur Rettung mehr, auch für Beat Weiss ist klar: «Es ist vorbei. Menzingen ist schlicht zu wenig innovativ, um so eine Chance zu nutzen.»

40 Jahre lang hatte Menzingen sein eigenes Bad, jetzt muss es der Wiese weichen. Links im Bild der EIngang zum Bad, mit der Platzgestaltung im Originalzustand.

40 Jahre lang hatte Menzingen sein eigenes Bad, jetzt muss es der Wiese weichen. Links im Bild der EIngang zum Bad, mit der Platzgestaltung im Originalzustand.

(Bild: zvg / Ottiger Zug)

Sollen die Menzinger sich noch einmal für ihr Bad einsetzen? Benutzen Sie unsere Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit!


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