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Mehr Vorbilder für Schwule und Lesben
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Eine Szene aus dem Film «freeheld», der am «PinkPanorama» gezeigt wird. (Bild: Phil Caruso)

Luzerner Filmfestival «Pink Panorama» Mehr Vorbilder für Schwule und Lesben

4 min Lesezeit 11.11.2015, 14:02 Uhr

Das lesbischwule Filmfestival «Pink Panorama» findet wieder in Luzern statt. Eine Woche mit Filmen, Partys und Podien zum Thema «Vorbilder». Der Grüne Luzerner Politiker Marco Müller erklärt, weshalb das Thema zentraler geworden ist und wo die Vorbilder noch heute fehlen.

Immer mehr Bereiche unseres Lebens verlagern sich – teilweise – in die Öffentlichkeit. Durch die neuen Medien erhalten wir tiefere Einblick in das Leben anderer Menschen. Und die Selbstdarstellung, die dabei betrieben wird, führt dazu, dass wir uns immer häufiger mit ihnen vergleichen. Während wir uns von den einen Personen distanzieren, sehen wir andere als persönliches Vorbild.

Das Thema Vorbilder wird beim diesjährigen Pink Panorama auf verschiedene Arten beleuchtet. Marco Müller ist Mediensprecher von Pink Panorama und in Luzern vor allem als Präsident von «Grüne Stadt Luzern» bekannt. zentral+ wollte von ihm wissen, weshalb das diesjährige Pink Panorama unter dem Stichwort «Vorbilder» stattfindet.

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zentral+: Weshalb haben Sie sich in diesem Jahr gerade für dieses Thema entschieden?

Marco Müller: Weil für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und queere Personen (LGBTQ) Vorbilder eine ganz zentrale Bedeutung haben. Im Prozess der eigenen Identitätsfindung sind Rollenbilder enorm hilfreich und wichtig. Sie dienen einerseits der Abgrenzung, schaffen aber auch Orientierung. Gerade beim persönlichen Coming-out sind für viele Vorbilder wichtig.

«Heute ist man viel näher dran, am Alltag der Vorbilder.»

zentral+: Hat sich die Diskussion darüber in den letzten Jahren verändert?

Müller: Ja, das hat sie. Und zwar hauptsächlich in Bezug auf zwei Aspekte. Einerseits gibt es in der Zwischenzeit mehr Personen, die öffentlich zu ihrem Anderssein stehen. Somit gibt es mehr Personen, die für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transmenschen und queere Personen als Rollenmodell zur Auswahl stehen.

Anderseits sind uns durch die Social Media viel mehr Informationen aus dem Leben unserer «Vorbilder» bekannt. Heute ist Frau und Mann viel näher dran, am Alltag der Vorbilder, erfährt mehr von ihnen und häufiger. Zudem kann einfacher Kontakt hergestellt werden. Während früher eine Autogrammkarte oder ein Poster alles war, haben wir heute via Facebook, Instagram oder Twitter regelmässig ziemlich intime Einblicke ins Leben unserer Vorbilder.

Verlosung

Wir verlosen 2 x 2 Tickets für einen Film nach Wahl am Festival «Pink Panorama», das vom 12. bis 19. November 2015 im Stattkino Luzern gezeigt wird. Um teilnehmen zu können, senden Sie bis Donnerstag, 12. November, 15 Uhr, eine E-Mail an [email protected] mit dem Betreff «Pink Panorama» und Ihrer Filmwahl. Die Gewinner werden ausgelost und per E-Mail informiert. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich einverstanden mit unseren AGB.

zentral+: Brauchen junge Menschen explizit Vorbilder, die dieselbe Sexualität leben wie sie?

Müller: Ja, das ist enorm wichtig. Wobei mir persönlich das Wort Rollenbilder besser gefällt, da es sich nicht so abgehoben anhört. Um eine eigene Identität zu entwickeln, was zwar ein fortlaufender Prozess ist, der aber vor allem in jungen Jahren sehr intensiv ist, muss sich ein Mensch an anderen orientieren können. So findet jeder für sich heraus, was ihn oder sie fasziniert, wo man sich hingezogen fühlt, oder was «frau» ablehnt und nicht sein will.

zentral+: Wen würden Sie in der Schweiz als Vorbild für homo-, bi- und transsexuelle Menschen nennen?

Müller: Sven Epiney, Marco Fritsche, Stéphane Lambiel oder Kurt Aeschbacher, Corinne Mauch oder Nik Flütsch. Oder aus Luzern: Ramona Bachmann, Fussballerin der Schweizer Nati. Alles Menschen, die selber auch LGBTQ sind. Daneben aber auch heterosexuelle Personen wie Bligg, Stefanie Heinzmann oder Roger Federer.

zentral+: Wer zählt für Sie international dazu?

Müller: Conchita Wurst und Olivia Jones sicher. Dann lesbische Frauen wie Jodie Foster, Anne Will, Anja Pärson, Ellen Page, Martina Navratilova, Gianna Nannini, Cynthia Nixon, Hella von Sinnen. Schwule Männer wie Ricky Martin, Elton John, Georg Michael, Hape Kerkeling, Klaus Wowereit, Guido Westerwelle. Auch bisexuelle Menschen wie Megan Fox und David Bowie.

«Vor allem in männlich dominierten Mannschaftssportarten wie etwa im Fussball ist es schwierig, nicht dem gängigen Bild eines Heterosexuellen zu entsprechen.»

zentral+: Weshalb gerade diese Menschen?

Müller: Weil sie alle öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung stehen und für viele Vorreiter fürs Anderssein sind. Viele von ihnen engagieren sich auch öffentlich stark für die Gleichstellung von LGBTQ, was ihre Beliebtheit als Vorbild weiter steigert. Da diese Personen in irgendeinem Bereich auch sehr erfolgreich sind, träumen viele homosexuelle Menschen davon, selber auch einmal so zu sein.

Marco Müller

Marco Müller

zentral+: Wir sprechen immer von Prominenten.

Müller: Vorbilder sind bei den wenigsten nur prominente Personen. Oft sind es Personen aus dem Alltag wie du und ich, die andern als Vorbild dienen. Dies kann eine Lehrperson, ein Verkäufer oder eine Nachbarin sein, die irgendwie fasziniert, oder bei dem man denkt: So möchte ich auch mal sein. Es kann auch nur eine Eigenschaft sein, die man bewundert.

zentral+: In welchen Bereichen sind Vorbilder für lesbische oder schwule Menschen rar?

Müller: Vor allem in männlich dominierten Mannschaftssportarten wie etwa im Fussball ist es schwierig, nicht dem gängigen Bild eines Heterosexuellen zu entsprechen. Bis heute fehlt zum Beispiel ein aktiver Profi-Fussballer auf oberster Spielklasse, der sich als schwul outet und damit vielen ein Vorbild sein könnte.

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