Maroder Friedhof in Emmen hat Problem mit halbverwesten Leichen
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Die Urnennischen-Halle des Friedhofs Gerliswil in Emmen. (Bild: cbu)

Sanierung kostet 6 Millionen Franken Maroder Friedhof in Emmen hat Problem mit halbverwesten Leichen

5 min Lesezeit 2 Kommentare 05.07.2021, 18:15 Uhr

Der Friedhof Gerliswil in Emmen ist arg in die Jahre gekommen. Im Verlauf der nächsten 15 Jahre wird er umfassend saniert. Das ist auch dringend nötig, denn nebst Wasseransammlungen im Erdboden und wild wucherndem Wurzelwerk, das zu Stolperfallen mutiert, sind auch die Leichen nicht mehr richtig verwest.

Ein Friedhof ist ein Ort der Besinnung, der Erinnerungen, des Abschiednehmens. Auf dem Friedhof bei der Kirche Gerliswil, die an erhöhter Lage beim Sonnenplatz in Emmen thront, wurde das aber immer schwieriger. Ein Bericht des Gemeinderats legt die Gründe dafür offen – und die sind zahlreich.

Besonders ein Mangel sticht hervor – und zeichnet ein wenig appetitliches Bild: «Die Verwesung bei der Erdbestattung ist nicht ausreichend; Lehmböden führen zu Wasserstauungen und behindern eine gesetzeskonforme Verwesung», heisst es in dem Bericht. Was das bedeutet, kann sich jeder in etwa vorstellen. Was aber ist eine «gesetzeskonforme Verwesung»? Philipp Bucher, Pressesprecher der Gemeinde Emmen elaboriert: «Eine gesetzeskonforme Verwesung ist dann gegeben, wenn der Leichnam innerhalb der Grablaufzeit vollständig verwest, im besten Fall nach zwei bis drei Jahren.»

Stolperfallen, einstürzende Mauern

Ein weiteres Problem seien die Wege und damit ist nicht nur die fehlende Rollstuhlgängigkeit der Anlage gemeint. Denn in den vergangenen Jahren hat sich das Wurzelwerk ungehindert verbreitet und bricht stellenweise aus dem Boden, wo es zu Stolperfallen mutiert. «Vereinzelt ist es zu Stolpervorfällen meist älterer Menschen gekommen, die zu Fuss nicht mehr so gut unterwegs sind», schreibt Bucher auf Anfrage. Verletzungen habe es aber keine gegeben. Und das soll auch so bleiben.

Ausserdem müssen auch die Treppen und Mauern renoviert werden, einige davon seien gemäss Bericht gar «einsturzgefährdet». Darum hat die Gemeinde Emmen nun mit der Sanierung der altehrwürdigen Anlage vorwärtsgemacht. «Die Sanierung ist schon länger ein Thema. Die entsprechenden Vorbereitungen wurden vor gut drei Jahren gestartet.»

Schäden an dieser Treppe werden voraussichtlich 2024 behoben. Dann nämlich werden einige der Wege mit rollstuhlgängigen Rampen versehen.

Sonderkredit über 3 Millionen bewilligt

Denn bisher wurde die rund 20’000 Quadratmeter grosse Friedhofsanlage noch nie umfassend saniert. «Einzig neue Anlagenbereiche sind über die Jahre hinzugekommen», so Bucher. Aktuell bietet der Friedhof Gerliswil Platz für rund 4’000 Gräber. Und gerade weil in den vergangenen Jahren nur noch die nötigsten Unterhaltsarbeiten gemacht worden seien, forderte der Gemeinderat im vergangenen Jahr einen Sonderkredit über 3’135’000 Franken für die nächsten vier Jahre.

Dieser wurde von einer Mehrheit der Einwohnerräte im November 2020 bewilligt – und dadurch der Startschuss für die Arbeiten gegeben. Mit den Sanierungsarbeiten wurde die Tony Linder + Partner AG aus Altdorf beauftragt, die sich auf Friedhofsarbeiten spezialisiert hat und auch schon den Friedhof Bertiswil in Rothenburg auf Vordermann gebracht hat.

Neue Bestattungstrends müssen berücksichtigt werden

Mit der Sanierung will die Gemeinde auch neue Bestattungsarten ermöglichen, die sich vor allem in den vergangenen Jahren als immer beliebter erwiesen haben. So wie zum Beispiel die Themengräber. Damit sind nicht etwa Disneyland-artige Themengebiete gemeint. Sondern die Möglichkeit, einzelne Bereiche relativ einheitlich zu gestalten, was die Pflege der Anlage vereinfachen soll. Für welche Themenform – ob beispielsweise Blumen-, Schmetterlings- oder Baumgräber – sich die Gemeinde Emmen entscheiden wird, ist derzeit noch unklar.

