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Männerdominierte Clubszene? Luzernerin will Künstlerinnen eine Bühne geben
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Will mehr Frauen hinter den Mischpults und in den Nachtclubs: die 30-jährige Saskia Grütter. (Bild: ida)

Saskia Grütter veranstaltet Partys und Konzerte Männerdominierte Clubszene? Luzernerin will Künstlerinnen eine Bühne geben

5 min Lesezeit 12.10.2019, 12:00 Uhr

Die Luzerner Clubszene wird von Männern dominiert. Eine, die das ändern will, ist die Luzernerin Saskia Grütter. Mit ihrem vor drei Jahren gegründeten Musikveranstalter-Kollektiv -V- setzt sie sich das Ziel, Musikerinnen und DJanes sichtbar zu machen.

Musik kennt kein Geschlecht. So die Theorie. Doch wer sich durch die Luzerner Clubs tanzt und durch die Line-Ups wälzt, merkt schnell: Die Szene ist tendenziell männlich. Ob auf oder hinter der Bühne: Männer stehen hinter den Mischpulten, sie organisieren Partys. Und auch auf der Tanzfläche gibts oft mehr Männer unter den Feiernden.

Die Luzernerin Saskia Grütter will das ändern. Die 30-Jährige ist selbst viel im Luzerner Nachtleben unterwegs. «Irgendwann ärgerte es mich, dass so viele Männer auflegen. Und morgens um drei wurde es manchmal super-anstrengend. Nämlich dann, wenn meine Freundinnen nach Hause gingen und ich fast die einzige Frau im Club war.»

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Frauen sichtbar und hörbar machen

Vor rund drei Jahren hat Grütter mit vier Freundinnen das Kollektiv -V- gegründet. Mit dem Ziel, Frauen in der Luzerner Clubszene eine Bühne zu bieten. Frauen sicht- und hörbar zu machen. Die vier veranstalteten im Frühling 2017 eine erste Party im Südpol, weitere folgten.

Klar, es sei eine Tatsache, dass es weniger Musikerinnen gebe, gerade in bezahlbarem Rahmen. Doch Grütter sagt: «Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, auf desto mehr spannende Künstlerinnen bin ich gestossen.» Gute Musikerinnen sind da – nur müssen sie erst gefunden werden respektive sie müssen eine Chance erhalten, so Grütter.

Ein Flyer der ersten Party des Kollektivs -V-.

Weshalb sind in Luzern die Männer in der Überzahl? Vermutlich, weil die Booker meist Männer sind. Oder weil einfach vergessen wird, DJanes und Musikerinnen zu suchen, die ins Format der Party oder des Konzerts passen. In der Elektro-Szene gebe es mehr Künstlerinnen – doch gerade in der R’n’B- und Trap-Szene seien sie noch nicht so präsent, sagt Grütter.

Allgemein sei es für Frauen, die auflegen, häufig schwieriger, in die Szenen zu kommen. Häufig würden ihnen Netzwerke fehlen – und Aussagen von Bookern fallen, dass die Qualität einfach stimmen müsse. Auflegen ist längst nicht mehr nur Männersache. Aber Frauen bekämen weniger Möglichkeiten, Erfahrung und Übung an Desks zu sammeln, sagt Grütter. Auch das ist ein Ziel von -V-: ein Netzwerk für Musikerinnen zu generieren.

Auf das Äussere reduziert

Oftmals ist die Rede, dass die Clubszene ein Frauenproblem hat. «Wenn man an DJanes denkt, haben viele das Bild einer Frau vor Augen, die im Bikini hinter dem Mischpult steht», so Grütter.

Vermutlich werden Frauen oft auf ihr Äusseres reduziert und wegen ihres Aussehens und Sex-Appeals gebucht, sagt Grütter. Das kritisiert auch Pelin Yürer, die als DJane Pelin Vedis oft in Basel auflegt. Gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung» sagte sie Anfang Jahr, dass es bei Treffen mit Bookern häufig ums Flirten statt um die Musik gehe.

Auch die Luzerner Sängerin Michelle Allemann, die als Ivorrie die Schweizer R’n’B- und Hip-Hop-Szene aufmischt, sagt gegenüber zentralplus, dass sie sich gegen sexuelle Anspielungen wehren musste (zentralplus berichtete).

Auch das Berner DJ-Duo Illegyalz wurde vom Kollektiv -V- gebucht:

Laut werden

Um gegen Sexismus und für die Rechte von Frauen laut zu werden, war Grütter bereits beim Luzerner Frauenstreik aktiv. Tausende zog es damals auf die Strassen (zentralplus berichtete).

Und auch ihre Schwester Noëmi setzt sich als Menschenrechtsaktivistin und passionierte Feministin stark für die Rechte von Frauen ein. «Wir waren vier Schwestern und wurden von unseren Eltern so erzogen und in dem bestärkt, dass wir alles machen können», sagt Grütter. «Es scheint, als ob es bei uns ein wenig in der Familie liegt, für unsere Rechte laut zu werden.»

Als Frau biete man oftmals eine Angriffsfläche, fährt sie fort: «Als Musikerin bist du der Gefahr ausgesetzt, dass du auf dein Äusseres reduziert wirst und ein dummer Spruch kommt – und nicht darauf geachtet wird, was du wirklich kannst.»

Leute buchen, die man kennt

Luzern hat zudem ein ganz anderes Problem: «Hier werden grundsätzlich Künstler gebucht, die bereits einen Namen haben und bei denen man weiss, dass sie ‹reissen› und viele Partygäste anlocken werden.»

«Frauen sagten mir, dass sie schon lange nicht mehr so abtanzen konnten, ohne dass ihnen drei Typen auf den Arsch schauten.»

Saskia Grütter vom Kollektiv -V-

Grütter will aber nicht nur Diversität an den Plattentellern, sondern auch auf der Tanzfläche. Sie betont: «Ich will Männer nicht ausschliessen und auch keine Partys veranstalten, an die nur Frauen kommen.» Sondern alle Geschlechter sollen feiern und Musik machen dürfen – und alle sollen sich wohlfühlen.

Das V im Namen des Kollektivs -V- steht für die Vulva und die Venus – das Weibliche.

Frauen fühlen sich wohler

Grütter ist der Meinung, dass sich weibliche Partygäste anders fühlen, wenn Frauen auf der Bühne stehen.

Bei den Partys und Konzerten, die sie veranstaltete, habe sie oftmals die Rückmeldung erhalten, dass sich Frauen besonders wohlgefühlt haben. «Sie sagten mir, dass sie schon lange nicht mehr so abtanzen konnten, ohne dass ihnen drei Typen auf den Arsch schauten.»

Und auch deswegen veranstaltet die gelernte Pflegefachfrau mit ihrem Kollektiv -V- Partys und Konzerte. Und nicht nur, um für Künstlerinnen eine Bühne zu schaffen, sondern auch mehr Frauen auf die Tanzflächen zu bringen.

Die junge Zürcherin Naomi Lareine war ebenfalls im Südpol:

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