Luzernerin richtet Yoga nach dem weiblichen Zyklus aus
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Von der rationalen zur intuitiven Kämpferin: die Luzernerin Sina Bickel. (Bild: Isabel Sacher)

Sina Bickel bietet «Female Yoga» an Luzernerin richtet Yoga nach dem weiblichen Zyklus aus

6 min Lesezeit 2 Kommentare 25.07.2020, 19:00 Uhr

Wir sollten mehr auf unsere Intuition hören. Das findet zumindest Sina Bickel. Dabei helfen soll spezielles Yoga, das sich nach dem weiblichen Zyklus richtet. Als eine der Ersten bietet die Luzernerin «Female Yoga» an.

«I believe in intuitions and inspirations … I sometimes feel that I am right. I do not know that I am.»

Dieses Zitat stammt von Albert Einstein. Bereits der geniale Wissenschaftler, Physiker und Genie vertraute seinem Bauchgefühl. Er kritisierte, dass der intuitive Geist ein «heiliges Geschenk» sei, das die Gesellschaft vergessen hat und ausser Acht lässt.

Viele glauben, alles rational und logisch erklären zu müssen. So dachte auch die Luzernerin Sina Bickel früher. «Ich wurde damit gross, dass ich als Frau alles erreichen kann, wenn ich es mir erkämpfe und mich in diesem bestehenden System behaupte – indem ich rational und logisch denke.»

Die Erste, die Yoga anbietet, das sich nach dem weiblichen Zyklus richtet

Dass die 32-Jährige einst Jura studierte und von einer Karriere als Staatsanwältin träumte, das würden wir auf den ersten Blick nicht vermuten.

Bei einem Treffen zu Kaffee und Limo im «Mill’Feuille» am Luzerner Mühlenplatz erscheint Sina Bickel gelb gekleidet. Um ihren Hals trägt sie luftigen Schmuck aus Federn und Steinen. Vor eineinhalb Jahren hat sich Bickel als Fotografin und Yoga-Lehrerin selbständig gemacht. Als Erste in Luzern – wenn nicht gar schweizweit – bietet sie seit diesem Frühling Female-Yoga an.

Der Knoten in der Brust weckte sie auf: War’s das?

Yoga hat Bickel geholfen, mehr auf ihre Intuition zu hören – und darauf zu vertrauen.

Die heute 32-Jährige entdeckte vor rund sieben Jahren während ihres Master-Studiums einen Knoten in ihrer Brust. Krebs? Als sie auf die Testergebnisse wartete, fragte sie sich: «War’s das jetzt schon? Und was ist mit aus meinen Lebensträumen geworden?»

Schritt für Schritt krempelte sie ihr Leben um, suchte sich ein Praktikum in einer Strafrechtskanzlei in Südafrika, reiste nach Kapstadt. «Ich begegnete vielen Menschen, die ihr Leben ganz intuitiv gelebt haben», erzählt Bickel. «Menschen, die nicht rational begründeten, weshalb sie etwas tun.» Sondern die das machen, was sie wollen und was ihnen guttut. «Für mich war das eine völlig neue Welt.»

«Die Intuition meldete sich immer mehr bei mir. Sie wurde immer lauter.»

Aus der Bahn geworfen hat sie das ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Sie war fasziniert und entdeckte ihre zwei grossen Passionen: Es war in Kapstadt, wo Sina Bickel ihre Leidenschaft für die Fotografie vertiefen konnte. Und es war in Kapstadt, wo Sina Bickel begann, regelmässig auf der Matte Yoga zu praktizieren.

Weniger rational, mehr intuitiv

Zurück in der Schweiz hatte sie Mühe, sich im System wieder zurechtzufinden. «Meine Vorstellung des perfekten Lebens als Staatsanwältin begann immer mehr zu bröckeln.» Sie realisierte, dass sie dem Intuitiven in ihrem Leben mehr Raum geben wollte. «Die Intuition meldete sich immer mehr bei mir. Sie wurde immer lauter. Ich merkte, dass die Juristerei eigentlich gar nicht so meins ist.»

Es war für sie «nicht mehr stimmig». Rational erklären konnte sie das nicht. Kann sie auch heute nicht. Doch das muss sie auch nicht – weil es ihr Bauchgefühl, ihre Intuition ist – und sich die Rechtswissenschaft für sie damals einfach nicht mehr richtig anfühlte.

Nach dem Masterabschluss suchte sie sich eine Teilzeitstelle als Juristin, machte sich nebenbei als Fotografin teilselbständig. Schritt für Schritt – bis sie vor eineinhalb Jahren die Juristerei vollständig an den Nagel hängte und sich in Indien zur Yogalehrerin ausbilden liess. Nicht jeder in ihrem Umfeld konnte dies nachvollziehen. Doch Bickel tat, was für sie stimmte.

Hier findest du mehr Infos

Mehr über Sina Bickel liest du hier. Hier findest du zudem mehr Infos übers Female Yoga und das Zyklustracking.

Female Yoga soll helfen, auf seine Intuition zu hören

Sina Bickel bildete sich weiter und stiess aufs Female Yoga. Das ist eine Art Yoga, das sich nach dem weiblichen Zyklus richtet. Bei den meisten Frauen dauert der Zyklus 28 Tage. Je nachdem, in welcher Phase sie sich gerade befinden, fühlen sie sich energiegeladen oder schlapp. Ausgeglichen oder etwas neben der Spur. Je nachdem, wie sich der Hormonspiegel zyklusbedingt verändert.

