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Luzerns bekanntester Obdachloser landet nach Zusammenbruch im Spital
  • Regionales Leben
Felisch, aufgenommen von Martin Weibel 2013 für eine Fotoreportage. (Bild: Martin Weibel)

Falsche Todesmeldung kursierte auf Facebook Luzerns bekanntester Obdachloser landet nach Zusammenbruch im Spital

2 min Lesezeit 9 Kommentare 07.08.2019, 17:19 Uhr

Am Samstag brach der als «Tüechlimann» oder Felisch bekannt gewordene Philipp Waser am Bahnhof Luzern zusammen. Am Dienstag folgte dann auf Facebook die Meldung, Felisch sei tot. Dies ist glücklicherweise eine Falschmeldung.

Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Philipp Waser, besser bekannt als Felisch oder «Tüechlimann», sei tot. Besonders in der Facebook-Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn…» schlug die vermeintliche Neuigkeit ein wie eine Bombe. Das Resultat waren unzählige Mitleidsbekundungen und Erinnerungen an Begegnungen mit Felisch (38).

Die Befürchtung, Felisch sei gestorben, rührt wohl daher, dass er am Samstag im Bahnhof Luzern zusammengebrochen war. Er habe von herbeigeeilten Rettungskräften reanimiert werden müssen, berichten Augenzeugen. Anschliessend wurde er ins Spital auf die Intensivstation gebracht. Auf Anfrage bestätigt die Friedhofsverwaltung der Stadt Luzern gegenüber «zentralplus», dass Felisch lebt.

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Nur gute Worte für Felisch

Das Echo, das der vermeintliche Tod des stadtbekannten Bettlers ausgelöst hat, ist bemerkenswert und lässt erahnen, dass er einem Grossteil der Luzerner ein Begriff ist. Immer freundlich sei er gewesen, schreibt ein Nutzerin auf Facebook. Ihm habe sie gerne ihr «Zigipäckli» gegeben. Eine andere Frau schreibt, im Gegensatz zu anderen Obdachlosen sei Felisch nie aufdringlich gewesen.

Jemand fragte in die Runde, weshalb niemand Felisch geholfen habe, den Weg zurück ins Leben zu finden. Die Antwort von mehreren Nutzern war, dass sich der gebürtige Obwaldner nicht helfen lassen wollte. Negative Beiträge unter den deutlich über 100 Kommentaren liessen sich keine finden.

Das Gruppenmitglied, welches ursprünglich die Nachricht «R.I.P. Felisch» verfasst hatte, bemerkte am frühen Mittwochnachmittag offenbar seinen Fehler. Der Beitrag war jedenfalls ab kurz vor 15 Uhr nicht mehr verfügbar. Es besteht noch die Hoffnung, dass Felisch seinen Zusammenbruch vom Samstag überlebt.

Vor dem Coop und am Bahnhof anzutreffen

Zur Schule gegangen ist Felisch in St. Niklausen und Kerns, machte anschliessend eine Lehre zum Käser. In diesem Beruf arbeitete später auch. Als er im Alter von 22 Jahren in eine Polizeikontrolle geriet, wurde er mit verschiedenen Drogen erwischt. Was folgte, war der Verlust des Fahrausweises und seines Jobs.

Später bezog er eine IV-Rente und wohnte in Giswil. Doch nach zwei Jahren verlor er die Wohnung. Fortan war die Strasse sein Zuhause. In Luzern ist er vor allem vor dem Coop an der Winkelriedstrasse und am Bahnhof anzutreffen. Wie es Felisch geht und ob er noch im Spital ist, ist unklar. Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes dürfen Behörden Details nicht bekanntgeben.

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9 Kommentare
  1. Luzärnerin, 14.08.2019, 17:33 Uhr

    Ech bi letschtens i de stadt gsi und han mich gfrogt vo denn de ” tüechlimaa” isch! Ha ihn ned gse! Denn chomm ich hei und muess erfahre das dä “tüechlimaa” verdtorbe isch! I bin denn go e cherze chaufe und han si bim toorboge änne schtält. Aber am andere morge isch die cherze nümme ume gsi… schad und truurig das oppert das macht! Felisch dir wünsch ich das es diär dit obä guet geit und das du din friede gwundä häsch! Luzern wird dich vermissä…* ruhe jätzt in friede!

  2. Angelina Dragone, 13.08.2019, 15:37 Uhr

    Ich habe Felisch nicht gekannt, aber auch mich hat die Geschichte zu tiefst berührt.

    Vieles können wir nicht einordnen, weshalb Dinge im Leben geschehen …, dafür ist unser Verstand zu klein.

    Ich möchte dich ermutigen …, gib nicht auf, halte ständig Ausschau deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst.

  3. Kasimir Pfyffer, 08.08.2019, 09:15 Uhr

    Dieser Artikel verletzt ganz klar die Privatsphäre des Betroffenen, mit voller Namensnennung, Foto und Lebenslauf. Dazu noch der Anruf bei der Friedhofverwaltung … Eigentlich lernt man in der ersten Kurswoche am MAZ, dass so etwas überhaupt nicht geht. Sackschwache Leistung.

