Luzerns Sklaverei-Geschichte soll aufgearbeitet werden
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In Luzern kam es zu über 700 Hinrichtungen. (Symbolbild) (Bild: Pexels/lalesh)

Mahnzeichen soll an Hinrichtungen erinnern Luzerns Sklaverei-Geschichte soll aufgearbeitet werden

3 min Lesezeit 4 Kommentare 23.11.2020, 16:31 Uhr

Luzern hat in seiner Geschichte in Sachen Sklaverei und Sklavenhandel keine weisse Weste – und doch weiss niemand so genau, inwiefern sich die Stadt mitverantwortlich machte. Die SP will das ändern und fordert den Stadtrat dazu auf, die Sklaverei-Historie Luzerns aufzurollen – und will ein Mahnzeichen errichten lassen.

In Sachen historischer Aufarbeitung von Sklaverei ist die Stadt Zürich ein Vorreiter. Ende September veröffentlichte die Universität Zürich nämlich einen Bericht zur Sklaverei. Das von der Stadt Zürich in Auftrag gegebene Projekt zeigt auf, inwiefern Zürich als Stadt und mit ihren Bewohnerinnen an Sklaverei und Sklavenhandel vom 17. bis ins 19. Jahrhundert beteiligt war.

Aus der Stadt Luzern kommt nun eine sehr ähnliche Forderung auf. Die dem SP-Grossstadtrat Cyrill Studer Korevaar entstammende Forderung will, dass «die Stadtluzerner Vergangenheit bezüglich mutmasslicher Beteiligung an Sklaverei und Sklavenhandel gemäss Zürcher Vorbild aufbereitet wird.» So soll der Stadtrat sowohl direkte und indirekte Beteiligungen an Sklaverei aufbereiten lassen – und dies mit den nötigen wissenschaftlichen Akteuren. Anschliessend soll der Bericht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Gräueltaten in Luzern

Und tatsächlich soll dies auch möglich sein: Wie die SP in ihrer Forderung schreibt, sollen gemäss Vorabklärungen beim historischen Seminar der Universität Luzern ähnliche Ergebnisse für die Stadt Luzern erwartet werden können.

Dass vor mehreren hundert Jahren in gewissen Situationen noch zu anderen Mitteln gegriffen wurde, ist soweit nichts Neues. Studer Korevaar macht in einem weiteren Postulat aber darauf aufmerksam, dass auch in Luzern diverse Personen auf ätzende Art und Weise ums Leben gebracht oder gefoltert wurden. Dazu gehören beispielsweise Folterungen auf dem Wasserturm, um Geständnisse zu erzwingen. Aufgelistet sind auch das Erhängen, Vierteilen, Ertränken und Enthaupten von Verurteilten in Emmenbrücke und in der Sentimatt, sowie die öffentliche Bekanntgabe der Todesstrafen auf dem heutigen Weinmarkt (früher Fischmarkt).

Über 700 Hinrichtungen

Im Postulat heisst es: «Die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit prägt unsere Zukunft. Zu den unrühmlicheren Phasen gehörten Verfolgungen von «Hexen» und weiteren Personen, welche nicht in das damalige Obrigkeitenschema passten.» So soll es demnach in der Stadt Luzern zwischen 1551 bis in die Zeiten der Aufklärung zu 711 öffentlichen Hinrichtungen gekommen sein. Zu den Vorwürfen gehörten Mord, schwerer Diebstahl, Brandstiftung, Kindstötung, Hexerei, Homosexualität oder Blasphemie, wie es in der Forderung heisst.

Mahnzeichen soll an dunkle Zeiten erinnern

Konkret fordert der SP-Grosstadtrat nun die Errichtung eines Mahnzeichens – und zwar da wo damals «unsagbares Leid stattfand». Gemäss Entwicklungskonzept Basel- und Bernstrasse könnte in nächster Zeit eine geänderte Nutzung des Parkplatzes Sentimattstrasse 1 anstehen, meint der Postulant weiter. In diesem Zusammenhang bittet die SP-Fraktion den Stadtrat, im Falle einer Umnutzung von Beginn an ein Mahnzeichen in die Neugestaltung zu integrieren. Um das Ziel zu erreichen, soll er und hierzu historische Fachpersonen einbeziehen.

Zudem soll mit weiteren Informations- und Gedenktafeln an das Schicksal der betroffenen Personen erinnert und die damals gängige Praxis thematisiert werden.

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4 Kommentare
  1. Werni, 24.11.2020, 13:01 Uhr

    Na klar doch, man sollte auch über Adam reden,der Eva den Apfel hat essen lassen.
    Über die Schuld der Römer, der Habsburger, Napoleon. Wenn sie schon von Verarbeitung reden und von Greueltaten, warum erwähnen sie nicht den 2.Weltkrieg , Nazigold, Nazigeld und die Geschäfte mit den Nazis?
    Wir sollten es ruhen lassen und unsere Kraft und Geld für wichtigeres verwenden.
    Denkt ihr,das jemand der die Krankenkasse nicht bezahlen kann,oder der ,der Ausgesteuert ist, oder die in Altersarmut leben , sich interessieren,wer vor 200-300 Jahren ,ungerecht behandelt oder Hingerichtet wurde? Wohl kaum.

  2. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 23.11.2020, 17:28 Uhr

    Ich fände flankierend dazu auch eine Wanderausstellung zu den Opfern und Gräueltaten der Bolschewiki, der Stalinisten, der Maoisten, der Securitate, der Stasi, der Roten Khmer, der Nordkoreanischen Kamarilla seit Kim Il Sung und politisch verwandte Organe, Organisationen u/o Parteien nötig und sinnvoll. Damit die Relationen gewahrt bleiben und nicht der Eindruck entsteht, das Böse sei so leicht und zielsicher zu erfassen!

  3. Richard $choll, 23.11.2020, 16:49 Uhr

    Ach Gott, ein modisches, in den USA neu aufgekochtes Thema wird im letzten Winkel der Schweiz breitgeschlagen. Warum nicht in den arabischsprachigen Ländern, die seit 622 die Sklaverei bis heute locker handhaben? Sie haben dreimal mehr Sklaven importiert als die transatlantischen Staaten. Aber eben, es gibt Tabuzonen, die unsere Medienschaffenden respektieren.

    1. B Suter, 23.11.2020, 23:35 Uhr

      Eines ist unsere Geschichte, das andere nicht. So einfach.

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