Luzerns schönste und grösste Bühne
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August: Das Openairfestival «Funk am See» zieht an der zehnten Austragung über 10'000 Besucher in seinen Bann. Bei garstigem Wetter unterhalten zehn Bands die Musikfans auf der Lidowiese. (Archivbild/Austragung 2010) (Bild: zvg)

Funk am See - Rück- und Ausblick Luzerns schönste und grösste Bühne

7 min Lesezeit 1 Kommentar 14.08.2014, 10:54 Uhr

Am Freitag und Samstag feiert das Open Air «Funk am See» seine zehnte Auflage. Mit über 10’000 Zuschauern ist und bleibt es die grösste Musik-Plattform in Luzern. Und nicht selten ist zu hören, dass das Festival auf der Lidowiese mit zu den schönsten Geländen der Schweiz gehört.

Wie Radio 3FACH selbst, ist das Funk am See eine Idee des 3FACH-Gründers Attila Revesz, welcher sich 2003 das Leben nahm. 1994 erhielt Revesz für den Jugendsender eine erste Konzession. Bis das erste Jugendradio der Schweiz dann aber definitiv auf Sendung gehen konnte, vergingen vier weitere Jahre. In dieser Zeit versuchte Revesz den Namen 3FACH hochzuhalten, in dem er diverse Konzerte und Partys mit dem Sendernamen veranstaltete. Eine dieser Konzerte war das Funk am See 1996 auf der Lidowiese, welches parallel zum ersten Testbetrieb von Radio 3FACH stattfand.

Die ersten zwei Ausgaben waren noch mit Eintritt

Die Anfänge des Funk am See lassen sich aber nie und nimmer mit der Dimension des heutigen Festivals vergleichen. 1996 wurde die Lidowiese noch komplett eingezäunt. Schon damals wurde mehrheitlich auf lokale Bands gesetzt, der Eintritt betrug fünf Franken. Schlussendlich zählte die Premiere um die 5’000 Besucher. Nicht geändert hat sich in all den Jahren der Zyklus: Alle zwei Jahre findet das Funk am See statt.

Die zweite Ausgabe war also 1998 und wurde deutlich schlechter besucht: «Ich weiss nicht, wie viele Besucher damals kamen. Aber ich erinnere mich gut, dass Attila sehr enttäuscht war. Da merkten wir, dass es so nicht weiter gehen kann», erinnert sich der heutige Präsident des Vereins «Open Air Lidowiese», Melchior Bendel. Für Radio 3FACH wurde so das Funk am See zur Hypothek: Quasi pünktlich zum Sendestart hinterliess das Festival ein Loch in der Kasse von ungefähr 30’000 Franken.

Gratis statt Security-Ausgaben

Um das Festival in eine sichere Zukunft führen zu können, musste also entweder auf der Einnahmen- oder auf der Ausgabenseite etwas geändert werden. Der Entschluss, das Problem auf der Ausgabenseite zu lösen, machte aus dem Funk am See das heutige Festival ohne Eintritt: Anstatt das Gelände einzuzäunen und mit einem hohen Security-Einsatz zu bewachen, wurde beschlossen, das Gelände offen zu halten und auf einen Eintritt sowie viele Security-Stunden zu verzichten.

«Das nächste Funk am See im Jahr 2000 war dann der Durchbruch», erinnert sich Bendel, «wir rechneten mit 3’000 Personen und wurden schlussendlich überrannt». Gegen 10’000 junge Menschen stürmten damals die Lidowiese. Auch Benji Gross, der damalige Programmleiter von Radio 3FACH, erinnert sich: «Das Open Air ohne Eintritt zu machen, hatte zwei weitere Gründe: Erstens wollten wir einfach so viele Leute wie möglich auf der Wiese haben, zweitens passte das zu Attila Revesz Grundeinstellung: Alle jungen Menschen sollen kommen können.» Ein Vorhaben, welches im Jahr 2000 also in die Realität umgesetzt wurde.

Urs W. Studer rettete die Ausgabe von 2004

Mit der Ausgabe im Jahr 2000 hatte sich das Funk am See definitiv etabliert. Doch ein weiterer Meilenstein sollte im Jahr 2004 mit Hilfe des alten Stadtpräsidenten Urs W. Studer erreicht werden. Zum ersten Mal planten die Organisatoren im Jahr 2004 eine Schlechtwettervariante. Sollte es zu stark regnen, hätte das Funk am See in der SwissLife-Arena stattgefunden. Und tatsächlich: Die Woche vor dem Funk am See war verregnet und die Stadtgärtnerei fürchtete bleibende Schäden auf der Lidowiese. Also wurde den Organisatoren mitgeteilt, dass es in diesem Jahr kein Funk am See auf der Lidowiese geben werde.

