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«Man hatte das Gefühl, mit Ursula kann man Berge versetzen»
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Auch gerne an der Fasnacht: Ursula Stämmer bei einer Guugger-Gala im KKL vor acht Jahren. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Tod von alt Stadträtin: Luzerner Weggefährten erinnern sich «Man hatte das Gefühl, mit Ursula kann man Berge versetzen»

6 min Lesezeit 23.03.2020, 17:24 Uhr

Die Betroffenheit und Anteilnahme ist gross: Am Samstag ist die langjährige SP-Stadträtin Ursula Stämmer-Horst 61-jährig einem Krebsleiden erlegen. Politische Begleiter und Freunde würdigen die Luzernerin – und streichen eine besondere Eigenschaft hervor.

«Wir sind betroffen und traurig», schreibt die SP Stadt Luzern in einer Mitteilung. «Ursula Stämmer war eine sehr volksnahe Stadträtin und hatte überhaupt keine Berührungsängste.» 16 Jahre lang sass sie in der Stadtluzerner Exekutive und prägte die Lokalpolitik. Am Samstag ist die 61-jährige Luzernerin für viele überraschend nach einer schweren Krebserkrankung gestorben (zentralplus berichtete).

«Viel zu früh hat sie uns verlassen», schreibt die Reformierte Kirche des Kantons Luzern, wo Ursula Stämmer-Horst seit 2016 als Synodalpräsidentin amtete. Die Nachricht von ihrem plötzlichen Tod löst vielerorts in der Stadt Luzern grosse Betroffenheit und Anteilnahme aus.

Weggefährten erinnern sich

«Ursula Stämmer war ein sehr grosszügiger Mensch mit grossem Herz», erinnert sich Beat Däppeler. Der ehemalige Personalchef der Stadt Luzern war direkt der SP-Stadträtin unterstellt und damals einer ihrer engsten Mitarbeiter. Seine Chefin habe sich immer für die Schwachen und Benachteiligten der Gesellschaft eingesetzt. «Sie war dem Gedanken einer sozialen und weltoffenen Stadt Luzern sehr verbunden.» 

«Sie hat nicht problematisiert, sondern die Ärmel hochgekrempelt und angepackt.»

Beat Däppeler, ehemaliger Personalchef Stadt Luzern

Geschätzt hat Beat Däppeler auch Stämmers politischen Weitblick. «Sie erkannte früh, was auf die Stadt Luzern zukommt und konnte das politisch einschätzen und entsprechend handeln.» Die persönliche Zusammenarbeit mit ihr hat er in positiver Erinnerung. «Natürlich hatte sie ihre eigene Meinung und die konnte sie auch pointiert vertreten», sagt er. «Doch auch in schwierigen Situationen blieb sie unterstützend. Ursula Stämmer hat nicht problematisiert, sondern die Ärmel hochgekrempelt und angepackt.»

Im Einsatz für die Gleichstellung

Besonders für Gleichstellungsfragen habe sie sich stets eingesetzt, etwa bei den Anstellungsbedingungen, so Däppeler. So sei es ihr zum Beispiel wichtig gewesen, dass Mütter oder Väter Urlaub nehmen konnten, wenn ihr Kind krank war. «Ich habe Ursula Stämmer bis zuletzt als optimistischen und hoffnungsvollen Menschen erlebt», sagt er.

Ohne Scheuklappen unterwegs: Bei der Künstlergruppe Bockstall im Restaurant Rebstock 2012.

Stämmers Engagement für Frauen in der Politik erwähnt auch Korintha Bärtsch, die letzten Frühling als einzige Frau für den Luzerner Regierungsrat kandidierte. «Sie hat mich an vorderster Front unterstützt, genau so wie man sie kannte: mit enorm viel Energie und Elan. Man hatte jeweils das Gefühl, mit Ursula kann man Berge versetzen», erzählt Bärtsch.

Der ehemalige Luzerner Stadtrat Ruedi Meier erzählt von einer Begegnung im Historischen Museum, wo eine Ausstellung mit Metallbaukästen gezeigt wurde. «Ursula Stämmer kam mit ihren zwei Töchtern und sagte: Es ist wichtig, dass sie lernen, mit Schraubenziehern umzugehen», erzählt er. «Das zeigt, was für ein modernes Gleichstellungsverständnis sie hatte.»

Wo andere wütend werden, war sie froh

Ruedi Meier war insgesamt zwölf Jahre lang mit ihr im Luzerner Stadtrat. «Ursula Stämmer ist mir, ebenso wie die anderen Stadträte aus dieser Zeit, äusserst ans Herz gewachsen und eine Freundin geworden.» Er werde sie als weltoffenen und unkomplizierten Menschen in Erinnerung behalten.

