Gesellschaft

Weil sie sich und ihre Freundin beim Sex filmte
Luzernerin wegen Kinderpornografie verurteilt

Herr und Frau Schweizer schauen während Corona vermehrt Pornos. (Symbolbild: Charles Deluvio/Unsplash)
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Ein privates Video zweier Frauen beim Liebesspiel taxiert das Kriminalgericht Luzern als Kinderpornografie – weil eine der beiden noch minderjährig war.

Zwei junge Frauen machen Filmaufnahmen, die sie beim einvernehmlichen Sex zeigen. Das Problem: Eine der beiden ist minderjährig. Nun verurteilt das Kriminalgericht Luzern die andere wegen Kinderpornografie.

In welchen Fällen sollte sich der Staat in das Privatleben seiner Bürgerinnen einmischen? Das ist eine Frage, mit der sich das Kriminalgericht Luzern kürzlich beschäftigen musste. Passiert war Folgendes: Eine 19-jährige Luzernerin hatte im August 2020 mit ihrer Freundin geschlafen – und das Liebesspiel mit ihrem Mobiltelefon gefilmt. Die beiden machten auch erotische Fotos von sich, auf dem sie oben ohne zu sehen sind.

Die Freundin war zu dem Zeitpunkt 17 Jahre alt. Die Sache wäre wohl nie ans Licht gekommen, wenn die Luzernerin nicht einen kurzen Ausschnitt des Videos an den Vater ihrer Freundin geschickt hätte. Sie tat es, um dem Mann zu beweisen, dass die sexuellen Handlungen mit seiner Tochter einvernehmlich gewesen sind. Das sagte sie jedenfalls gegenüber der Polizei.

Private Aufnahmen als Liebespaar – trotzdem ist es Kinderpornografie

Das Problem: Auch wenn die Freundin den Aufnahmen zugestimmt hatte: Bei dem Film handelt es sich rechtlich gesehen um Kinderpornografie. Daher musste sich die Luzernerin vor dem Kriminalgericht verantworten.

Die Frau lebt zwar seit ihrer Kindheit in der Schweiz, sie hat aber keinen Schweizer Pass. Im Falle einer Verurteilung droht ihr daher der Landesverweis. Dieser ist bei Fällen von Kinderpornografie eigentlich obligatorisch.

In diesem Fall berücksichtigte das Kriminalgericht, dass es sich keineswegs um einen schweren Fall handelt. Die beiden Frauen waren zum Tatzeitpunkt ein Liebespaar, weder die sexuellen Handlungen, noch die Aufnahmen wurden gegen den Willen des Opfers gemacht.

Die beiden haben sich ausgesprochen

Auch wenn die beiden heute nicht mehr zusammen sind, so haben sie die ganze Angelegenheit doch inzwischen persönlich geklärt beziehungsweise abgeschlossen. Die Ex-Freundin hat denn auch sämtliche Strafanträge zurückgezogen und ihr Desinteresse an der Strafverfolgung erklärt.

Da es sich bei Kinderpornografie aber nicht um ein Antragsdelikt handelt, wird die junge Frau dennoch verurteilt. Das Kriminalgericht Luzern bestraft sie mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à je 90 Franken. Das heisst: Sie muss diese nur bezahlen, wenn sie sich innerhalb von zwei Jahren ein ähnliches Delikt zuschulden kommen lässt. Sofort fällig wird eine Busse von 1’600 Franken, wie aus dem rechtskräftigen Urteil hervorgeht.

Auf einen Landesverweis verzichtet das Gericht, weil die Frau in der Schweiz gut integriert ist, alle Freunde und fast alle Verwandten hier leben und eine Integration im Heimatland eher schwierig sein dürfte.

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10 Kommentare
  1. Hegard, 03.01.2022, 21:59 Uhr

    Ist sie nun eine Luzernerin,oder nicht,oder kann mann Luzernerinnen ausschaffen.

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    1. Redaktion Lena Berger, 04.01.2022, 08:18 Uhr

      Ist der Text da wirklich missverständlich? Ich habe gedacht, das steht doch klar im Text. Sie ist eine Frau, die in einem anderen Land geboren wurde, aber seit ihrer Kindheit in Luzern lebt, unseren Dialekt spricht, vielleicht an die Fasnacht geht, hier zur Schule ging, arbeitet und auch Steuern zahlt. Ich habe mir erlaubt, sie als Luzernerin zu bezeichnen, weil wir keine Namen verwenden dürfen und ich es nicht ganz so prickelnd finde immer von «der Beschuldigten» zu schreiben.

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  2. Lee Man Chu, 03.01.2022, 16:31 Uhr

    Bescheuerte Richter.

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    1. Martin G., 07.01.2022, 00:06 Uhr

      Bescheuerte Gesetze!

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  3. Toni Huber, 03.01.2022, 09:57 Uhr

    Was für eine Farce. Hier ist das Gesetz definitiv nicht im Sinne des gesunden Menschenverstandes. Wenn 2 Menschen mit Altersunterschied von 2 Jahren einvernehmlich Sex haben, dann darf das niemals Sache des Staates werden,.

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    1. Hanspeter, 04.01.2022, 19:59 Uhr

      Nicht der einvernehmliche Sex wurde verurteilt, sondern die Videoaufnahmen. Es handelt sich um Produktion und Verbreitung von Kinderpornografie. Es wurden schon Jugendliche wegen Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt, weil sie ein Bild ihres eigenen Geschlechtsteils versandt haben.

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      1. Martin G., 07.01.2022, 00:12 Uhr

        Und ist das sinnvoll? Die Gesetze sollen Jugendliche schützen. Kinderpornografie ist verboten, weil die Darsteller missbraucht wurden. Was aber, wenn es gar keinen Missbrauch gab und gar kein Opfer? Was interessiert uns dann das Bild für die Strafverfolgung?

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    2. Martin G., 07.01.2022, 00:09 Uhr

      Warum haben wir denn solche Gesetze? Weil viele bei dem Thema oft den Verstand verlieren und nach schärferen Gesetzen schreien. Politiker möchten sich gerne bekannt machen und Ermittlungsbehörden ihre Quote erfüllen.

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  4. Michel von der Schwand, 03.01.2022, 06:50 Uhr

    Hoch lebe das Denunziantentum, der Geldeintreiber des Staates.

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    1. Leo, 03.01.2022, 10:11 Uhr

      Laut Bericht hat sie die Ex-Freundin angezeigt.

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