Luzernerin Stephanie Boo revolutioniert das Daten
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Stephanie Boo (30) hat ein Konzept erarbeitet, mit dem sie das analoge Kennenlernen vereinfachen will. (Bild: ida)

Single und auf der Suche? Luzernerin Stephanie Boo revolutioniert das Daten

5 min Lesezeit 6 Kommentare 04.10.2021, 16:29 Uhr

Mit dem Daten ist es bekanntlich so eine Sache. Stephanie Boo hat ein Projekt auf die Beine gestellt, mit dem sie Singles helfen will, einfacher jemanden anderen anzusprechen. Dabei helfen Buttons. Also Knöpfe, die man sich ansteckt. Die Luzernerin sagt, warum du wieder auf analoges Kennenlernen setzen solltest.

Wann hast du das letzte Mal eine Person angesprochen, die du auf der Strasse, in einer Bar oder im Bus gesehen hast und die dir gefallen hat?

Hast du dich getraut? Oder eben nicht? Warst du dir womöglich unsicher, ob das Gegenüber überhaupt Single ist, an dir Interesse hat, womöglich dieselbe sexuelle Orientierung wie du hat?

Kein Wunder, greifen viele auf Online-Dating-Apps zurück. Es ist bequemer, einfacher und die Auswahl immens. Doch auch das hat seine Tücken. Fast jeder rückt sich ins beste Licht, das Gegenüber wird idealisiert, Beziehungssuchende werden mit Sex-Anfragen konfrontiert. Und: Man weiss gar nicht, ob es funkt, weil man sich ja (noch) nicht gegenübersitzt.

Stephanie Boo will diese Hürden beim realen Ansprechen senken und zurück zum analogen Dating gehen. Dabei sollen Knöpfe helfen. Knöpfe, die Singles als solche erkennbar machen. Oder viel mehr: als beziehungssuchend.

Die Buttons signalisieren: Ansprechen? Ja bitte

Wir treffen die 30-Jährige auf einen Latte Macchiato im Helvetiagärtli. Stephanie Boo sitzt bereits an einem Tisch im «Salü». «Ich finde, im Online-Dating fehlt mir oftmals das Gespür, ob da zwischenmenschlich etwas passiert, ob es funkt.» Beim persönlichen Kennenlernen nimmt man den Menschen als Ganzes wahr – nicht idealisiert, sondern real – und mit ihm «die ganze Aura». «Schliesslich schwingt im echten Leben so viel mit, du siehst, spürst und riechst: Das alles sind Dinge, die bei der Partnersuche eine Rolle spielen.»

«Beim Online-Dating stimmte für mich der Aufwand und der Ertrag nicht.»

Stephanie Boo

Die gebürtige Obwalderin, die seit fast zehn Jahren in Luzern lebt, war selbst lange Single und hat Tinder, Bumble & Co. genutzt. Zwar hatte sie viele gute Begegnungen mit Menschen, die sie dadurch kennenlernte. «Aber für mich stimmte der Aufwand und der Ertrag nicht: Ich habe viel Zeit ins Swipen und Schreiben investiert und hatte im Vergleich dazu nur wenig echten Kontakt. Oder ich habe eine Person idealisiert, sodass die Enttäuschung oft gross war, wenn man sich endlich getroffen hat.»

Befragte werden gerne als Singles auf der Strasse erkannt

Vom analogen Kennenlernen ist Boo folglich mehr überzeugt. Im Rahmen der Konzeptentwicklung ihres Dating-Projekts «chn.opf» hat sie eine Befragung durchgeführt, an der 100 Personen teilgenommen haben. Auch wenn die Befragung nicht repräsentativ ist, zeigt sie doch Herausforderungen, die Singles davon abhalten, jemanden anzusprechen: Unsicherheiten bezüglich des Interesses, des Beziehungsstatus oder der sexuellen Orientierung sowie der allgemeinen Angst vor Zurückweisung. Was helfen würde? Ein äusseres Zeichen, das signalisiert: Man ist bereit, jemanden kennenzulernen.

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Und die Befragten gaben an, es sei ihnen wichtiger, auf der Strasse als Single erkannt zu werden, als selbst andere als Single zu erkennen. «Vermutlich, weil viele lieber angesprochen werden, als selber jemanden anzusprechen», schlussfolgert Stephanie Boo.

Als Single auf der Strasse permanent erkannt werden? Klingt für uns überraschend. Zudem kommt es zum permanenten Outing, wer was sucht. «Darüber habe ich auch lange nachgedacht», sagt Boo. Aber man kann den Button ja tragen beziehungsweise abziehen, wenn man will. Oder ihn ein wenig versteckt tragen, oder nur einen Button zur Beziehungsform anstecken und den zur sexuellen Orientierung ablegen.

Egal ob monogam, polyamor …

Stephanie Boo greift in ihre Tasche, kramt eine Holzbox hervor, die sie auf den Tisch legt. Darin sind die Buttons, die sie kreiert hat. Sieben Knöpfe sind es. Die vier weissen zeigen die Beziehungsform, wie sie uns erklärt: monogam, polyamor (das heisst, man kann zu mehreren Menschen gleichzeitig romantische Gefühle und Beziehungen aufbauen), offene Beziehung oder andere. Die farbigen Knöpfe weisen auf die sexuelle Orientierung hin. Der blaue für homosexuelle, der gelbe für heterosexuelle Beziehungen. Der grüne Button steht für «ohne Vorliebe des Geschlechts». Ein Button kostet 3 Franken, zwei Knöpfe bekommt man für 4 Franken. Bestellt werden können sie direkt über Boo.