Ebenfalls steht die Platzfrage im Raum. Bei der Planung musste nämlich auch die steigende Bevölkerungszahl berücksichtigt werden. Für den Zeitraum ab 2045 braucht es gemäss Hochrechnungen rund 340 zusätzliche Grabplätze für Erdbestattungen und etwa 3’000 Urnengräber, die dauerhaft zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Zahlen resultieren aus einer Schätzung, wie stark die Bevölkerung in dem angepeilten Zeitraum zunehmen könnte. Werden heuer rund 176 Verstorbene pro Jahr beigesetzt, könnten es gemäss dem Bericht ab 2045 schon 250 sein.

Ein Mammutprojekt in vier Etappen

Die erste Sanierungsetappe ist im Mai gestartet. Dabei werden die Erdreihengräber und Treppen saniert und die Stützmauern im mittleren Teil der Anlage ersetzt. Die Erdreihengräber müssen als Erstes gemacht werden, da sonst die Gräber für die Erdbestattungen ausgehen würden. Auch werden Entwässerungen eingebaut, damit die Leichen künftig wieder «gesetzeskonform» verwesen. Die Arbeiten sollen vor Allerheiligen dieses Jahres beendet sein – ein Plan, der derzeit aufgeht. «Die aktuellen Arbeiten schreiten gut voran», schreibt Bucher. Auch die jüngsten Unwetter (zentralplus berichtete) hätten keinen Einfluss darauf gehabt. Kostenpunkt dieses ersten Sanierungsschritts: 940’000 Franken.

Die erste grosse optische Veränderung wird allerdings erst in der zweiten Etappe sichtbar sein. Dann nämlich wird mit dem Bau der Themengräber mit schätzungsweise 400 Grabplätzen begonnen, die mittleren Bereiche der Anlagen werden entwässert und der Kinderfriedhof ins Zentrum des Geländes verlegt. Dieser Bauschritt dauert voraussichtlich von April 2022 bis Oktober 2022.

Auf dem Konzeptplan sind die einzelnen Bauetappen farblich markiert.

In der dritten Etappe (April 2023 bis Oktober 2023) stehen dann die Gemeinschaftsgrabanlagen sowie die Sanierungsarbeiten der Wege im Vordergrund, während in der vierten Etappe (April 2024 bis Oktober 2024) die Beendigung der Wegbereiche sowie die Barrierefreiheit angegangen werden.

Das Projekt der Friedhofssanierung wird die Gemeinde aber noch über 2024 hinaus beschäftigen – auch finanziell. In den Jahren 2025 bis 2036 müssen in diversen weiteren Etappen die nächsten Arbeiten vorgenommen werden. Darunter fallen beispielsweise die Anlegung von neuen Erdreihengräbern, Urnenreihengräbern und der Themenpark. Diese Arbeiten können jedoch erst nach Ablauf der Grabesruhe angegangen werden, die in der Schweiz für Erdgräber 20 Jahre und für Urnengräber 15 Jahre betragen. Das wird die Gemeinde Emmen schätzungsweise weitere 3’150’000 Franken kosten.

Friedhof als «Visitenkarte»

Geschlossen ist der Friedhof während der Bauarbeiten übrigens nicht. Die Gräber von Angehörigen können somit besucht werden, allerdings mit «kleineren Einschränkungen», wie es seitens der Gemeinde heisst. Dies, weil einzelne Bereiche der Anlagen zeitweilig gesperrt werden müssen.

Sind die Arbeiten dann aber alle abgeschlossen, soll der Friedhof wieder ein Ort zum Verweilen werden, gar einen gewissen «Parkcharakter» erhalten, wie es im Gemeindebericht heisst. Dies auch, weil er ein Ort der Begegnung sei und in der Gemeinde gar als «Visitenkarte der Gemeinde Emmen» wahrgenommen werde. Und da wäre es von Vorteil, wenn Emmen mit einer hübsch aufgewerteten Anlage symbolisiert werde – und nicht mit einer möglichen Location für einen Horrorfilm.

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2 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 06.07.2021, 14:05 Uhr

    Ich würde mal mit der Friedhofverwaltung Kreuzlingen Kontakt aufnehmen. Die hatten vor etlichen Jahren ein ähnliches Problem. Sie impften dann die Graberde mit einem speziellen Pilz, welcher die Verwesung fördert. Der Erfolg ist mir jedoch nicht bekannt.

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  2. Rentner, 06.07.2021, 08:14 Uhr

    Unter der Kirche also dem Hang hat es ein Grosses Wasservorkommen, das weis man ,leider wurde dazumal der Friedhof darauf Gebaut das Wasser muss ja Abgeleitet werden, das war auch im Waldfriedhof Reussbühl so, zudem sollten langsam aber sicher Erdbestattungen verschwinden, Die Feuer Bestattung muss Attraktiver Angeboten werden, man kann nicht nur immer vergrössern,

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