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Luzerns neuer Weihnachtsmarkt, der keiner ist
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Die Ess- und Delikatessenstände sind bereit. Jetzt muss nur noch die Kundschaft kommen. (Bild: zar)

«Rudolfs Weihnacht» auf dem Luzerner Inseli ist eröffnet Luzerns neuer Weihnachtsmarkt, der keiner ist

4 min Lesezeit 28.11.2019, 18:22 Uhr

Glühwein dampft und Weihnachtskugeln glitzern, während Brotwürfeli um Brotwüfeli durch geschmolzenen Käse gezogen wird. Willkommen in «Rudolfs Weihnacht», dem etwas anderen Weihnachtsanlass, der gekommen ist, um zu bleiben.

«Rudolf» ist besonders. Anders als die übrigen Rentiere hat er eine rote Nase, die manchmal sogar leuchtet. Besonders ist auch Luzerns «Rudolf» –  jener Weihnachtsmarkt auf dem Inseli, der sich sinnigerweise «Rudolfs Weihnacht» nennt und ab heute Donnerstag bis Silvester täglich geöffnet ist (zentralplus berichtete).

Besonders darum, weil der Neuzugang des Luzerner Weihnachtstreibens kein Markt im klassischen Sinne ist. Weder werden auf dem Inseli ätherische Öle in zig Geschmacksrichtungen feilgeboten noch Fuchsfelle und «glismete» Babysocken. «Produktestände gibt es hier keine», benennt Katja Weber, «Rudolf»-Mitorganisatorin, den offenkundigen, und auf den ersten Blick doch nicht sichtbaren Weihnachtsmarktmakel.

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Lichterketten, Lagerfeuer und Gabelstapler

Am Eröffnungsabend ist das Inseli ganz in Weihnachten getunkt. Lichterteppiche ranken sich um Bäume, die neben schwer mit Weihnachtschmuck behangenen Tannen stehen. Allenthalben züngeln offene Feuer in den kalt-nassen Spätnovemberabend, deren Knistern sich unter säuselnde Popmusik mischt. «Mega herzig», findet Anne-Marie aus Zürich, die ihren Studienkolleginnen gleich eine dampfende Tasse Glühwein umklammert. «Der See, diese Stimmung. Perfekt. So muss es sein.»

«Rudolfs» Filetstück von innen: Im gemütlichen und einladenden Gastraum werden künftig gehörig Käsefäden gezogen.

Begeistert ist auch das ältere Semester vom Inseli im Weihnachtskleid. «Unglaublich, diese Beleuchtung, diese aufwendige Dekoration. Jetzt müsste es nur noch schneien», meint eine ältere Stadtluzerner Dame, die ihren Namen hier nicht lesen will. Ihr Wunsch wird nicht erhört, es fallen weitere Tropfen aus der Wolkendecke. Das triste Wetter sowie ein letzter Aufbau-Hubstapler, der immer mal wieder durchs Publikum kurvt; sie stören das ansonsten stimmige Gesamtbild, das selbst einen Weihnachtsmuffel nicht kaltlässt.

«Rudolf» ist zwar kein Waren-Bazar, für das leibliche Wohl aber sorgt er definitiv. Um das Herzstück des Markts – ein geräumiges Fondue-Chalet, das gegen 130 Gäste schlucken kann – gruppieren sich neben Pavillons und Outdoor-Bars 20 Essens- und Spezialitätenstände. Angeboten werden von Stollen (besinnlich, weil weihnächtlich) über spanische Churros (ordentlich gewagt) bis hin zu asiatischen Momos (sehr exotisch) so einige Gaumenleckerli. Selbstverständlich muss an diesem «Ort zum Verweilen» auch niemand auf das Weihnachtserlebnis schlechthin verzichten: Glühwein-Güddern an der frischen Luft.

Ein Wochenende lang «richtiger Weihnachtsmarkt»

An einem Wochenende aber, da wächst «Rudolf» über sich hinaus und verwandelt sich in einen «richtigen kleinen Weihnachtsmarkt» – den Inseli-Gschänkli-Märt. Und zwar am 14. und 15. Dezember, wenn sich 30 Produktestände zum bestehenden Angebot gesellen.

«Die Leute wollen auch im Winter ausgehen. Es braucht bloss die richtigen Orte dazu.»

Katja Weber, Co-Organisatorin «Rudolfs Weihnacht»

Ob denn der Bogen mit Weihnachtsbespassung nicht langsam überspannt sei und es den «Rudolf» gar nicht brauche? Nein, findet Weber, und wird in diesem Punkt just von einem weiteren Mitorganisator, Philipp Kathriner, bestärkt. Es habe noch keine Übersättigung stattgefunden. Man wolle mit «Rudolf» im Gegenteil andere inspirieren und zu eigenen Weihnachts- oder zumindest Winterprojekten ermuntern, so Kathriner.

Und auch Weber ist überzeugt: «Die Leute wollten auch im Winter ausgehen. Es brauche bloss die richtigen Orte dazu – wie etwa den Rudolf.»

Muntermacher im Fondue-Chalet gefällig? Barkeeper Joel ist «ready». (Bild: zar)

Dass man mit dieser Annahme nicht komplett falsch liege, hätten auch die vielen positiven Rückmeldungen aus dem direkten und erweiterten Umfeld gezeigt sowie die vielen Neugierigen, die selbst den Markt im Aufbau emsig geknipst hätten. Von den vielen Lobreden am Eröffnungsabend auf «Rudolfs Weihnacht» ganz zu schweigen.

Wächst «Rudolf» in Richtung KKL?

Noch ist «Rudolf» klein und unerfahren. Entsprechend vorsichtig sind die Erwartungen der Organisatoren. Rund 500 bis 1’000 Besucher werden täglich erwartet – je nach Wetter. Trotz gewisser Unsicherheiten: Die Aussichten für den neuen Luzerner Weihnachtsanlass könnten düsterer sein. Auch weil der Wegfall von «Jeder Rappen zählt» eine Lücke in geografischer wie übertragener Hinsicht hinterlässt.

Ob diese Lücke künftig «Rudolf» füllen wird, lassen die Verantwortlichen noch offen. Kein Geheimnis hingegen ist, dass «Rudolf» keinen einmaligen Zwischenstopp auf dem Stadtluzerner Inseli hinlegen, sondern Stammgast im weihnachtlichen Luzern werden will.

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