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Maskenball über dem Asylzentrum
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Der Leiter der Unterkunft Marco Fellmann vor deren Eingang. In der Turnhalle darüber findet am Freitagabend ein Maskenball statt. (Bild: zvg )

Ungewöhnliche Kombination in Beromünster Maskenball über dem Asylzentrum

3 min Lesezeit 1 Kommentar 04.02.2016, 05:00 Uhr

Laute Guggenmusigen, verkleidete Fasnächtler und ausgelassene Partys: So präsentiert sich die Luzerner Fasnacht. Bei einem Maskenball in Beromünster tummeln sich auf dem Fasnachtsareal zudem ungewohnte Besucher. Unter der Anlage befindet sich nämlich ein Asylzentrum. Wie arrangieren sich die Betroffenen?

Die Situation ist aussergewöhnlich. Der Kanton Luzern nahm im Dezember in der Gemeinde Beromünster eine Asylunterkunft in Betrieb. Genauer gesagt im Ortsteil Gunzwil, auf dem Schulhausareal Linden. Auf dem gleichen Areal findet seit rund 30 Jahren der alljährliche Maskenball der «Oelibrönner Gonzbu» statt – der «Oelibrönnerball». Die Turnhalle, die am Fasnachtsfreitag zur Festhütte wird, steht genau über der Zivilschutzanlage. Maskenball über Asylzentrum: Wie funktioniert dieses Miteinander?

Mit diesem Flyer wird für die Party geworben:

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In der Unterkunft in Beromünster sind rund 80 Männer einquartiert. Diese stammen hauptsächlich aus Afghanistan und Syrien. zentral+ hat beim Unterkunftsleiter Marco Fellmann nachgefragt, wie es am Freitag so vonstatten gehen wird.

zentral+: Herr Fellmann, haben Sie sich auf die spezielle Situation am Freitag vorbereitet?

Marco Fellmann: Im Rahmen des Deutschunterrichtes haben wir Informationsflyer vorgestellt (zentral+ berichtete ausführlich darüber). Dann haben wir Haus-Meetings, bei denen wir sicher nochmals erklären werden, was am Freitagabend vor sich geht. Wir haben den Asylsuchenden auch Bilder gezeigt und ihnen das bunte Treiben erklärt. Sie sind aufgeklärt darüber, dass die Fasnacht ein alter Brauch ist, an dem es darum geht, den Winter zu vertreiben.

zentral+: Haben denn die Asylsuchenden die Möglichkeit, den Maskenball zu besuchen?

Fellmann: Nein, der Tagesablauf ändert sich durch den Anlass überhaupt nicht. Das bedeutet, um 22 Uhr wird die Unterkunft geschlossen. Bis dann müssen sich alle Asylsuchenden innerhalb der Unterkunft befinden. Am frühen Abend findet aber draussen ein Monsterkonzert statt, das sie besuchen können.

Unterkunftsleiter Marco Fellmann vor dem Asylzentrum im Gespräch mit einem Asylsuchenden.

Unterkunftsleiter Marco Fellmann vor dem Asylzentrum im Gespräch mit einem Asylsuchenden.

zentral+: Und Sie denken, dass alle um 22 Uhr in der Anlage sind?

Fellmann: Ja, bis jetzt wurden die Regeln gut eingehalten. Fehlt jemand, wird abgeklärt, wo sich die Person befindet, etwa ob sie Urlaub, hat. Und wir haben die Telefonnummer von jedem Einzelnen. Ich sehe wirklich keine Probleme, aber wir hätten ein kleines Dispositiv bereit.

zentral+: Es könnte ja sein, dass es am Monsterkonzert zu Reibereien kommt – vielleicht mit angetrunkenen Fasnächtlern.

Fellmann: Genau, wir haben uns natürlich schon überlegt, was passieren könnte. Aber im Grossen und Ganzen ist die Grundstimmung gut, wir hatten einen guten Austausch mit den Oelibrönnern. Rund um einen solchen Maskenball ist ja sowieso ein hohes Sicherheitsdispositiv vorhanden. Und auch Betreuer der Unterkunft werden vor Ort anwesend sein.

zentral+: Befürchten Sie betrunkene Asylbewerber?

Fellmann: Nein, auch bis anhin hatten wir nie Probleme mit Alkohol. Der massvolle Konsum ist erlaubt, harte Alkoholika werden aber von den Unterkunftsleitern eingezogen.

«Die Klänge einer Guggenmusig sind bestimmt neu.»

Marco Fellmann, Unterkunftsleiter Asylzentrum Beromünster

zentral+: Wie sieht es mit dem Lärm aus? Können die Asylbewerber überhaupt schlafen, wenn ausserhalb die Post abgeht?

Fellmann: Darauf bin ich selbst gespannt. Ich kann ehrlich gesagt nicht beurteilen, ob man etwas hören wird. Aber Zivilschutzanlagen sind ja eigentlich gut gebaut, grosse Probleme sehe ich nicht.

zentral+: Glauben Sie, die Fasnacht interessiert die Asylbewerber überhaupt?

Fellmann: Die Luzerner sind schon sehr angefressen und begeistert. Wir werden sehen, wie das den Asylbewerbern gefällt. Die Klänge einer Guggenmusig sind bestimmt neu. Am vergangenen Freitag fand übrigens bereits die Kinderfasnacht im Schulhaus Linden statt. Da haben sie die verschiedenen Kostüme gesehen. Sie freuten sich und lachten.

zentral+: Und sind weitere Fasnachtsaktivitäten geplant?

Fellmann: Ja, die Asylbewerber haben Arbeitseinsätze rund um den Fasnachtsumzug in Neudorf. Sie helfen am Samstag beim Aufbau, am Sonntag am Umzug und am Montag beim Abbau. Und sie dürfen natürlich auch dem Umzug beiwohnen.

In der Zivilschutzanlage Linden werden seit Mitte Dezember 80 Asylsuchende untergebracht.

In der Zivilschutzanlage Linden werden seit Mitte Dezember 80 Asylsuchende untergebracht.

(Bild: Montage, bra)

zentral+ präsentiert einen Blick ins Innere der Asylunterkunft:

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1 Kommentare
  1. U. Zaugg, 04.02.2016, 12:35 Uhr

    Asylanten im Urlaub? Was fur eine Spinnerei ist das.