Mansarden und Ecktürme: So sieht es in der Musegg-Villa aus
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Teile des Inventars – wie die Holztüren – sind noch älter als das Gebäude selbst. (Bild: Stadt Luzern)

Das historische Gebäude wird saniert Mansarden und Ecktürme: So sieht es in der Musegg-Villa aus

4 min Lesezeit 15.04.2021, 18:32 Uhr

Der Stadtrat hat entschieden, aus der altehrwürdigen Villa bei der Museggmauer in Luzern ein Café und Wohnfläche zu machen. Zuerst aber muss das 154-jährige Gebäude grundlegend saniert werden. zentralplus hat sich im alten Gemäuer umgesehen.

Sie thront hoch über der Stadt Luzern und das schon seit 1867. Mit der Museggmauer im Rücken und flankiert von Wachturm und Zytturm steht die Villa auf Musegg 1 in einem kleinen Park und bietet eine Aussicht auf die Stadt Luzern und das ferne Bergpanorama, die man sonst in dieser Form in der Stadt kaum findet. Einst, vor über 150 Jahren, speisten noble Herren in den Räumlichkeiten des französisch anmutenden Schlösschens, das bei der Erbauung als Sommerwirtschaft diente.

Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Wir betreten die Anlage durch den Park, dessen Büsche erste Blüten tragen. Von aussen her macht die Villa noch immer mächtig was her, vom noblen Glanz vergangener Tage ist in den Räumlichkeiten selber aber nur noch sporadisch etwas zu sehen. Dass Teile des Gebäudes heutzutage als Schulräume für verhaltensauffällige Schüler verwendet werden, fällt schon im Eingangsbereich auf: Kinderzeichnungen hängen auf den dunklen Holzverschalungen, die teils noch älter sind als das Gebäude selbst – woher sie stammen, ist bis heute ungeklärt. Dazu steht im Entrée ein Töggeli-Kasten zur Pausenunterhaltung. Im anschliessenden Raum mit Terrasse und herrlichem Ausblick werden Schüler beschäftigt, die ein «Time-out» verordnet bekommen haben, also einen temporären Unterrichtsausschluss.

Der Zahn der Zeit nagt

Vom Eingang her führt eine dunkle, geschwungene Holztreppe in den oberen Stock. Durch ein altes Butzenglasfenster dringt Licht in den Treppenbereich. Obwohl das Haus weit davon entfernt ist, eine Ruine zu sein, sieht man den Räumen ihr Alter und die Abnutzungserscheinungen gut an. Der Putz bröckelt, ist verfärbt, der Linoleumboden, der in den oberen Etagen stellenweise verlegt wurde, wirkt unzeitgemäss. Aber auch hier wird gearbeitet.

Die einzelnen Zimmer in den oberen Stockwerken sind aktuell an Künstler vermietet, die sie als Ateliers nutzen. Einzelne Räume, wie ein stillgelegtes Badezimmer, werden jedoch bereits heute nicht mehr genutzt. Bis zur Sanierung sollen sowohl Schüler wie auch Künstler noch hier bleiben können. Danach plant die Stadt einen Neuanfang für die Villa, die Remise und die umliegende Parkanlage.

Bewegte Eindrücke aus der Villa siehst du im Video:

Sanierung wird aufwendiger als gedacht

Die Stadt tut gut daran, das Gebäude zu sanieren – und sie ist auch gewillt, den historischen Wert der Villa zu erhalten. «Es ist ein wundervoller Ort in der Stadt Luzern und bietet einen herrlichen Ausblick», sagt Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost auf Anfrage. «Es ist denkmalpflegerisch ein wertvolles und schützenswertes Gebäude.» Der Plan, die Villa und den Umschwung wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, besteht schon seit Jahren (zentralplus berichtete). Ende 2019 ging man noch von Sanierungskosten von rund 4,2 Millionen Franken aus. Heute schätzt man diese auf 7,3 Millionen.

«Wir möchten einen sozialen und kulturellen Mehrwert an diesem Ort schaffen.»

Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost

«Sanierungsarbeiten sind meist aufwendiger, als im ersten Moment angenommen wird. Die Sanierungsstudie mit Kostenschätzung war Ende 2019 noch nicht abschliessend erarbeitet. Diese wurde 2020 auf Grundlage aktueller Anforderungen fertiggestellt», erklärt Jost den Kostensprung. Nicht nur der grösstmögliche Erhalt der historischen Bausubstanz stellt die Stadt vor eine Herkulesaufgabe, auch «der Lifteinbau, die Erneuerung der Installationen und die energetische Sanierung werden eine Herausforderung», sagt Manuela Jost. Ein weiterer Faktor sei, dass verschiedene Nutzungsvarianten unterschiedlich teuer ausgefallen seien. Ursprünglich arbeitete die Stadt drei Szenarien mit jeweils mehreren Untervarianten aus, entschieden hat man sich für den Wohnungs-Gastro-Mix.

Baubeginn im Herbst 2023

Der Luzerner Stadtrat hat sich nämlich dazu entschlossen, das Erdgeschoss und die gedeckte Terrasse gastronomisch zu nutzen, beispielsweise in Form eines öffentlichen Cafés. «Wir möchten einen sozialen und kulturellen Mehrwert an diesem Ort schaffen», sagt Baudirektorin Jost. Wichtig ist es der Stadträtin aber auch, dass diese öffentlichen Nutzungen quartierverträglich sind. In den beiden Obergeschossen sollen hingegen zwei 3,5-Zimmer-Wohnungen entstehen (zentralplus berichtete).

Bis die Bagger auffahren, dürften noch einige Monate ins Land ziehen. Einen Baustart schätzt die Stadt auf Herbst 2023 als realistisch ein. Erst muss der Grosse Stadtrat noch über die Bewilligung eines Sonderkredits von 720’000 Franken befinden, der für die Planung eines Vor- und Bauprojekts eingesetzt werden soll. Der Entscheid soll voraussichtlich am 20. Mai dieses Jahres fallen.

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