Mehr Platz und Licht im Hinterhof des Bahnhofs Luzern
  • Regionales Leben
  • Bauen
Passt nicht zur Aufbruchsstimmung auf dem Rösslimatt-Areal: Der Ausgang des Frohburgstegs neben dem Hotel Radisson. (Bild: jal)

SBB wollen Passerelle aufwerten Mehr Platz und Licht im Hinterhof des Bahnhofs Luzern

4 min Lesezeit 2 Kommentare 04.04.2021, 16:13 Uhr

Der Frohburgsteg vom Bahnhof-Parking zum Tribschenquartier wird neu gestaltet. Statt des dunklen Abgangs ist eine breite, helle Treppe vorgesehen. Damit erhält der geplante neue Stadtteil auf dem Rösslimatt-Areal ein attraktiveres Eingangstor.

Nachts ist sie mit Sicherheit nicht der schönste Ort von Luzern: die Fussgängerbrücke vom Luzerner Bahnhof über die Gleise Richtung See. Der sogenannte Frohburgsteg ist abends oft verlassen, nicht sonderlich gut beleuchtet und auch optisch keine Augenweide.

Das soll sich ändern. Im Zuge des Grossprojekts auf dem Rösslimatt-Areal wollen die SBB die Passerelle aufwerten. Derzeit läuft das Baubewilligungsverfahren. Die Bundesbahnen wollen allein dafür 2,23 Millionen Franken investieren.

«Der heutige Abgang des Frohburgstegs ist eher dunkel und soll künftig heller und einladender erscheinen», begründet SBB-Mediensprecher Reto Schärli auf Anfrage. Geplant ist eine deutlich breitere Treppe anstelle der heutigen, die eng um den bestehenden Lift herum führt.

Der Ausgang zum Rösslimatt-Quartier hin soll offener gestaltet werden. (Visualisierung: zvg)

Auch das Sicherheitsgefühl soll verbessert werden, indem die Treppe nicht geschlossen und von aussen einsehbar ist. Ein neuer Lift stellt zudem sicher, dass auch Passanten mit Kinderwagen oder im Rollstuhl bequemer von A nach B kommen. Mit der Neugestaltung wollen die SBB auch einen repräsentativen Zugang zum Tribschenquartier respektive Bahnhof schaffen, so Schärli. Auch der Bürgenplatz unten soll später einladender gestaltet werden.

Es dauert noch einige Zeit

Auf dem Areal hinter dem Bahnhof entsteht in den nächsten Jahren ein komplett neues Stadtquartier (zentralplus berichtete). Bereits in den Startlöchern steht der geplante Neubau für die Hochschule Luzern sowie für das Büro- und Geschäftshaus nebenan, in welchem die Pharmafirma MSD Hauptmieterin wird. Beide Baugesuche liegen bei der Stadt Luzern aktuell auf.

Der Baustart respektive der Abriss des Gebäudes an der Bürgenstrasse soll noch in diesem Jahr erfolgen. Der Güterschuppen auf dem Baufeld A, auf dem das 180 Meter lange Hochschulgebäude entsteht, ist bereits abgerissen worden. Die Hochschule Luzern und die MSD können voraussichtlich 2025 einziehen. Die SBB als Bauherrin investiert über 160 Millionen Franken in die Neubauten.

Erst in einem zweiten Schritt – nachdem der Durchgangsbahnhof Realität ist – folgt der Bau von mehreren Wohnblöcken auf dem östlichen Areal Richtung Konzerthaus Schüür.

Indirekte Absage an Dachterrasse

Wie bei Grossprojekten üblich, geben viele Aspekte Anlass zu Diskussionen. Einer davon betrifft die Frage, wie viel Raum der breiten Bevölkerung zugestanden wird. Im November hat das Stadtparlament ein Postulat überwiesen, das unter anderem eine öffentliche Dachterrasse auf dem Gebäude vorsieht (zentralplus berichtete). Der Stadtrat wies bereits damals auf die geringen Chancen hin.

Ob sich die SBB darauf einlassen, ist tatsächlich äusserst fraglich. Sprecher Reto Schärli verweist auf Anfrage auf den gültigen Bebauungsplan, der keine Terrasse auf dem Dach vorsieht. Die SBB scheinen also nicht gewillt, von ihren Plänen abzurücken.

Zumal ihrer Meinung nach bereits viel getan wird, um die Sorge der Linken vor einem «toten» Businessviertel zu entkräften. So wird laut Reto Schärli im fünften Stock eine über die ganze Länge des Gebäudes reichende Loggia entstehen. Diese ist jedoch für die Studierenden und die Mitarbeitenden der Hochschule gedacht. «Auch auf Erdgeschossebene strebt die SBB eine attraktive und offen zugängliche Aussenraumgestaltung an.» Nebst dem neuen Frohburgsteg-Aufgang sei auch die Gleisloggia ein Beispiel dafür.

Die Pläne für das Rösslimatt-Areal im Überblick (mehr Infos durch Klicken auf rote Symbole):

Für Leben im Quartier soll auch das Erdgeschoss des Geschäftshauses an der Bürgenstrasse sorgen. Laut Baugesuch sind Retailflächen vorgesehen, in denen teilweise Kleingewerbe, teilweise Gastrobetriebe und ein Fitnesscenter erwünscht wären. Sobald konkrete Zusagen vorliegen, wollen die SBB informieren.

Ehemals besetztes Gebäude wieder belebt

Ein Stück des neuen Quartiers Rösslimatt steht bereits: das rosarote Haus an der Güterstrasse 7, bekannt geworden durch Besetzungen (zentralplus berichtete). Das 116-jährige Haus gilt als erhaltenswert und bleibt inmitten der Neubauten ringsum bestehen. Nach einer sanften Renovation sind die Wohnungen seit Anfang Jahr vermietet, die Gewerbeflächen und Ateliers sollen voraussichtlich Mitte Jahr bezogen werden.

Zurück zur Passerelle: Bis der Hinterhof des Luzerner Bahnhofs in neuem Licht glänzt, dauert es hingegen noch ein wenig. Die Aufwertung des Frohburgstegs erfolgt wegen notwendiger Gleissperrungen erst 2024.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 300 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Margarita, 06.04.2021, 11:12 Uhr

    Leider ist zu befürchten, dass die Rendite guten städtebaulichen Möglichkeiten den Riegel vorschiebt. Mitwirkungsverfahren sind ja gut und recht, nur, wieviel wird letztlich auf die Ansichten und Meinungen der Bevölkerung eingegangen?

  2. Michel von der Schwand, 06.04.2021, 09:29 Uhr

    Ideen- und zeitlich limitiertes Verbauen von Stadtraum ohne jegliches Potential. Keiner denkt weiter und schon gar nicht voraus. Das Hochziehen von Wohnsilos für den Pöbel, finanziert von Banken und Pensionskassen erfreut die gesichtslose Masse. Danach werden dann fleissig Verbotstafeln aller Art installiert. Für Kinder verboten, für Kultur verboten. Spätestens dann muss dann auch noch die Schüür weg.

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF