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Menschenrechte versus Zuger Firmen
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Ein Kind steigt aus einer Rohstoffmine in Burkina Faso. (Bild: Meinrad Schade)

Studie prangert Zuger Unternehmen an Menschenrechte versus Zuger Firmen

4 min Lesezeit 12.04.2016, 13:00 Uhr

Kinderarbeit, Wasserverschmutzung, unzumutbare Arbeitsplätze. Das sind Beispiele für nicht eingehaltene Menschenrechte. Das passiert – meistens weit weg – in Südamerika oder in Afrika. In Zug sollte das jedoch kein Problem sein. Ist es doch, sagen zwei NGO. Und tatsächlich – der erste Blick auf die Studie zu den Menschenrechten erstaunt. Der zweite auch.

Kinderarbeit, unzumutbare Arbeitsplätze, Vertreibung der ansässigen Bevölkerung, Verschmutzung von Wasser und Luft: Die Liste möglicher Menschenrechtsverletzungen in der Wirtschaft ist lang. Obwohl es von der UNO international anerkannte Standards zur Wahrung der Menschenrechte, spüren einige Schweizer Unternehmen offenbar nicht den Drang, diese umzusetzen. Das jedenfalls besagt die neueste Studie von «Fastenopfer» und «Brot für alle». Und die verweist auch auf Zuger Unternehmen.

Erschreckendes Resultat

«Fastenopfer» und «Brot für alle» haben die 200 grössten Schweizer oder in der Schweiz ansässigen Konzerne unter die Lupe genommen. Das Resultat ist erschreckend. Nur 11 Prozent dieser Unternehmen bekennen sich öffentlich zu den UN-Standards und setzen diese auch um. Auf der unrühmlichen Liste sind auch Zuger Unternehmen oder Firmen, die in Zug ihren Hauptsitz haben. Sechs von sieben schneiden schlecht ab.

Auf der Liste derjenigen Unternehmen, die sich nicht zu den Menschenrechten bekennen, stehen zum Teil sehr bekannte Namen. So erwähnen weder die Sika noch Mövenpick, noch die Transocean Ltd., die Kolmar Group AG, die Allreal Holding oder die Wild Flavors GmbH in ihrer Geschäftspolitik die Menschenrechte.

Zuger Unternehmen kommen nicht gut weg – bis auf eines

Erstaunlicherweise ist die Glencore das einzige Unternehmen auf der Liste, das Sitz in Zug hat und sich öffentlich zu den Menschenrechten bekennt. Das überrascht. Und wirft Fragen auf. Ist es doch gerade die Glencore, die immer wieder für menschenfeindliches Handeln kritisiert wird (zentralplus berichtete). Ist das Ergebnis der Studie überhaupt ernstzunehmen?

«Das bedeutet nicht, dass die Menschenrechte auch tatsächlich eingehalten werden.»
Chantal Peyer, Teamleiterin für ethisches Wirtschaften «Brot für alle»

Ja, sagt Chantal Peyer, Teamleiterin für ethisches Wirtschaften bei «Brot für alle»: «Seit Glencore 2011 an die Börse gegangen ist, wurde sie gezwungen, transparenter zu werden und gewisse Standards umzusetzen.» Die Verankerung der Menschenrechte in ihrer Unternehmenspolitik sei Teil davon. «Das bedeutet aber nicht, dass die Menschenrechte auch tatsächlich eingehalten werden. Aber sie bekennen sich dazu.» Natürlich gebe es immer noch Menschenrechtsverletzungen, mit denen Glencore im direkten Zusammenhang stehe. «Die wissen auch, dass es Probleme gibt, aber finden nicht die richtigen Massnahmen, um die Probleme zu lösen», so Peyer.

Ganz ähnlich sieht das Urs Walter, Medienverantwortlicher von «Brot für alle». Es gehe darum, Prinzipien festzusetzen. Die Umsetzung sei dann nochmals etwas ganz anderes. Dass ein Unternehmen wie Glencore sich beim Geschäften an den Richtlinien der UN-Menschenrechte orientiere, sei lobenswert. «Natürlich ist es damit nicht gemacht», so Walter.

Die Übeltäter schweigen fast alle

Zentralplus konfrontierte alle Unternehmen mit den Ergebnissen der Studie. Bis auf Mövenpick hüllten sich alle anderen Unternehmen in Schweigen. Mövenpick liess in ihrer schriftlichen Stellungnahme über die Assistentin der Geschäftsleitung verlauten: «Mövenpick hat den Schutz von Menschenrechten und der Umwelt in Geschäftsabläufe eingebunden – das betrachten wir als Selbstverständlichkeit.»

Heisst das jetzt, die anderen Unternehmen halten die Menschenrechte nicht ein? Dazu Urs Walter: «Wir haben nicht eine qualitative Studie durchgeführt, wer alles die Menschenrechte tatsächlich nicht einhält. Wir haben einfach die grössten Unternehmen unter die Lupe genommen und geschaut, ob diese die Menschenrechte in ihrer Unternehmenspolitik verankert haben.» Es gehe nicht darum, Unternehmen auf die Anklagebank zu setzen, sondern um eine quantitative Übersicht.

Reichen «Codes of Conduct» nicht?

Aus der Liste wird ersichtlich: Wenige bekennen sich zu den Richtlinien der Menschenrechte, einige haben aber einen «Code of Conduct» (so zum Beispiel die Sika, die Allreal und die Wild Flavors GmbH). Dieser berücksichtigt Mitarbeitersicherheit und -gesundheit auf der ganzen Versorgungskette. Genügt das denn nicht? Urs Walter sagt: «Der Code of Conduct geht viel weniger weit als die UN-Menschenrechts-Richtlinien.»

Meist seien die Codes of Conduct freiwillig und branchenintern geregelt. «Die Menschenrechte hingegen sind universell und branchenübergreifend. Sie regeln nicht nur, wie hier bei uns mit den Menschen umgegangen wird, sondern überall. Zudem sind sie einheitlich.»

Keine «Swiss Quality» bei Menschenrechten

Das reiche nicht, findet Chantal Peyer von «Brot für alle», und erklärt: «Wenn Unternehmen keine Menschenrechtspolitik haben, kann das zwei Dinge bedeuten.» Entweder hätten sich die Unternehmen tatsächlich noch nicht damit auseinandergesetzt, wie sie selber, ihre Zulieferer und Standorte im Ausland sich zu den Menschenrechten bekennen, oder sie würden sie ganz ignorieren. «Oder sie haben zwar Standards, kommunizieren diese aber nicht. Und das ist politisch und gesellschaftlich nicht mehr glaubwürdig in Zeiten von internationalen Standards.»

«‹Swiss Quality› ist wichtig, nur bei den Menschenrechten ist Schweizer Qualität offenbar nicht gesichert.»
Chantal Peyer, Teamleiterin für ethisches Wirtschaften «Brot für alle»

Konsumenten würden sich die Einhaltung der Menschenrechte wünschen, so Peyer. «Ausserdem werden Schweizer Unternehmen im Diskurs immer als verantwortungsvoll dargestellt.» «Swiss Quality» sei wichtig, nur bei den Menschenrechten sei diese offenbar nicht gesichert.

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