Martin Frydek: «Wenn der FCL will, bleibe ich noch ein paar Jahre»
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Vier Torvorlagen und ein paar Blackouts: Trotzdem hat Martin Frydek die Erwartungen in Luzern erfüllen können. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Erst der Ligaerhalt verleiht Planungssicherheit Martin Frydek: «Wenn der FCL will, bleibe ich noch ein paar Jahre»

4 min Lesezeit 29.04.2021, 16:08 Uhr

Verwertet der FC Luzern am Samstag in Vaduz auch seinen zweiten Satzball, ist sein Kampf um den Ligaerhalt ein weiteres Mal erfolgreich verlaufen. Er gäbe Sportchef Remo Meyer grünes Licht, um seine Personalplanung zu konkretisieren. Martin Frydek (29) ist eine von 16 FCL-Personalien, bei denen die Weichen gestellt werden müssen.

Erst der Einzug in den Cup-Halbfinal mit einem 2:1 nach Verlängerung in Lugano, dann die sieben Punkte aus den letzten drei Meisterschaftsspielen gegen St. Gallen (0:0), Lausanne (1:0) und Zürich (3:1): Beim FCL geht’s aufwärts. Edel-Joker Varol Tasar hat in den letzten beiden Ernstkämpfen jeweils den Siegtreffer erzielt (zentralplus berichtete) und seinen Arbeitgeber den ersten von zwei Satzbällen verwerten lassen (zentralplus berichtete).

Am Samstag steht im Fürstentum Liechtenstein der zweite Schritt der FCL-Mission Ligaerhalt an. Fünf Runden vor Schluss haben die Luzerner sechs Punkte Vorsprung auf den auf Barrage-Platz 9 liegenden FC Vaduz. Bis jetzt trennten sich die beiden Mannschaften mit einem 4:0 für den FCL und zweimal mit einem 1:1.

Erinnert sich Luzerns Trainer Fabio Celestini an das erste Unentschieden auf der Allmend, erfasst ihn wohl ein Schauder: «Wir waren in der ersten Halbzeit dominant, führten 1:0, kassierten danach eine Rote Karte und in der Schlussphase einen dummen Penalty.»

Bei FCL-Trainer Fabio Celestini gesetzt

Die Rote Karte ging auf die Kappe von Alex Carbonell und der Penalty auf jene von Martin Frydek. Für Carbonell war es der Anfang vom Abstieg in die Bedeutungslosigkeit beim FC Luzern (zentralplus berichtete).

Frydek hingegen verpasste nach einem späten Transfer (drei Ernstkämpfe schon vorüber) nur zwei Meisterschaftspartien. Bei der ersten wurde er nicht aufgeboten, bei der zweiten war er wegen einer Rotsperre nicht spielberechtigt. Und seine FCL-Premiere bei Meister und Titelverteidiger YB in Bern (1:2) erfolgte erst nach der Pause.

«Es hätte durchaus das eine oder andere Tor mehr sein dürfen als ich bisher auf dem Konto habe.»

FCL-Verteidiger Martin Frydek

Sonst ging der Tscheche immer über die volle Distanz. Ohne Übertreibung lässt sich festhalten: Im Dispositiv von Fabio Celestini ist Martin Frydek als linker Verteidiger seit fast einem Jahr gesetzt.

Vier Torvorlagen hat der offensiv orientierte Aussenläufer in 26 Spielen gegeben, aber sein erster Treffer im FCL-Dress steht noch aus. Wie bilanziert Martin Frydek seine Zusammenarbeit fünf Spieltage vor Schluss?

«Es hätte durchaus das eine oder andere Tor mehr sein dürfen als ich bisher auf dem Konto habe», hält er mit einer Portion Selbstironie fest. Er müsse mehr schiessen, hat er sich vorgenommen. «Und defensiv muss ich besser werden, um dem Team noch mehr helfen zu können.»

Seine Blackouts sind Frydek unerklärbar

Es sind diese defensiven Blackouts, die seinen Gesamteindruck trüben. Martin Frydek ist ein technisch begabter Fussballer, der antizipieren kann und das Gespür dafür besitzt, sich in die Offensive einzuschalten. Aber dann unterlaufen ihm Ausfälle wie gegen Vaduz (1:1), St. Gallen (1:2/Notbremse, Rot und Penalty) und dem 1:1 gegen Sion (Fehlpass zum Ausgleich).

«Diese Fehler haben mich beschäftigt. Aber ich habe keine Antwort darauf gefunden, warum sie mir unterlaufen sind. Ich musste innert Sekundenbruchteilen eine Entscheidung treffen, und ich habe jeweils die falsche gewählt. Darum kann ich nicht mehr sagen, dass das einfach schlecht gemacht war», geht Frydek mit sich schonungslos ins Gericht.

Vielleicht waren es diese Aussetzer unter Berücksichtigung der starken Konkurrenz, die ein Aufgebot für die tschechische Nationalmannschaft verhinderten. Für Martin Frydek, der im März 2019 gegen Brasilien seinen letzten Teileinsatz für die tschechische Auswahl absolviert hat, ist der EM-Zug wohl abgefahren: «In diesem März war ich nicht dabei. Und das macht es nun umso schwerer. Aber ich habe die Ambitionen, wieder für die Nationalmannschaft zu spielen, nicht aufgegeben», bemerkt er.

Leichtes Spiel für FCL-Sportchef Remo Meyer

Und erst recht jene nicht, seine berufliche Zukunft in den Farben der Luzerner zu gestalten. Sein Vertrag läuft zwar noch bis zum Ende der nächsten Saison, aber er bedarf einer Verlängerung, um zu zeigen, dass der FCL weiterhin auf ihn setzt und ihn bei Ablauf des Arbeitspapiers nicht ohne Transfersumme ziehen lassen muss.

Nachdem die Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden FCL-Innenverteidiger Marco Burch für die nächsten Jahre festgelegt worden ist (zentralplus berichtete), ist Martin Frydek eine von nach wie vor 16 Personalien, über die Sportchef Remo Meyer unmittelbar nach Sicherung des Ligaerhalts zu befinden hat.

«Ich möchte mit dem Verein gerne etwas aufbauen.»

Darunter sind für die Luzerner Teamleistung so entscheidende Namen wie Goalie Marius Müller, Spielgestalter Louis Schaub, Defensiv-Stabilisator Marvin Schulz oder der hochtalentierte Filip Ugrinic (zentralplus berichtete).

Martin Frydek will seinen Verbleib in Luzern offenbar nicht von einem finanziellen Poker abhängig machen. Zu zentralplus sagt er ohne Wenn und Aber: «Wenn der FCL will, bleibe ich noch ein paar Jahre hier. Ich möchte mit dem Verein gerne etwas aufbauen.»

Wahrscheinlich wird sich Remo Meyer wünschen, dass sich jede Verhandlung, die er zu einem positiven Abschluss bringen möchte, mit einem solchen Bekenntnis beginnt.

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