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Meister Deville und seine Geheimgesellschaft
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Eine Box voller Fragen und Geheimnisse beschäftigten Deville und das Kleintheater-Publikum. (Bild: sbr)

«Club Deville» im Kleintheater Luzern Meister Deville und seine Geheimgesellschaft

4 min Lesezeit 02.12.2017, 12:44 Uhr

Mit einem zugegebenermassen ziemlich schwammigen Werbetext lud Dominic Deville am Freitagabend ins Kleintheater zu seiner neuen Show «Club Deville» ein. Konspirativ, subversiv und mit doppeltem Boden – was darf man sich darunter vorstellen?

Der Abend stand ganz im Zeichen von Geheimnissen, Verschwörungen und grossen Fragen. Dominic Deville betrat die vernebelte Bühne, begleitet von mystischer Musik, und fragte zu Beginn: «Wie kann es sein, dass eine Show mit so wenig Werbung und einer dermassen vagen Beschreibung komplett ausverkauft ist?» Eine Dame aus dem Publikum antwortete ihm: «Ich bin einfach ein Fan von dir!» und sprach den meisten Anwesenden damit wohl aus der Seele.

Dominic Deville braucht keine Werbung, wenn er aus Zürich zurück in die Heimat kehrt und eine neue Show-Reihe lanciert. Oder, wie Deville sagt, eine Geheimgesellschaft gründet. Damit erfülle er sich den Kindheitstraum, einer ganz speziellen Gruppe zugehörig zu sein.

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Geheimgesellschaft des Irrsinns

Deville erzählte von seinen mehr oder weniger positiven Erfahrungen mit Clubs, von Kindergarten und Jugendbanden. Er schloss mit der Erklärung, dass dies der Grund war, aus dem alle hier seien – um Teil einer Geheimgesellschaft zu sein, in der man Irrsinn austauschen kann, dem Club Deville.

Dominic Deville erzählt von seinen Erfahrungen mit Clubs.

Dominic Deville erzählt von seinen Erfahrungen mit Clubs.

(Bild: sbr)

Ein Club braucht Regeln, und Deville erklärte die seinen: Zum einen wird geschnippt, nicht geklatscht – ausser, man kann seiner unbändigen Begeisterung auf anderem Wege keinen Ausdruck mehr verleihen. Für Gäste steht man auf, und weiter die Regel, die eine Geheimgesellschaft erst zu einer solchen macht: Man spricht nicht darüber.

Dies führte zu einem Konflikt mit den anwesenden Presseleuten, die Deville mit Nachdruck aufforderte, sich zu erkennen zu geben. Zum Glück hat jede Regel eine Ausnahme, und so darf über den Club gesprochen und berichtet werden, wenn sich damit neue Mitglieder gewinnen lassen. Deville diktierte sogleich einen Artikel für die Kollegen der «Luzerner Zeitung», um ihnen die Arbeit abzunehmen.

Von alten Legenden und Vorurteilen

Deville begrüsste in seinem Programm einen ganz besonderen Gast. Es sei ein Herr, den man nicht kenne. Aus gutem Grund, so sagte er und bat das Publikum, mit frenetischem Schnippen das ranghöchste Mitglied der Luzerner Freimaurer zu begrüssen.

Es herrschte Ungläubigkeit im Saal, das Schnippen war verhalten, und man fragte sich: Kann das sein? Devilles Gast erhob sich aus dem Publikum, setzte sich ihm gegenüber hin und stellte sich Devilles kritischen Fragen, «von Meister zu Meister».

Von Meister zu Meister: Dominic Deville (rechts) und der ranghöchste Luzerner Freimaurer.

Von Meister zu Meister: Dominic Deville (rechts) und der ranghöchste Luzerner Freimaurer.

(Bild: sbr)

Während Deville versuchte, ihm Geheimnisse zu entlocken, gab der Meister sein Bestes, die Vorurteile zu entkräften und ein unspektakuläres Bild der Freimaurer zu zeichnen. Dabei erklärte er seinen Werdegang, sprach über Symbole und verriet gar die Adresse der örtlichen Loge.

Deville entliess das Publikum mit einer Aufgabe in die Pause. Jeder war aufgefordert, auf einen Zettel eine Frage sowie ein Geheimnis zu schreiben und abzugeben. Die Fragen werde Deville beantworten, die Geheimnisse teilen und ein besonders delikates werde er, in einem rituellen Teil, aufessen.

Warum Trump?

Nach der Pause kehrte Deville mit einer Box voller Fragen und Geheimnisse in der Hand zurück. Mithilfe seines allwissenden Buches beantwortete er die wichtigen Fragen des Lebens: «Nimmst du Drogen?» «Warum Trump?» «Wann werden alle Menschen gleich behandelt?». Deville blieb auch bei diesem improvisierten Teil gewohnt souverän – er ist ein Routinier und das Kleintheater ein Heimspiel.

Der Adept «Filet im Fell» erklärt, wie Flugzeuge gebaut werden.

Der Adept «Filet im Fell» erklärt, wie Flugzeuge gebaut werden.

(Bild: sbr)

Im Anschluss übergab er die Bühne dem Adepten namens Filet im Fell. Ein Affe betrat die Bühne und tanzte wild, bevor er mit Hilfe von Zeitungen und Holz erklärte, wie der Mensch Flugzeuge baut. Das Publikum wusste nicht, was davon zu halten war, und die Lacher waren deutlich verhaltener als bei Deville. Nichtsdestotrotz wurde Filet im Fell per Abstimmung in die Reihen des Club Deville aufgenommen.

Das delikateste Geheimnis

Zum Finale las Deville die versprochenen Geheimnisse vor, die von «Ich hasse Fasnacht» bis zu «Ich weiss, wer die Kapellbrücke angezündet hat» reichten. Das delikateste Geheimnis von allen riss er in Fetzen und ass es, ohne es vorzulesen. Das heisst, es blieb beim Versuch, es zu essen – Deville litt sichtlich und liess die Fetzen auf anderem Wege verschwinden. Zum Schluss verwies er auf die nächste Sitzung im März, bevor er die Mitglieder seines Clubs in die Nacht hinaus entliess.

Mit «Club Deville» gelang Dominic Deville eine unterhaltsame Mischung aus festen Programmpunkten, lockeren Gags und Spitzen gegen verschiedene Teile der Gesellschaft und Interaktion mit dem Publikum.  Ein bisschen Zusammengehörigkeitsgefühl kam tatsächlich beim einen oder anderen auf. Denn als die Leute das Kleintheater verlassen, sahen sich alle ein wenig mehr in die Augen, als sie es normalerweise tun.

Deville, ganz der Lehrer, beantwortet Fragen mit Hilfe von Hellraumprojektor und Folien.

Deville, ganz der Lehrer, beantwortet Fragen mit Hilfe von Hellraumprojektor und Folien.

(Bild: sbr)

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