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Macht der Tiefbahnhof dem Schweizerhof-Carparking den Garaus?
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Im Bereich der aktuellen Mittelinsel vor dem Luzernerhof planen die Initianten die Zufahrt ins Seeparking. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Anpassung des Luzerner Bahnprojekts ausgeschlossen Macht der Tiefbahnhof dem Schweizerhof-Carparking den Garaus?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 17.10.2017, 00:01 Uhr

Das Carparking unter dem Schweizerhofquai könnte dem Zugtunnel des zukünftigen Durchgangsbahnhofs in die Quere kommen, befürchtet die FDP-Fraktion im Kantonsrat. Tatsächlich haben sich alle Projekte dem Bahnprojekt unterzuordnen, bestätigt nun die Regierung. Ist das der frühzeitige Dolchstoss für das neuste Luzerner Parkhausprojekt?

Im Untergrund zwischen Luzernerhof und Schweizerhof könnten bald Cars ein- und ausfahren. Geplant ist ein zweistöckiges unterirdisches Parkhaus für 40 Cars vom Luzernerhof bis zum Schwanenplatz – dieses Projekt möchten der Luzerner Architekt Marc Syfrig, der Bauingenieur Gregor Schwegler, der Verkehrsplaner Oscar Merlo sowie Berater Franz Egle realisieren (zentralplus berichtete). Gleichzeitig sollen in dem Bereich in Zukunft dereinst auch Zugpassagiere durch die Tiefe flitzen. Ob sich die Projekte im Weg stehen?

Die Pläne der Parking-Initiatoren haben den Kantonsrat jedenfalls aufgeschreckt, die FDP lancierte Anfang September einen Vorstoss. Unter anderem wollte die Partei wissen, inwiefern die Pläne für den Durchgangsbahnhof mit dem unteririschen Parking kompatibel sind. Denn das Vorprojekt zum Durchgangsbahnhof sieht vor, dass die Geleise auf der Höhe der Löwenstrasse respektive des Bachmann-Kioskes am Quai in 23 Meter Tiefe geführt werden. Sprich – just in dem Bereich, wo die Parkhausausfahrt vorgesehen wäre.

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Hier würden die Geleise des Vorprojekts des Durchgangsbahnhofes unterirdisch durchführen.

Hier würden die Geleise des Durchgangsbahnhofes gemäss Vorprojekt unterirdisch durchführen.

(Bild: zvg)

 

Regierung nimmt nicht klar Stellung

Die Prioritäten sind für den Regierungsrat klar: «Allfällige Bauvorhaben in dem Bereich sind in jedem Fall mit dem Projekt Durchgangsbahnhof abzustimmen», schreibt der Luzerner Regierungsrat in seiner Antwort auf den FDP-Vorstoss. Anpassungen am Durchgangsbahnhof seien angesichts von dessen Bedeutung «ausgeschlossen». Der Regierungsrat werde zum jetzigen Zeitpunkt keine Vorhaben unterstützen oder bewilligen, die sich nicht mit der Planung des Durchgangsbahnhofs und dem dafür erarbeiteten Vorprojekt vereinbaren liessen.

Ob das den Todesstoss für die erst kürzlich publik gewordenen Parkhauspläne bedeutet? Auf die Frage von FDP-Kantonsrat Herbert Widmer, ob der Gleisverlauf als gesperrtes Gebiet für Eingriffe in den Untergrund gelte und das Schweizerhofquai-Parking daher nicht in Frage komme, gibt es keine Antwort vonseiten der Regierung. Bisher habe kein Austausch zwischen den Initianten und dem Kanton stattgefunden, ein erstes Gespräch sei geplant, schreibt der Kanton in seiner Antwort.

Ein Nebeneinander sei möglich

Seeparking-Initiant Marc Syfrig macht sich keine Sorgen. Es stehe nichts Neues in der Antwort der Regierung. «Für uns war von Anfang an klar, dass der Kanton bei der Planung des Durchgangsbahnhofs keine Rücksicht auf andere Projekte nimmt», sagt der Luzerner. «Es ist logisch, dass der Durchgangsbahnhof oberste Priorität hat und das Seeparking sich daran orientieren muss.»

«Es gibt keinen Zeitplan.»

