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«Märtyrer sind Hurensöhne»
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Den Anwesenden gefiels, auch wen Platz für mehr Gäste gewesen wäre: Kool Savas am Blue Balls im Luzerner Saal. (Bild: les)

Kool Savas rappt am Blue Balls Festival «Märtyrer sind Hurensöhne»

3 min Lesezeit 30.07.2016, 12:21 Uhr

Sogar Hip Hop hat am Blue Balls Festival Platz. Dies zeigte das Konzert von Kool Savas. Auch wenn der Zuschaueraufmarsch eher spärlich blieb. Den Anwesenden gefiels trotzdem. Der Luzerner Sänger Seven verspürte plötzlich das Bedürfnis, die Bühne zu stürmen. Und Kool Savas wurde politisch.

Kool Savas hat eine spannende Entwicklung hinter sich. Als Aushängeschild von «Aggro Berlin» war er für «schmutzigen» Rap bekannt. Später näherte sich ähnlich wie Sido dem Pop-Genre an. Beim Projekt «Xavas» arbeitete er mit Xavier Naidoo zusammen. Mit was also durfte man bei seinem Auftritt am Freitagabend am Blue Balls rechnen?

Die Antwort ist relativ einfach. Kool Savas lieferte verdammt soliden Rap. Sein DJ brachte den Bass, sein Einheizer animierte das Publikum im Luzerner Saal, und er rappte. Hip Hop wie es sich gehört, nämlich deftig.

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Bot heftigen Hip Hop: Kool Savas

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(Bild: les)

Kool Savas suchte Snapchat-Freunde

Und da tut sich auch gleich die grösste Baustelle des Konzerts auf. Passt das ans Blue Balls? Wenn man den Zuschaueraufmarsch betrachtete, muss man diese Frage eher verneinen. Denn es hatte wenig Leute. Problemlos konnte man sich bis zur Abschrankung durchschlängeln. Aber jene, die da waren, gingen voll ab. Plötzlich. Denn Kool Savas erklärte selbst, dass es manchmal einen Funken brauche, der die Leute zum ausrasten bringe. Und mit «Essa» könne er diesen liefern.

«Hey, hier kommt Essa», hallte es durchs KKL. Und alle feierten mit. Kool Savas brachte all seine Hits: «Gladiator», «Futurama» oder «Rhythmus meines Lebens.» Schon bald griff der deutsche Künstler zum Handtuch, denn so ein Konzert ist anstrengend.

Immer wieder versuchte er mit den Zuschauern Social-Media-Aktionen zu starten. Das funktionierte nur halb. Aber hey, wer Snapchat hat, darf Kool Savas auch am Tag danach noch adden. Er freut sich und wird auch Antwort geben.

Luzerner stürmte die Bühne

Und dann: dann kam Seven. Genau unser Luzerner Schmusesänger stürmte die Bühne. Denn beim Song «Schau nicht mehr zurück» musste jemands Xavier Naidoos Stimme übernehmen. Seven sprang ein. Dieser Auftritt hatte etwas Komisches an sich. Ein Song, welcher die Menschen dazu animiert, sich in den Arm zunehmen an einem Hip-Hop-Konzert. Und dann noch Tränendrüsen-Bewirtschafter Seven. Der Luzerner liess sich für zwei Minuten vom Publikum feiern, dann verschwand er so schnell, wie er erschienen war.

Kool Savas schmetterte wähernddessen seine nächsten Hits auf Parkett. «Aura» etwa. Ja, die Aura von Kool Savas ist eine Gute. Auch nicht-Hardcore-Hip-Hop-Fans gefiel das Konzert, wie Gespräche danach zeigten. «Und ich geh über das Limit…», war der nächste Hit.

«Limit»:

 

Song, der eigentlich nicht passt

Und dann wars fertig. Eigentlich. Denn einen hatte Kool Savas noch: «Märtyrer». Er wurde ernst. «Eigentlich passt der Song nicht mehr in die heutige Zeit», sprach er. Denn in Zeiten von Terrorismus und Selbstmordattentate passe der Begriff einfach nicht mehr. «Märtyrer sind Hurensöhne», schloss er die Diskussion aber relativ schnell ab. Das Publikum verstand Kool Savas’ politische Botschaft. Er spielte den Song, ein gelungener Abschluss eines wirklich gelungen Konzerts.

Gegen Ende des Konzertes band sich Kool Savas ein Tuch um den Kopf.

Gegen Ende des Konzertes band sich Kool Savas ein Tuch um den Kopf.

(Bild: les)

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