Mammut, Waffen und ein Friedhof ausgegraben

3 min Lesezeit 13.01.2016, 09:47 Uhr

Ein kleiner Silberschatz aus dem Schlachtgebiet von Morgarten, Mammutknochen eines ausgewachsenen Bullen, Siedlungsüberreste aus der Bronzezeit und historische Häuser mit vielfältiger Baugeschichte: Das Jahr 2015 war aus archäologischer und bauhistorischer Sicht ertragreich und spannend. Im Rahmen eines Vortrags werden die Funde der Allgemeinheit vorgestellt.

Dass Archäologie und Bauforschung durchaus publikumswirksam sein können und diese historischen Disziplinen alles andere als verstaubt daher kommen, stellt das Zuger Amt für Denkmalpflege und Archäologie immer wieder unter Beweis. Die Highlights des vergangenen Jahres werden jeweils an einer Veranstaltung Ende Januar präsentiert, zu der die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist. Der Kanton Zug besitzt reichhaltige und vielfältige historische Bauten und archäologische Fundstätten. Diese sind durch die hohe Bautätigkeit allerdings stark bedroht. «Nur die wenigstens Objekte können erhalten werden. Insofern betreiben wir eine Art kulturhistorische Sterbebegleitung», sagt Amtsleiter Stefan Hochuli und verweist auf Ereignisse, die im Jahr 2015 für Aufsehen sorgten.

Grosser Mammut-Fund

Im Sommer wurden auf einer Baustelle in Rotkreuz durch Zufall die Überreste eines Mammuts entdeckt (zentral+ berichtete). Knochen und Stosszahn stammen von einem ausgewachsenen Mammutbullen. Dieser dürfte über drei Meter hoch und fünf bis acht Tonnen schwer gewesen sein. Gemäss den wissenschaftlichen Datierungsmethoden der ETH-Zürich lebte das Exemplar aus Rotkreuz vor rund 17’000 Jahren und ist wohl eines der letzten seiner Art auf dem Gebiet der heutigen Schweiz.

Von besonderer Bedeutung waren auch archäologische Überreste, die beim Kiesabbau im Weiler Oberwil bei Cham – welche die Kantonsarchäolgogie seit 1992 begleitet – ergraben und dokumentiert wurden. Bereits früher gefunden wurden Teile eins Friedhofs mit Urnengräbern sowie Siedlungsreste aus verschiedenen Epochen der Bronzezeit. Die nun jüngst gemachten Funde dienen als weitere Puzzlesteine bei der Rekonstruktion von Hausgrundrissen für die Zeit um 1’500 vor Christus.

Waffen der Schlacht von Morgarten gefunden

Unter dem Motto «Abenteuer Geschichte» und im Hinblick auf die 700-Jahre-Feier der Schlacht am Morgarten hat das Zuger Amt in Zusammenarbeit mit dem Kanton Schwyz im Frühjahr 2015 bekanntlich Untersuchungen im vermuteten Schlachtgebiet durchgeführt. Die Arbeiten wurden vom Wissensmagazin «Einstein» von SRF initiiert und drängten sich auch auf, um illegalen Raubgräbern und Trophäenjägern zuvorzukommen, die in jüngster Zeit vor Ort aktiv waren. Erstmals wurden im Gebiet Morgarten Objekte gefunden, die aus der Zeit um 1315 stammen und wissenschaftlich dokumentiert sind. Nebst einem kleinen Schatz aus Silbermünzen konnten Dolche, Sporen und Pfeilspitzen geborgen werden.

Reiche und gemeinsame Vergangenheit Zugs

Im Vorfeld von Umbauvorhaben und von Abbrucharbeiten fanden 2015 auf dem gesamten Kantonsgebiet auch verschiedene bauhistorische Untersuchungen statt. Die Ergebnisse zeugen von einer äusserst vielfältigen Baukultur aus fünf Jahrhunderten. Im Fokus standen ein Gebäude aus dem 15. Jahrhundert in der Stadt Zug, das eine seltene bautechnische Mischform aufweist, eine herrschaftliche Wohnbaute aus dem 18. Jahrhundert in Edlibach und ein Haus, das im 19. Jahrhundert nach der Vorstadtkatastrophe über den Zugersee transportiert und in Hünenberg wieder aufgestellt wurde.

«Die Arbeit von Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege ist und bleibt spannend und bietet einen faszinierenden Einblick in unsere reiche und gemeinsame Vergangenheit», bilanziert Stefan Hochuli und freut sich, der interessierten Zuger Öffentlichkeit dieses höchst lebendiges Bild vergangener Zeiten anschaulich und in allgemein verständlicher Form vorzustellen. Zudem zeigt er verschiedene Fundobjekte im Original.

Öffentlicher Vortrag

Datum: Sonntag, 24. Januar 2016, 15.00 Uhr

Veranstaltungsort: Wilhelm-Gebäude, Hofstrasse 20, Aula (vis-à-vis Museum für Urgeschichten)

Referent: Dr. Stefan Hochuli, Leiter Amt für Archäologie und Denkmalpflege

Eintritt: frei

 

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