Ziel dieses femininen Yoga ist es, zu den Zyklusphasen passende Asanas – also bestimmte Yoga-Körperstellungen – zu praktizieren. Sie sollen die jeweilige Gefühlslage unterstützen und die Hormone wieder in Balance bringen. Gar Menstruationsschmerzen und PMS-Beschwerden sollen dadurch gelindert werden.

Ursprünglich verlief der weibliche Zyklus im Einklang mit dem Rhythmus des Mondes. Dieser folgt einem 29-Tage-Zyklus – ist also fast gleich lang wie derjenige der Frau.

Überlieferungen zufolge sollen Frauen – als sie noch nicht von künstlichem Licht beeinflusst wurden – jeweils bei Neumond menstruiert haben und bei Vollmond am fruchtbarsten gewesen sein. Befänden wir uns nicht in modernen Zeiten, wo frau irgendwann menstruiert, sollte sich der weibliche Zyklus demjenigen des Mondes wieder anpassen, so die These.

Ihre Female Yoga Stunden richtet Bickel denn an der jeweiligen Mondphase aus. Da jede Frau aber einen individuellen Zyklus hat und sich an einem anderen Punkt befindet, unterstützt sie die einzelnen Teilnehmerinnen mit persönlich abgestimmten, alternativen Asanas.

So spielt der Mond beim Zyklus mit

«Nach dem Neumond befinden wir uns bei zunehmendem Mond in der aufblühenden Phase», erklärt Sina Bickel. Langsam kommt die Energie zurück, wir sind optimistisch. Während dieser Phase werden Yoga-Übungen praktiziert, die unser Selbstbewusstsein stärken. Solche, die die Energien fliessen lassen.

«Viele Frauen wissen viel zu wenig über ihren eigenen Zyklus.»

In der Lutealphase – in der Phase des abnehmenden Mondes – hingegen gelangen Frauen in die Phase des Loslassens. PMS-Beschwerden können auftauchen, sie können launisch sein. Der Neumond ist das Ende, an dem wir alles loslassen – die Mens beginnt. Hier kommen Yoga-Stellungen zum Einsatz, die Stimmungsschwankungen ausgleichen und Entspannung bringen.

40 Jahre von der Mens geprägt

«Viele Frauen wissen viel zu wenig über ihren eigenen Zyklus», findet Sina Bickel. «Dabei werden wir Frauen rund 40 Jahre Monat für Monat davon geprägt. Und das nicht nur an den wenigen Tagen, an denen wir unsere Menstruation haben.» 

Dass in Tampon-Werbungen blau und nicht rot gefärbtes Wasser zum Einsatz kommt, findet Bickel unangemessen, da es so weit von der Realität entfernt sei. «Es ist schade, dass in der heutigen Zeit noch immer viele Frauen den Tampon wie eine illegale Substanz unter dem Pullover versteckt zum WC schmuggeln.» Weil die Menstruation nichts sein sollte, wofür Frauen sich schämen müssten.

Für sie ist die Periode nicht per se eine Belastung. «Ich versuche, meine Menstruation als eine kleine, monatliche Auszeit vom Alltag anzusehen.»

Weshalb es gut sein soll, Tagebuch über den Zyklus zu führen

Vor einiger Zeit begann Sina Bickel, über ihren Zyklus Tagebuch zu führen. Wann sie sich an welchem Zyklustag wie fühlt, wie es um ihre Gefühle und ihre Energie steht. Aber auch, wann die nächste Menstruation voraussichtlich einsetzen wird. «Es geht beim Zyklustracking nicht darum, den Zyklus zu kontrollieren und regulieren. Sondern darum, sich für seinen eigenen, persönlichen Rhythmus zu sensibilisieren.»

«Intuition ist etwas, wofür uns die Worte fehlen. Aber die brauchen wir auch nicht.»

Wer seinen Zyklus trackt, könne Muster erkennen. An welchen Zyklustagen man sich beispielsweise ausgelaugt fühlt – und man mehr Zeit für sich einplanen sollte. Oder an welchen Zyklustagen man voller Energie ist, einer Party oder der Lohnverhandlung mit der Chefin nichts im Wege steht.

«Meine Vision ist es, dass wir Frauen uns viel mehr auf unsere weibliche Intuition berufen können. Ohne dass der Druck auf uns lastet, wieder rational argumentieren zu müssen», sagt Sina Bickel. «Intuition ist etwas, wofür uns die Worte fehlen. Aber die brauchen wir auch nicht, um zu wissen, was für uns stimmig ist und was nicht.»

In einem zweiten Teil wagt zentralplus den Female-Yoga-Selbstversuch. Mehr dazu liest du nächste Woche.

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2 Kommentare
  1. R.M., 29.07.2020, 06:54 Uhr

    Danke für den Beitrag. Sehr spannend, auch der Selbstversuch. Das female Yoga von Sina Bickel scheint mir sehr ähnlich dem Luna / Moon Yoga. Deshalb fände ich es wichtig dies auch zu brennen. In Luzern und schweizweit sowieso, gibts es einige, die dies anbieten. Dies fände ich für die Vollständigkeit wichtig.

    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 29.07.2020, 08:09 Uhr

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.