Marc Syfrig, Initiator Schweizerhofquai-Parking

Aus Syfrigs Sicht ist nach heutigem Stand ein Nebeneinander der beiden Projekte gut möglich. Das zeigten die Pläne von Basler & Hoffmann. Das Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen hat sowohl das Vorprojekt Durchgangsbahnhof geplant als auch das Seeparking begleitet. «Die Pläne zeigen, dass sich Parking und Zugtunnel zum heutigen Zeitpunkt nicht in die Quere kommen», sagt Syfrig.

Um genauer einschätzen zu können, wie die beiden Projekte nebeneinander realisiert werden können, wäre in jedem Fall eine Machbarkeitsstudie für das Parking unter dem Schweizerhofquai notwendig, meint Syfrig.

Ein Nebeneinander ist möglich, zeigen Pläne des Ingenieur-Büros Basler

Oben das zweistöckige Parkhaus, unten die Tunnelröhre zum Durchgangsbahnhof. Ein Nebeneinander ist also möglich, das zeigen Pläne des Ingenieur-Büros Basler & Hoffmann.

(Bild: zvg)

Zukunft des Projekts unklar

Eine solche Machbarkeitsstudie forderten CVP, FDP und SVP im Grossen Stadtrat. Sie wollten damit eine Grundlage schaffen, um das Musegg-Parking und das Seeparking miteinander vergleichen zu können. Doch den Linken passte dieser Vorstoss nicht, weil es für sie in Sachen Musegg-Parking nichts mehr zu diskutieren gibt.

Die Bürgerlichen wiederum waren erbost über die Antwort des Stadtrats. Dieser lehnte es ab, die beiden Projekte Schweizerhof und Musegg als gleichwertig zu behandeln. Deshalb wurde der Vorstoss ohne einzige Ja-Stimme abgelehnt. Beide Vorstösse in Stadt- und Kantonsparlament wurden nicht auf Initiative der Gruppe Seeparking vorgenommen.

Für den Architekten war der Entscheid des Stadtparlaments denn auch keine Niederlage. Wie es weitergehe, stehe immer noch in den Sternen: «Es gibt keinen Zeitplan.» Die Gruppe Seeparking wird nur weiteres Geld für eine Studie in die Hand nehmen, wenn das Projekt in der Politik Unterstützung findet und als Lösung für das städtische Carproblem ernsthaft in Betrachtung gezogen wird.

Das Quartett hinter dem Seeparking (von links): Franz Egle, Marc Syfrig, Gregor Schwegler und Oscar Merlo.

Das Quartett hinter dem Seeparking (von links): Franz Egle, Marc Syfrig, Gregor Schwegler und Oscar Merlo.

(Bild: jal)

Gegenvorschlag als Chance für Projekt

«Eine Machbarkeitsstudie kostet mehrere hunderttausend Franken. Wir werden nicht den Fehler wiederholen und ohne Miteinbezug der Öffentlichkeit und der Politik ein Projekt planen», meint Syfrig in Anspielung auf das Musegg-Parking-Projekt. «Ich hätte schon früh Tag sagen können, dass das nicht gutgeht», sagt Syfrig.

Eine Chance, das Projekt politisch wieder aufs Parkett zu bringen, bietet möglicherweise der angekündete Gegenvorschlag des Luzerner Stadtrates zur Initiative «für die Attraktivierung der Innenstadt» (zentralplus berichtete). Die Stadtregierung hat dem geplanten Parkhaus im Musegghügel vor einem Monat eine Abfuhr erteilt.

Im Gegenvorschlag will der Stadtrat die Stossrichtung der Entwicklung der Innenstadt aufzeigen. «Es wäre sinnvoll, wenn sich der Luzerner Stadtrat im Rahmen des Gegenvorschlags mit dem Seeparking auseinandersetzt», sagt Syfrig. Bereits wurden informelle Gespräche mit dem Stadtrat geführt, ein weiteres sei geplant, erklärt Syfrig.

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1 Kommentare
  1. Urs Eggler, 17.10.2017, 13:41 Uhr

    Jetzt müssen wir nur noch den Schwanenplatz eine Etage tiefer legen, danach noch den Rest und dann gibt’s endlich Platz für einen City-Airport in der Seebucht, mit dem Aushubmaterial vom Musegg-Parking, wobei noch zu berücksichtigen ist, dass möglicherweise noch die Ibach-Metro eine Röhre zum Bahnhof braucht. However, auch wir Stadtluzerner wollen unser Loch, wenn wir schon keins in den Finanzen haben!