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«Machnaml übreteriben wir das Speil»
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Jonas Anderhub (links) und Christof Wolfisberg in ihrem Element: Papier. (Bild: Beat Allgaier)

Luzerner Plakat-Duo «Ohne Rolf» im Interview «Machnaml übreteriben wir das Speil»

3 min Lesezeit 11.10.2015, 13:00 Uhr

Plakate sind ihr Ding. Und damit füllt das Duo «Ohne Rolf» nicht nur die Hallen, sie räumen auch internationale Preise ab. zentral+ hat sie zum Reden, nein eigentlich zum Schreiben gebracht. Ein Interview: kurz und schmerzlos.

Sechs Monate lang waren sie weg vom Schirm. Die beiden Luzerner Kleinkünstler Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub alias «Ohne Rolf» hatten sich eine Auszeit genommen. Eine redlich verdiente Auszeit. Waren sie doch ständig unterwegs. Sogar nach China haben sie ihr Programm exportiert. Und gehen auch international weiter: Wien, Brüssel, Berlin, Köln, Bonn, Heidelberg.

Diesen Herbst haben die beiden den renommierten deutschen Kabarettpreis 2015 gewonnen. Nicht die erste Auszeichnung für das erfolgreiche Duo, das seit 1999 zusammen auftritt und eine ganz eigene Form der Komik entwickelt hat.

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Nun sind sie endlich wieder da und haben uns ein paar Fragen beantwortet. In ihrer ganz eigenen Art und Weise: sich unterbrechend, ergänzend, komplettierend und ohne den Mund aufzumachen. Ein Interview, welches zeigt, dass die beiden ihre Plakatkunst völlig verinnerlicht haben.

zentral+: Die Herren Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub. Ihr kommt gerade aus einer sechsmonatigen Pause zurück – wie war’s? Habt ihr geheiratet, Kinder bekommen, die Welt bereist, ein neues Programm geboren?

J: Christof und ich haben uns sechs Monate nicht gesehen.
C: Das war sehr inspirierend.
J: Meine Gedanken drehten sich um ein Drehbuch.
C: Meine um ein Soloprogramm mit gesprochener Sprache.

zentral+: Habt ihr etwas mitgebracht?

C: Ideen,
J: Themen…
C: und Überraschungen.
J: Für unser neues Programm.

«Ich bringe nie etwas durcheinander.»
Jonas Anderhub

zentral+: Ihr habt gewonnen: 2014 den Kleinkunstpreis, 2015 den Kabarettpreis, kommt 2016 wieder einer?

C: Nächstes Jahr bezahlen wir den Preis für den Erfolg.
J: Denn dann erarbeiten wir unser viertes Programm.
C: Und diesen Preis bezahlen wir gerne.

zentral+: Was macht ihr jetzt mit dem Geld?

C: Wir wechseln es in Zehnernoten, …
J: … schreddern diese …
C: … und schöpfen daraus hochwertiges Papier …
J: … für unsere Plakate.

zentral+: Wer ist eigentlich Rolf?

J: Wissen wir auch nicht.
C: Schliesslich heissen wir OHNE ROLF.
J: Logisch, oder?

zentral+: Euch gibt es mittlerweile auf Englisch, Französisch, Chinesisch – verwendet ihr den Google-Translater? Oder wie geht sowas?

J: Die chinesische Übersetzung erarbeiteten wir mit acht chinesisch sprechenden Personen.
C: Wir mussten sehr viel reden, um auf den chinesischen Bühnen schweigen zu können.

zentral+: Seid ihr überall lustig?

C: Diesem Interview kann man entnehmen, dass dem nicht so ist.

zentral+: 2004 habt ihr den Innovationspreis erhalten. Seid ihr jetzt, elf Jahre später, noch innovativ? 

J: Diesem Interview kann man entnehmen, dass dem nicht so ist.

(Bild: Beat Allgaier)

zentral+: Brüssel, Berlin, Wien, schaut man sich eure nächsten Monate an, dann scheint Luzern ganz weit weg zu sein?

J: Im Gegenteil!
C: Auf Tournee sind wir im Kopf oft in Luzern …
J:  … bei der Premiere unseres neuen Stückes im Herbst 2016.

«Wir zaubern nicht mehr explizit.»
Christof Wolfisberg

zentral+: Ihr spielt alle eure drei Programme noch, abwechslungsweise. Kommt ihr da nicht durcheinander?

C: Ich auch nicht.
J: Ich bin sehr strukturiert und bringe nie etwas durcheinander.

zentral+: Euch wird eine anarchische Liebe zur Sprache unterstellt. Was soll das sein?

C: Da können wir auch nur mutmassen.
J: Klar, öppe mal tun wir mit der Sprache ungehobelte Sachen machen.
C: Und machnaml übreteriben wir das Speil mit der Sparche.
J: Aber man versteht uns trotzdem.

zentral+: Ihr seid früher beide als Zauberkünstler aufgetreten. Zaubert ihr manchmal noch?

C: Jein. Wir zaubern nicht mehr explizit.
J: Wir sind aber noch geprägt vom Zauberer-Denken.
C: Wir versuchen dem Publikum immer einen Schritt voraus zu sein.
J: Der Leser dieses Interviews wird zum Peispiel gleich denken: «Da war doch eben ein Schreibfehler!»

zentral+: Und jetzt ernsthaft: Was auf der Welt hat diesen Sommer richtig beschäftigt?

J: Auf der Insel Kos stand ich auf einmal direkt syrischen Flüchtlingen gegenüber. Da wurde für mich erlebbar, wie man bereits mit wenigen Mitteln helfen kann.

 

(Bild: Beat Allgaier)

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