«Sie konnte auch über sich selbst lachen.»

Yvonne Schärli, alt Regierungsrätin

Im politischen Alltag besonders geschätzt habe er ihre konstruktive Herangehensweise. «Man konnte ihr offen sagen: Hast du dies oder jenes bedacht? Und sie wurde nicht wütend, sondern war froh. Und umgekehrt konnte sie ebenso wertvolle Unterstützung liefern», so Ruedi Meier.

Ursula Stämmer-Horst (erste Frau von rechts) war 2008 OK-Präsidentin des eidgenössischen Jodlerfests in Luzern.

Unvergesslich bleibe die starke politische Auseinandersetzung um den öffentlichen Raum. Als der Ruf nach mehr Repression seitens der Polizei laut wurde, setzte die ausgebildete Krankenschwester auf die unbewaffnete Einheit SIP und damit das Gespräch. «Zuerst hat man das als ‹Pennerpolizei› skandalisiert – heute ist die SIP breit akzeptiert», lobt Meier. «Das ist Ursula Stämmer zu verdanken.»

Von der Pfadi in die Politik

Die ehemalige SP-Regierungsrätin Yvonne Schärli war auf kantonaler Ebene gleichzeitig für die Sicherheit zuständig wie Ursula Stämmer-Horst auf städtischer Ebene. Es ist aber nicht die Politik, welche die beiden Frauen zusammenführte. «Wir haben uns bereits in Jugendjahren in der Pfadi kennengelernt und diese Verbindung ist über all die Jahre – unabhängig von der Politik – geblieben», sagt Schärli.

«Ursula Stämmer hatte überhaupt keine Berührungsängste – das war ihre grosse Stärke.»

Beat Züsli, Stadtpräsident Luzern

Sie habe Ursula Stämmer als hilfsbereite und humorvolle Person erlebt. «Sie konnte auch über sich selbst lachen.» Wie viele andere streicht Schärli die gradlinige Art von Stämmer hervor. «Ob in der Gesellschaft oder in der Politik: Ich habe sie immer als äusserst authentisch und nahbar erlebt. Man konnte sie lesen und wusste, woran man ist – das war eine ihrer grossen Stärken und gerade in der Politik nicht selbstverständlich.» 

Das erlebten auch jene, die nicht gleicher Meinung waren. «Sie hat mit der genauso ehrlichen Art klar gesagt, wenn ihr etwas nicht passte», erzählt Yvonne Schärli. 

Alle erwähnen eines: Sie verkörperte die Volksnähe

Es ist ein Charakterzug, den viele erwähnen, die sie kannten. Auch Korintha Bärtsch, die in ihrer Zeit als Grossstadträtin und Fraktionschefin der Grünen bereits früher mit SP-Stadträtin Ursula Stämmer-Horst zu tun hatte. «Sehr beeindruckend fand ich, wie sie ohne Scheuklappen mit allen kommunizierte und alle gleichermassen ernst nahm.» Immer wieder habe sie bei Diskussionen betont, die Politik müsse auch für die Kassierin im Schönbühlcenter «verheben» und nachvollziehbar sein.

Ursula Stämmer-Horst mit alt-Stadtpräsident Franz Kurzmeyer 2011.

Diese Volksnähe und ihr Zugang zu breiten Kreisen bezeichnet auch Beat Züsli als eindrücklich. «Sie hatte stets ein offenes Ohr und konnte die Stimmung in der Bevölkerung gut aufnehmen», erzählt der heutige Luzerner Stadtpräsident. «Ursula Stämmer hatte überhaupt keine Berührungsängste – das war ihre grosse Stärke.» 

Er habe Ursula Stämmer als sehr engagierte Stadträtin erlebt, sagt Beat Züsli, der insbesondere als ehemaliger SP-Fraktionschef zu Beginn des Jahrtausends eng mit ihr zu tun hatte. Als ihr Nachfolger im Stadtrat und in der Bildungsdirektion sei er früh und gut eingearbeitet worden. «Ich konnte eine sehr gut geführte Bildungsdirektion von ihr übernehmen.» Als alt Stadträtin nahm die zweifache Mutter regelmässig an den Treffen mit dem aktuellen Stadtrat teil. Zuletzt an einem Weihnachtsessen Ende 2019, wo sie bereits gesundheitlich geschwächt gewesen sei. 

Am vergangenen Samstag ist sie ihrem Krebsleiden erlegen. Ursula Stämmer-Horst wird auch ihren politischen Weggefährten fehlen.

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