    1. Redaktion Lena Berger, 08.08.2019, 09:44 Uhr

      Ich verstehe den Einwand. Die Redaktion hat gestern beobachtet, wie gross die Anteilnahme auf Facebook gewesen ist, weil Felisch so vielen Menschen begegnet und sein Schicksal offenbar in der Stadt sehr bewegt. Die Meldung von seinem Tod hat sich rasend schnell verbreitet. Sie hat aber nicht gestimmt. Wenn eine Person stirbt, dann wird umgehend die Melde- und Beratungsstelle Friedental informiert, die organisatorisch bei der Friedhofsverwaltung angesiedelt ist. Eine Falschmeldung zu entkräften ist nur möglich, wenn man auf die offizielle Quelle verweist. Deshalb haben wir das gemacht. Philipp Waser hat der Öffentlichkeit mehrfach in Medienberichten einen Einblick in sein Leben gegeben. Wir haben nichts geschrieben, was nicht durch ihn selber bekannt gemacht wurde. Das Bild stammt aus einer Fotoreportage, bei er mitgemacht hat und die für den Swiss Photo Award nominiert war.

    2. Felix von Wartburg, 09.08.2019, 02:08 Uhr

      Sorry, Kasimir, ich bin mit deiner Argumentation nicht einverstanden. Als Journalist mit 55 Jahren Berufs- und noch längerer Lebenserfahrung, sehe ich das ganz anders. Menschen wie Felisch haben gar keine Privatsphäre, die man schützen müsste oder könnte. Sie haben keinen Wohnsitz, kein Eigentum, kein Einkommen, keinen Kleiderschrank, keine Familie, keinen Beruf kaum Beziehungen und sie verlieren mit der Zeit sogar ihre Identität. Das Einzige, was sie noch haben, ist ein «Ruf», über den sie aber nicht selbst bestimmen können.
      Was, bitte schön, gibt es da noch zu schützen? Felisch, den ich gut kenne, hat sich selbst nie als Privatperson gesehen, sondern als einen Teil der Öffentlichkeit, von der er schliesslich auch abhängig war.
      Radio SRF sendete und sendet weiter sehr interessante Beiträge, Interviews und Recherchen zum Thema Obdachlosigkeit. Diese Beiträge zeigen auf, dass es jeden von uns treffen kann, schneller als erwartet. Das ernüchternde Fazit lautet: Wer keinen Job hat verliert seine Wohnung und wer keine Wohnung hat bekommt keinen Job. In diesen Teufelskreis kann man schneller geraten als man denkt. Und davon sind sogar Menschen aus dem Top-Kader betroffen. Viele von ihnen lösen das Problem mit Suizid oder Ermordung ihrer ganzen Familie.
      Ich bin der Meinung, dass Obdachlose in der reichen Schweiz nicht in ihrer Privatsphäre geschützt werden, sondern im Gegenteil ins Rampenlicht gestellt werden sollten. In ganz vielen Fällen sind sie nämlich nicht «selber schuld», sondern ein Opfer unserer völlig aus dem Ruder laufenden Gesellschaft.

  4. Eli egli, 08.08.2019, 00:33 Uhr

    Privatsphäre? Immerhin kenn ich nun seinen ganzen bisherigen Lebenslauf, seinen ganzen Namen, Spitznamen, Alter, …

  5. Kuno, 07.08.2019, 21:19 Uhr

    Schön zu hören, das Felisch doch noch lebt! Umso schlimmer finde ich es, dass seine Lebensgeschichte hier veröffentlicht wird – wie war das mit dem Persönlichkeitsschutz? Darunter verstehe ich auf jeden Fall etwas anderes. Warum jemand auf der Strasse lebt, geht die Presse nichts an – schlimm genug, dass es soweit gekommen ist.

    1. Redaktion Lena Berger, 08.08.2019, 09:06 Uhr

      Lieber Kuno, ich kann den Einwand voll und ganz nachvollziehen. Und grundsätzlich hat Du natürlich recht. Es ist aber so, dass Felisch von sich aus in die Öffentlichkeit getreten und seine Lebensgeschichte erzählt hat. Das Bild stammt aus einer Fotoreportage, die 2014 für den Swiss Press Award nominiert gewesen ist. Wir haben nichts geschrieben oder verwendet, was nicht schon bekannt war bzw. durch ihn selbst bekannt gemacht wurde. Wir haben die Falschmeldung thematisiert, weil sie sich wie ein Lauffeuer verbreitet hat und wir dies aufklären wollten. Offenbar bewegt seine Geschichte in Luzern die Menschen sehr.

  6. Dani, 07.08.2019, 19:45 Uhr

    Er ist auch bekannt als Assasin’s Creed von Luzern😊