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Mahnmal für Raubbau soll zum Zuger Naturparadies werden
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«Jöö»: Eine kleine Gelbbauchunke. (Bild: Wikimedia)

Bemerkenswerter Plan für die Kiesgrube Kreuzhügel Mahnmal für Raubbau soll zum Zuger Naturparadies werden

4 min Lesezeit 14.04.2019, 11:56 Uhr

Die ehemalige Kiesgrube am Kreuzhügel – auf Baarer und Neuheimer Gebiet gelegen – ist so gut wie aufgefüllt. Doch nun möchte die Risi AG, welche die Grube ausgebeutet hatte, vom Kanton ein abgeändertes Gestaltungskonzept bewilligt haben. Das würde sich lohnen.

Er war das Zuger Sinnbild für den Raubbau des Menschen an der Natur schlechthin: Der Kreuzhügel oberhalb von Sihlbrugg, der aus wertvollem Kies bestand und daher von der Firma Risi über Jahrzehnte ausgebeutet und teilweise abgetragen wurde. Lange gähnte dort ein hässliches Loch, doch seit 2003 wird die Grube wieder aufgeschüttet und der Hügel mit unverschmutztem Aushub remodelliert.

Kiesabbau in den 1980er Jahren. Szene aus Erich Langjahrs Film «Ex Voto».

Kiesabbau in den 1980er Jahren. Szene aus Erich Langjahrs Film «Ex Voto».

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(Bild: zvg)

Eigentlich hätte er 2018 wieder auferstanden sein sollen, doch weil in der Umgebung zu wenig geeigneter rutschfester Aushub anfällt, liess sich die Risi AG die Rekultivierungsbewilligung bis 2022 verlängern (zentralplus berichtete). Nun möchte die Firma auch noch das Endgestaltungskonzept abgeändert wissen. Die Pläne liegen derzeit beim Kanton und in den Gemeinden Baar und Neuheim öffentlich auf.

Kulturland gegen Biotop getauscht

Kurz gesagt haben sich die Kiesabbauer mit dem Landwirt Franz Felder zusammengetan und mit dem Kanton einen Plan ausgeheckt, von dem vor allem die Natur profitiert. Es sollen Landwirtschafts- und Ausgleichsflächen abgetauscht werden, damit das nördliche Landstück von Franz Felder, welcher die Kuppe des Kreuzhügels besitzt, weniger weit von seinen übrigen Parzellen entfernt ist.

Auf der anderen Seite gibt Felder ein Stück Weideland auf dem nördlichsten Ausläufer des Geländesporns auf. Hier soll nun ein zusätzliches Biotop für Amphibien entstehen – mit mehreren kleinen Weihern. Unter dem Strich soll den Magerwiesen, Biotopen und Ausgleichsflächen am Kreuzhügel eine leicht grössere Fläche zugewiesen werden, als bis anhin vorgesehen.

Ein Herz für die Weiden-Sandbienen

Denn der Kreuzhügel, respektive das Biotop und die Pfützen, die bei der Chrüzegg inmitten des offenen Geländes jetzt schon bestehen, sind ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Dort pflanzen sich die stark gefährdeten Geburtshelferkröten und die Gelbbauchunken fort. Dies wurde während der Auffüllarbeiten von den kantonalen Artenschützern erkannt. Sie wollen nun die Lebensräume entsprechend erhalten und ausbauen.

«Verschiedene Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere werden miteinander verbunden.»

Adrian Risi, Baustoffunternehmer

Etwas anderes hat die Fachkommission, welche die ehemalige Kiesgrube zweimal jährlich begeht, ebenfalls festgestellt. Es gibt nahe der früheren Abbaukante viele Wildbienen. Die Weiden-Sandbienen nisten nämlich gerne in Sandlinsen bei Kieswänden.

Blick vom renaturierten Kreuzhügel aufs Retentionsbecken und Sihlbrugg.

Blick vom renaturierten Kreuzhügel aufs Retentionsbecken und Sihlbrugg.

(Bild: mam)

Als 2008 die Erschliessungsstrasse in der Nähe der Hügelkuppe mit einer Zyklopenmauer aus Natursteinen gesichert wurde, verschwand ein Teil der Nistplätze und die Bienen wurden weniger. Deshalb soll nun die Mauer wieder zurückgebaut werden, auf dass die Bienen ihre Behausungen zurückbekommen – zumal auch die noch bestehende Abbaukante am Hügelkamm mit den Aufschüttungen verschwinden wird.

Beim Kanton Zug ist man euphorisch

Offensichtlich ist man beim Kanton derart angetan von den Entdeckungen der letzten Jahre und den verbesserten Möglichkeiten für den Artenschutz, dass man auf dem Kreuzhügel ein Naturschutzgebiet einrichten möchte – und zwar eines von bemerkenswerter Grösse.

Neuer Endgestaltungplan. Beige = Ausgleichsflächen, hellgrün = Kulturland.

Neuer Endgestaltungsplan. Beige = Ausgleichsflächen, hellgrün = Kulturland.

(Bild: mam)

Angedacht sind nicht nur die beiden Biotopstandorte auf Franz Felders Land. Auch der nordwestliche Abhang, welcher einer Firma der Familie Risi gehört, und dazu auserkoren ist, zur Magerwiese zu werden, soll dazu gehören. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich dort seltene Pflanzenarten ansiedeln», meint Reto Spiess, der Leiter des Amts für Raum und Verkehr.

Naturflächen werden verbunden

Das Ganze ist noch Zukunftsmusik, erst muss der Hügel fertig gebaut werden und anschliessend stehen Verhandlungen mit den Landeigentümern an. Die haben aber nichts dagegen. «Das Ganze ist ein rundum gelungenes Konzept für dieses sehr spezielle Gebiet» sagt etwa Adrian Risi, SVP-Kantonsrat, sowie Recycling- und Baustoffunternehmer.

Weiden-Sandbiene.

Weiden-Sandbiene.

(Bild: flickr/gbohne)

Adrian Risi weist darauf hin, dass ein drittes Biotop am Fuss des Abhangs, welches den unschönen Namen «Retentionsbecken» trägt, ebenfalls durch Ausgleichsflächen mit den andern Feuchtgebieten verbunden wird. «Die Stärke des Projekts liegt darin, dass verschiedene Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere miteinander verbunden werden», sagt er. Auch als Wildkorridor soll das Gebiet dereinst dienen.

Mehr Bäume für Felders bekannte Apfelplantage

Ein geplanter Obstgarten, welcher auf der aufgeschütteten Anhöhe des Kreuzhügels hätte entstehen sollen, wird indes erst später angepflanzt. «Der Boden ist noch nicht bereit dazu», sagt Franz Felder. «Er muss sich erst noch setzen» .

Felder ist ETH-Agronom und auch politisch engagiert – bei den Alternativen. Er hat seinen Hof, den er früher neben seiner Lehrtätigkeit an einer landwirtschaftlichen Schule mit seiner Frau bewirtschaftet hatte, per Anfang Jahr an den Pächter Klaus Reichlin verkauft. Dieser wird das Erbe Felders weiterpflegen, der noch von seinem Vater uralte Apfelbäume übernommen und zusätzlich seltene Hochstamm-Sorten gepflanzt hatte.

Die letzte Parzelle, die Felder gehört, ist jene auf dem Gebiet der einstigen Kiesgrube, wo die beiden Biotope entstehen werden. «Ich möchte noch das Ende der Rekultivierungsarbeiten abwarten», sagt Felder. Dann wird er das zurückgewonnene Kulturland mit den neuen Amphibienparadiesen ebenfalls an seinen Nachfolger überschreiben.

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