Mani Matter’s Anti-Oper kommt auf die Bühne
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Der Schweizer Troubadour Mani Matter schrieb zu Lebzeiten ein Libretto, welches nun, 40 Jahre später, zur Uraufführung kommt. (Bild: zvg)

Nach 40 Jahren im Luzerner Theater Mani Matter’s Anti-Oper kommt auf die Bühne

3 min Lesezeit 21.08.2015, 13:23 Uhr

Mani Matter ist einer unserer Nationalhelden. Vor seinem Tod vor über 40 Jahren, hat dieser eine Anti-Oper geschrieben. «Der Unfall» heisst das Werk, welches Matters Freund und Komponist Jürg Wyttenbach lange nicht beenden konnte. Verständlich, hört man sich die Texte an.

Jedes Kind in der Deutschschweiz kennt Mani Matter. Sein «Zündhölzli» oder «Dr Eskimo» gehören zum Repertoire eines jeden Primarschullehrers und jeder Wandertruppe.

Doch was viele nicht wissem: Der bekannte Troubadour und Chansonnier Matter hatte auch ein Opern-Libretto verfasst. «Der Unfall» heisst das Werk, und die Musik hätte Matters guter Freund Jürg Wyttenbach schreiben sollen. Auch die Uraufführung in Hamburg war bereits geplant.

Doch dann verstarb Mani Matter 1972 bei einem Verkehrsunfall. Sein Freund Jürg Wyttenbach mochte das Stück «Der Unfall» nicht mehr komponieren. Jahrzehntelang blieb es in seiner Schublade liegen. Doch nun, am Freitag 21. August 2015, wird das Werk Matters und Wyttenbachs im Rahmen des Lucerne Festivals aufgeführt.

Hommage an eine Freundschaft

Jürg Wyttenbach

Der 1935 geborene Berner hat sich als Pianist, als Komponist und als Dirigent einen Namen gemacht. Als Dirigent hat er weit über 100 Werke zeitgenössischer Komponisten aufgeführt. An der Musikakademie seiner Wahlheimat Basel hat er als Dozent Generationen von Schülern geprägt.

1993 erhielt Wyttenbach den Kunstpreis der Stadt Basel und im Jahr 2003 den Komponistenpreis des Schweizerischen Tonkünstlervereins.

Er habe 40 Jahre keine Lust gehabt, die Oper zu vollenden, sagt der 80-jährige Jürg Wyttenbach. Doch vor gut zwei Jahren entschied er sich, dass es jetzt an der Zeit sei. Auch in den Jahrzehnten zuvor habe er es öfters versucht, aber nie geschafft.

Nun wird die Oper «Der Unfall», mit 40-jähriger Verspätung, uraufgeführt – im Luzerner Theater. Das Werk kommt diesen Freitag mit weiteren Mani-Matter-Vertonungen unter dem Titel «WyttenbachMatterial» auf die Bühne. Die Aufführung ist eine Koproduktion des Lucerne Festivals, des Luzerner Theaters und des Gare du Nord in Basel.

Der Abend ist damit nicht nur eine Hommage an die theatralen Musiken Wyttenbachs, sondern auch an seine Freundschaft mit Mani Matter. Wyttenbach und Matter kannten sich von klein auf, waren gemeinsam im Kindergarten.

Scheitern als Musiker

Die Geschichte in «Der Unfall» erzählt von einem Mann, der in Gedanken versunken von einem Auto überfahren wird. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Überfahrenen erzählt, aus der Perspektive eines gescheiterten Musikers.

Jürg Wyttenbach (Bild: Priska Ketterer, LUCERNE FESTIVAL)

Jürg Wyttenbach (Bild: Priska Ketterer, LUCERNE FESTIVAL)

Mit der Liebe zu einer Sopranistin, einer hysterischen Operndiva, klappt es auch nicht. Auch als Anti-Oper wird «Der Unfall» bezeichnet. Verspotten doch Matter und Wyttenbach den Opernbetrieb in diesem «Madrigalspiel» selbst. Was Matter und Wyttenbach teilten, war ihre Leidenschaft fürs französische absurde Theater. Passend, denn Lucerne Festival zeigt dieses Jahr Humor.

Oper ad absurdum

Matter und Wyttenbach hatten sich ein besonderes Konzept dafür ausgedacht: «Der Unfall» ist ein radikal reduziertes Musiktheater, in welchem sich Musik und Bewegung, Text und Spiel auf unübliche Arten verbinden.

Das Werk ist aufs Minimum reduziert. Die Oper ist geschrieben für einen Cellisten, einen Sprecher, einen Mimen. Gemeinsam geben diese drei «Darsteller» die Hauptfigur. Dazu kommt ein achtköpfiger Chor und eine Sopranistin. Umgesetzt wird die Uraufführung von den Basler Madrigalisten, und Regie führt Désirée Meiser.

Schön zu wissen: Mani Matters erstes Soloprogramm startete er – von Emil Steinberger gedrängt – im Herbst 1971 mit einem Auftritt im Kleintheater Luzern. Ein Kreis schliesst sich.

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