Masken(grau)zonen und die Krux mit der Eigenverantwortung
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Die Maskenpflicht im Freien wird heftig diskutiert. (Bild: Unsplash/Free To Use Sounds)

Wo muss man sie in Luzern tragen? Masken(grau)zonen und die Krux mit der Eigenverantwortung

4 min Lesezeit 1 Kommentar 07.11.2020, 12:07 Uhr

Luzern versucht seine Bürger fürs Maskentragen zu motivieren. Inspirieren die knalligen Plakate zu mehr Eigenverantwortung oder wären Zonen mit Maskenpflicht nicht effektiver?

Erinnert ihr euch eigentlich noch an das letzte Mal, als Masken in der Bevölkerung derart hohe Pegel an Verunsicherung, Angst, Wut und Unverständnis provozierten? Wir schrieben das Jahr 2015 und Unbekannte in «Killer-Clown»-Masken trieben in dunkeln Strassenunterführungen ihr Unwesen (zentralplus berichtete). Hach, einfachere Zeiten!

Stattdessen gruselt sich heute der eine Teil der Bevölkerung vor den «Nichtmaskierten», während sich diese vom fortschreitenden «Maskierungszwang» bedrängt fühlen – halt ganz so, wie wenn der Killer-Clown mit seinem übergrossen Hammer plötzlich hinter einem steht.

Wie auch immer wir hier angekommen sind –Tatsache ist, dass die vom Bund verordnete Maskentragpflicht im öffentlichen Raum aktuell für Diskussionen sorgt. Bei der Umsetzung hapert es – auch in Luzern – noch. Das wiederum hat den Luzerner Stadtrat nun dazu bewogen, eine «Sensibilisierungskampagne» zu lancieren (zentralplus berichtete).

To Rayon or not to Rayon

Die Knacknuss bei der geltenden Maskenpflicht liegt bekanntlich darin, dass sie örtlich nicht genau definiert wird. Anders als im Bus, Zug oder im Laden gibt es keinen exakten Beschrieb, wo man die Maske tragen muss.

Theoretisch könnte die Stadt Rayons definieren, in denen eine strikte Maskenpflicht gilt. Beispielsweise in der gesamten Altstadt. Davon sieht die Stadtregierung aber ab. Die Begründung: «Die Dichte der Passantenströme kann je nach Zeit und Ort stark schwanken.»

Dem könnte man entgegenhalten, dass die Dichte der Passantenströme entlang dem Quai (vom Musikpavillon bis zum Lido), auf dem Europaplatz oder dem Inseli, je nach Zeit, auch stark schwankend ist. Dennoch fackelte man im April nicht lange und sperrte diese Räume zwischenzeitlich (zentralplus berichtete).

Ja, schon klar, Eigenverantwortung

April ist gefühlt schon 120 Jahre her, die Welt ist nicht mehr die gleiche und die Behörden sind mit Rayon-Beschlüssen – für den Moment jedenfalls – offensichtlich zurückhaltender. Stattdessen appelliert die Stadt an die «Eigenverantwortung von jeder und jedem Einzelnen».

«Helfen Sie mit»: Mit diesen Plakaten appelliert die Stadt Luzern an die Eigenverantwortung.

Mit der Eigenverantwortung ist das aber so eine Sache. Als das Maskentragen im öffentlichen Verkehr noch nicht obligatorisch war, pochte man ebenfalls auf die Eigenverantwortung – ohne Erfolg. Dass die Maskenpflicht dann doch folgte, haben Mathematiker der Hochschule Luzern schon von Weitem kommen sehen (zentralplus berichtete). Kurz: Eigenverantwortung fordern wir eher von anderen ein, als von uns selbst.

Da gibt’s natürlich jene …

Was sich in den bizarren Monaten seit dem Frühlings-Lockdown auch verändert hat, ist die Einstellung vieler zur Pandemie und zum sich konstant verändernden Katalog an Massnahmen, den Bund und/oder Kantone zur Eindämmung des Virus beschlossen haben.

Mit Begriffen wie «Pandemiemüdigkeit», Beschreibungen wie «Coronaskeptiker» und Aussagen wie «Ich bin in der Hitze meines Vortrags eine Zeile verrutscht und habe die kapitale Falschaussage gemacht» mussten wir uns erst im Nachgang des Lockdowns auseinandersetzen.

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Klar, da sind die vielen «Koryphäen» der Virologie, die seit dem Lockdown aufgetaucht sind. Die meisten durchliefen ihre Ausbildung an der «Freien Universität Internet» mit anschliessendem Masterstudium in einer geheimen Telegram-Kabale und protestieren auch mal spontan vor Schulhäusern, in denen die Kinder vom Hörensagen zur Maske genötigt werden (zentralplus berichtete). Schon klar, dass sie gegen Maskenzonen sind.

… aber auch andere

Aber man muss gar nicht ganz so «tief drinnen» sein, um Sinn und Zweck von potenziellen Coronamassnahmen – wie etwa vordefinierte Maskenzonen – infrage zu stellen. Wer bestimmt diese Zonen? Weshalb ist dieses Quartier betroffen und nicht jenes? Wie kontrolliert man solche Zonen? Auf welcher rechtlichen Grundlage tut man das? Was, wenn sich «Ausweichrouten» abzeichnen? Und was gilt nachts, wenn kaum wer unterwegs ist?

Bei der Beantwortung solcher Fragen kann eine Stadtbehörde eh nicht gewinnen. Deshalb überlässt man sie wohl lieber übergeordneten Exekutivgremien – sprich dem Luzerner Regierungsrat oder dem Bundesrat. Definierte Maskenzonen würden bei klaren Ansagen aus diesen Reihen wohl eher akzeptiert werden, als wenn solche Massnahmen lediglich auf kommunaler Ebene umgesetzt würden.

Was die Maus über die Maske weiss

Bleiben die Ansteckungszahlen weiterhin hoch, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass der Bundesrat die Maskentragpflicht sowieso nochmals «nachjustiert». Nicht ausgeschlossen, dass dann eine generelle Maskenpflicht im Freien eingeführt wird – so wie zuletzt etwa in Italien.

Da wir also ohnehin noch ein Weilchen in die Maske schnaufen müssen, lohnt es sich nochmals aufzufrischen, was die Dinger tun und eben nicht tun. Den bisher anschaulichsten und am besten nachvollziehbaren Bericht zu diesem Thema hat übrigens kein selbsternannter Coronaexperte verfasst, sondern eine fast 50-jährige Maus aus dem Deutschen Fernsehen:

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1 Kommentare
  1. Sämi Thommen, 07.11.2020, 20:47 Uhr

    Masken an der frischen Luft sind einfach Schwachsinn. Punkt. In Innenräumen sofort, aber nicht draussen.

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