Die Kasse des Funk am See war eng mit Radio 3FACH verknüpft. Ein finanzielles Desaster des Festivals wäre so automatisch an den Jugendsender weitergegeben worden. Die Organisatoren wussten, dass ihre Schlechtwettervariante zu wenig ausgereift war und rechneten mit massiv weniger Besuchern in der SwissLife-Arena. Sie fürchteten in eine finanzielle Katastrophe zu geraten und drängten so lange bei der Stadt, bis sie Stadtpräsident Studer während seiner Mittagspause ans Telefon kriegten. Mit seinem Segen konnte das Festival dann doch noch – im letzten Moment – auf der Lidowiese durchgeführt werden.

Anerkennungspreis verschaffte Reserve

Funk am See zum Zehnten

Das Funk am See 2014 findet am 15. und 16. August auf der Lidowiese vor dem Verkehrshaus statt. Neu bleibt das Gelände am Freitag und Samstag bis 01.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, jedoch ist es nicht erlaubt, mitgebrachte Getränke und Speisen auf das Gelände zu nehmen.

Nebst einigen internationalen Acts wie The Soft Moon und Slow Magic aus Amerika oder Dream Koala aus Frankreich, sind es vor allem lokale und nationale Acts, welche den Ton angeben. Aus Luzern spielen Heidi Happy, Chartstürmer Mimiks oder die Kick Ass Award-Gewinner Moskito. Besonders empfehlenswert ist der Auftritt von Pablo Nouvelle aus Bern. Hier geht es zur Programmübersicht.

Dieser Vorfall führte dann für das nächste Funk am See im Jahr 2006 zu zwei grundlegenden Veränderungen: Einerseits wurde mit der Stadt verhandelt, das Funk am See auf jeden Fall auf der Lidowiese veranstaltet werden kann, unabhängig vom Wetter. Allfällige Schäden am Rasen müssten dann aber von den Organisatoren übernommen werden.

Andererseits wurde der Verein «Open Air Lidowiese» gegründet, um Radio 3FACH finanziell zu schützen. Das Funk am See wird seither von diesem Verein durchgeführt. Die Gewinne werden zurückbehalten und projektbezogen an Radio 3FACH ausbezahlt: «Die Reserven vom Funk am See sind für uns eine Art Lebensversicherung», erklärt der heutige Programmleiter Dani Glur. «Bauen wir das Studio um oder brauchen einen neuen Boden, können wir auf die Mittel zurückgreifen.» So konnte sich der Jugendsender zum Beispiel vor vier Jahren einen neuen Übertragungswagen mit den Reserven des Funk am See anschaffen.

2009 konnten die Macher das Funk am See auf ein ungewohntes, solides Fundament stellen: Die Albert Koechlin-Stiftung überreichte dem Open Air den Anerkennungspreis, welcher mit 60’000 Franken dotiert ist. Diese Reserve wurde bis heute nicht angetastet. «Unser Ziel ist es, genügend Geld auf der Seite zu haben, damit das Funk am See auch eine Zukunft hat, wenn eine Ausgabe in einem Fiasko endet», so Glur. Und dieser Anerkennungspreis war auch durchaus verdient: Die Ausgabe 2004 war zum Beispiel der erste Grossanlass in der Stadt Luzern, welcher mit einem Depotsystem für Becher und Teller arbeitete. Was heute an der Tagesordnung ist, war damals ein mit der Stadt gemeinsam und freiwillig durchgeführter Testlauf.

Seit 2012 dauert Funk am See zwei Tage

In den Jahren 2006 bis 2010 entwickelte sich das Funk am See in eine Richtung, welche später vom Verein wieder korrigiert wurde: Das Gelände wuchs und wuchs, es wurde eine zweite Bühne installiert und mit grossen Hauptsponsoren zusammengearbeitet. Zudem entfernte sich das OK immer mehr von Radio 3FACH. Um diese Entwicklung zu korrigieren, verfasste der Verein 2011 ein Strategiepapier, welches bei der Stadt hinterlegt wurde. Die wichtigsten Eckpfeiler darin waren, dass ein Wachstum des Open Airs kein strategisches Ziel sei, dass das Budget in einem vernünftigen Rahmen gehalten werden müsse und, dass die Veranstaltung wieder näher an Radio 3FACH gerückt werden soll.