Das Kennenlernen wird einfacher, die Magie muss von alleine passieren

Stephanie Boo studiert soziokulturelle Animation an der Hochschule Luzern und ist in der Jugendarbeit tätig. Bei ihrem Dating-Konzept handelt es sich um ein Herzensprojekt, das sie in ihrer Freizeit realisiert. 100 Stunden hat sie bereits darin investiert, bis im Sommer rechnet sie mit 200 weiteren Stunden. Denn sie ist überzeugt: Ob der Funke zwischen zwei Menschen überspringt, ist wichtiger als jeder Algorithmus, der den perfekt passenden Partner aussucht.

«Ich finde es nur schon mega schön, wenn sich Menschen wieder mehr begegnen und ins Gespräch kommen.»

Stephanie Boo

Und: «Die Knöpfe verbinden. Sie können Türöffner sein, um ein Gegenüber, das auch solche Knöpfe trägt, darauf anzusprechen.» Die Buttons sollen Beziehungssuchenden die ersten Hürden nehmen. Wenn natürlich auch klar ist: «Ich kann nicht zaubern. Ob das Gegenüber, das man anspricht, einen interessant findet, kann ich natürlich nicht beeinflussen. Aber das muss auch so sein, eine gewisse Spannung sollte es ja geben.»

Mit Veranstalterinnen zusammenspannen

Stephanie Boos Projekt wirkt vor allem erst dann, wenn möglichst viele die Buttons tragen. Deswegen will sie mit Veranstaltern zusammenspannen, wie etwa Club-Betreiberinnen, welche sich Kisten mit 80 Knöpfen kaufen können und diese an Gäste weiterverkaufen oder verschenken können. Angedacht ist auch, dass Boo «Knopf-Parties» organisiert. Derzeit ist sie noch recht Luzern-orientiert, gerne möchte sie ihre Knöpfe aber auch in andere Kantone bringen.

Der Kaffee ist leergetrunken, Boo setzt sich wieder an ihren Laptop. E-Mails schreiben. Anfragen für Veranstalterinnen und Sponsoren, die sie von ihrem Projekt überzeugen möchte.

Bleibt die Frage, warum sich Boo überhaupt als Verkupplerin versuchen will. «Liebe ist etwas vom Schönsten. Liebe fasziniert und betrifft alle.» Gerade letztens habe sie ihrer besten Freundin gesagt: Sie würde heulen, wenn sich jemand wegen dieser Knöpfe kennenlernt.

Boo will Menschen zusammenbringen. Das Verlieben wäre das oberste Ziel. «Aber ich finde es nur schon mega schön, wenn sich Menschen wieder mehr begegnen und ins Gespräch kommen.»

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6 Kommentare
  1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 05.10.2021, 11:11 Uhr

    Das ist eine vorzügliche Strategie.
    Ich meine gehört zu haben, dass diese auf der Kölner Domplatte um den Jahreswechsel 2015/2016 bereits erstmals angewendet wurde.

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  2. Peter Bitterli, 05.10.2021, 09:38 Uhr

    Früher traf man sich je nach sexueller Orientierung gerne beim Coiffeur. Für den Preis eines Knopfsets konnte man sich sogar die Haare schneiden lassen. So einfach war das, bevor die Woken den Altspiessern die Moralinsäure abkauften.

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  3. Max Muster, 04.10.2021, 20:10 Uhr

    Vermutlich muss man noch einen Sprachkurs belegen, um die Symbole lesen zu können.

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  4. Peter Bitterli, 04.10.2021, 18:55 Uhr

    Trägt das Madl beim Oktoberfest die Binde der Schürze rechts geknüpft, so bedeutet das „verheiratet“ (Ech ha em Fall e Frönd!). Trägt sie links, so ist sie zu haben. Mittig bedeutet „Jungfrau“. Kommt das Madl am nächsten Tag wieder, so bedeutet das „polyamor“ oder „offen“. Sonst hat das Mannsbild Pech gehabt. Die Geschlechtervorlieben werden durch mehr oder weniger deftige Repliken, zur Not auch mittels Watschn geklärt. Es dauerte 300 Jahre, um den Code zu erarbeiten. Es gibt keine credit points und akademischen Titel. Dafür ist es gratis.

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  5. mvonrotz, 04.10.2021, 17:32 Uhr

    Sorry, bin normalerweise nicht so ein «Tüpflischiiser», aber das Wort «Daten» gibt es so nicht – wenn ihr schon das englische Dating oder «to date» benutzen müsst, dann macht es Richtig!
    https://www.duden.de/rechtschreibung/Dating

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    1. Lo Steiner, 05.10.2021, 06:42 Uhr

      Sorry, bin normalerweise nicht so ein «Tüpflischiiser», aber das Wort «Richtig» gibt es so nicht – wenn Sie schon ein Adjektiv benutzen, dann schreiben Sie es klein.

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