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Maskenbrunnen: Luzerner Stadtrat dreht Fasnächtlern das Wasser ab
  • Gesellschaft
Dieser bronzene Brunnen sollte auf dem Kornmarkt entstehen. (Bild: Visualisierung Adriaan Westenbrink GmbH)

Verein ist «erstaunt und betroffen» über das Nein Maskenbrunnen: Luzerner Stadtrat dreht Fasnächtlern das Wasser ab

3 min Lesezeit 28.05.2018, 16:20 Uhr

Es hätte das grosse Jubiläumsprojekt der Luzerner Maskenliebhaber werden sollen: der goldene Maskenbrunnen auf dem Kornmarkt. Doch nun der Schock – ohne Vorwarnung lehnt der Stadtrat das Denkmal ab. Obwohl die Behörden von Beginn weg involviert waren. Die Zünftler sind betroffen und sehen den Entscheid als Angriff auf das Brauchtum.

Zu ihrem 200. Geburtstag wollte die Maskenliebhaber-Gesellschaft eine riesige Bronzeskulptur auf dem Kornmarkt errichten. Es sollte ein Denkmal für das Engagement des Fasnachtsvereins darstellen und im nächsten Sommer pünktlich zum Jubiläum errichtet werden. «Der sechs Meter hohe bronzene Brunnen auf dem Kornmarkt ist dabei ein Leuchtturmprojekt», sagt Linus Gähwiler, Präsident der MLG, gegenüber zentralplus. Die Behörden zeigten viel Gegenliebe für das Projekt, sagte der projektverantwortliche Luzerner Architekt Adriaan Westenbrink noch im April.

Doch aus dem Stadthaus ertönt nun plötzlich entschiedene Opposition. Dies ist einer Antwort auf einen Vorstoss der SP-Fraktion zu entnehmen. Die Partei findet, das Werk überzeuge fachlich nicht und schaffe ein Denkmal für ein sexistisches, männlich dominiertes Weltbild, argumentieren die Genossen. Diesem Tenor folgt nun auch die Regierung.

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Bereits ein Fasnachtsbrunnen vorhanden

«Der Stadtrat hat beschlossen, die Errichtung des Brunnes auf dem Kornmarkt abzulehnen», erklärt er in der Medienmitteilung. Bereits habe man vergleichbare Projekte, welche ebenfalls finanzielle Folgen und Standortauflagen für den öffentlichen Raum mit sich bringen, abgelehnt. Für das Brunnenprojekt hätten die Maskenliebhaber eine Stellungnahme der Kommission für bildende Kunst einholen sollen, argumentiert die Exekutive weiter. Das Projekt hätte dort von Experten auf seine künstlerische Qualität untersucht werden sollen.

«Wir nehmen den Entscheid überrascht und betroffen zur Kenntnis.»
Linus Gähwiler, Präsident der MLG

Ausserdem widerspreche der Maskenbrunnen dem Anliegen des Stadtrates, die Plätze in der Innenstadt zu entlasten und Raum für Nutzende und Nutzungen zu schaffen. Zwar sei der Kornmarkt eine der wichtigsten Bühnen der Luzerner Fasnacht, doch mit dem Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz besitze Luzern bereits einen historischen Fasnachtsbrunnen.

Überraschend ist der Entscheid insofern, als dass die Stadt das Projekt von Anfang an durch zuständige Stellen begleitet hat. Unter anderem die Brunnenkommission und die städtische Denkmalpflege. Gemeinsam hat man den Kornmark als geeigneten Standort evaluiert, unter anderem aufgrund der zentralen Lage. Nun also vollzieht die Regierung eine Kehrtwende – das dürfte bei der MLG nicht gut ankommen.

MLG-Präsident Linus Gähwiler mit dem Zepter der Gesellschaft.

MLG-Präsident Linus Gähwiler mit dem Zepter der Gesellschaft. Der Brunnen hätte das gleiche Motiv zeigen sollen.

(Bild: zVg)

«Bösartiger Angriff auf Fasnachtskomitee»

«Wir nehmen den Entscheid überrascht und betroffen zur Kenntnis», sagt Präsident Gähwiler. Er hat erst am Montagvormittag persönlich von Stadtpräsident Beat Züsli vom Verdikt erfahren. Während des laufenden politischen Prozesses wolle man sich nicht weiter zur Haltung der Stadtregierung äussern. Erst wolle man abwarten, wie nun das Parlament reagiert.

«Wir hätten den Brunnen auch abgelehnt, wenn es eine reine Frauengruppe gewesen wäre.»

Beat Züsli, Stadtpräsident

SVP-Grossstadtrat Jörg Krähenbühl, der kürzlich zum Wey-Zunftmeister erkoren wurde, ist bestürzt. «Ich verstehe den Stadtrat nicht und empfinde das als bösartigen Angriff gegen das Fasnachtskomitee und die Zünfte in Luzern.» Man leiste einen wichtigen Beitrag zum Luzerner Brauchtum und biete wertvolle Wohltätigkeitsarbeit. Der Vorwurf der SP, das Denkmal verkörpere ein veraltetes Weltbild, dem widerspricht der Grossstadtrat. Die Zünfte hätten ein modernes Frauenbild, aber es sei nun mal Tradition, dass man in den bestehenden Zünften nur Männer als Mitglieder zulasse. Krähenbühl sagt, er werde einen Antrag stellen, den SP-Vorstoss abzulehnen.

Stadtrat nicht von Anfang an involviert

Stadtpräsident Beat Züsli betont, man nehme bewusst Abstand von der Kritik der SP an die Adresse der Zünfte. «Wir hätten den Brunnen auch abgelehnt, wenn es eine reine Frauengruppe gewesen wäre», so Züsli. Er könne jedoch gut nachvollziehen, dass die Maskenliebhaber nun enttäuscht sind.

Aber hätte der Stadtrat nicht früher kommunizieren müssen, dass er aufgrund übergeordneter Ziele den Brunnen ablehnt? «Anders als bei grossen strategischen Projekten ist der Stadtrat bei einem Kunstwerk nicht von Anfang an involviert», sagt Züsli. Es wäre nicht richtig, wenn man bei jedem Vorhaben von Anfang an mitentscheiden würde. Nun wurde die Exekutive jedoch von der SP zu einer Stellungnahme gezwungen – und hat den Stecker gezogen.

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