Die neue Strategie zeigte Wirkung und die Ausgabe 2012 war wieder ein Funk am See, welches zeigt, wie einfach es eben gehen könnte. Es wurde mit anderen Kulturplayern zusammengearbeitet, so führte zum Beispiel das Bistro vom Sedel einen Foodstand vor Ort. Zudem konnte ein lang gehegter Wunsch erfüllt werden: Das Festival begann zum ersten Mal in seiner Geschichte bereits am Freitagabend. «So ist das Risiko besser verteilt. Fällt ein Abend wegen Regen ins Wasser, kann der nächste Tag die finanzielle Lücke füllen. Zudem war es schon wahnsinnig, eine solche Infrastruktur nur für einen Tag aufzubauen», so Dani Glur.

Der Freitag bringt den Organisatoren aber auch weitere Vorteile. Neu können jetzt einen Tag vor dem grossen Andrang das Gelände und die Abläufe getestet werden. «Früher bauten wir vier Tage auf und kaum waren wir damit fertig, war auch das Festival zu Ende», erinnert sich Glur. So könne auch von Seiten der Organisatoren der Samstag viel eher genossen werden, da man nun am Samstag dank des Vortages besser bereit sei.

150’000 Franken Budget – 200 Helfer

Für die Ausgabe 2014 arbeiten die vier Personen der 3FACH-Geschäftsleitung im engeren OK. Dieses wird durch acht weitere Personen, fast alles aktuelle oder ehemalige Radiomacher, im weiteren OK ergänzt. Der Aufwand bewegt sich wie im letzten Jahr um die 150’000 Franken. «Diese werden durch den Getränkeumsatz, die Standvermietung und kleinere Sponsoren wettgemacht», erklärt Melchior Bendel. Eine weitere, wichtige Einnahmequelle ist laut Bendel der 100er-Club: «Das sind nette Menschen, welche uns mit einem Beitrag von 100 Franken unterstützen.»

Lebensader des Festivals sind aber, wie an vielen anderen Open Airs auch, die freiwilligen Helfer. «Bisher haben wir 150 Helfer. Um das Funk am See durchzuführen, brauchen wir noch 50 mehr. Diese sind wir jetzt am Suchen», erklärt Dani Glur. Insgesamt dürften inklusive Auf- und Abbau, sowie Festival-Betrieb an die 5000 ehrenamtliche Stunden geleistet werden.

Schaden für die Luzerner Kulturszene?

Neu müssen sich Veranstalter im Kanton Luzern an den Polizeikosten beteiligen. Und obwohl am Funk am See niemand verdient und das Festival rein als Unterstützung von Radio 3FACH dient, wird es als Veranstaltung mit «überwiegend ideellem Charakter» eingestuft. Somit müssen dieses Jahr zum ersten Mal 20 Prozent der Polizeikosten übernommen werden, denn nur «rein ideellen» Veranstaltungen werden diese Kosten erlassen. «Den Wunsch nach mehr Polizeipräsenz haben wir nach dem Funk am See 2012 selbst gestellt», sagt Dani Glur, «tausende angeheiterte Teenager können schon mal ein Problem darstellen».

Trotzdem fehlt Glur die Transparenz, wie der Anteil an den Polizeikosten berechnet wird: «Beim Funk am See ist alles ideell: Der Anlass kostet keinen Eintritt, die Helfer, die Organisatoren, der Verein und selbst die Bands, welche für eine bescheidene Gage auftreten.» Und Bendel ergänzt: «Grundsätzlich ist es ja nicht falsch, dass wir uns an den Kosten beteiligen müssen. Wir sehen aber nicht ein, wieso ein Jodlerfest oder ein Lucerne Festival ideell sein sollen, ein Blue Balls kommerziell und ein Funk am See überwiegend ideell. Diese Intransparenz ärgert uns und schadet der Luzerner Kulturszene.»

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1 Kommentare
  1. Peter Zürcher, 16.08.2014, 15:07 Uhr

    Wer interessiert sich ob der Schönheit oder Grösse der Bühne?
    Das nächste mal dürfte es heissen: „Abzocke bei Polizeikosten am Funk am See!“

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