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Luzerner Zeitung stellt Plattform «beiUns» ein – und keiner hats gemerkt
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Das Portal «beiUns» ist Geschichte. Wer darauf klickt, wird direkt zur «Luzerner Zeitung» umgeleitet. (Bild: Screenshot)

Autor ärgert sich über Nicht-Kommunikation Luzerner Zeitung stellt Plattform «beiUns» ein – und keiner hats gemerkt

3 min Lesezeit 05.07.2019, 12:04 Uhr

Die Onlineplattform «beiUns» vegetierte schon lange dahin. Nun hat ihr die «Luzerner Zeitung» endgültig den Stecker gezogen. Das überrascht zwar grundsätzlich nicht, dennoch ärgert sich ein ehemaliger Autor.

Auf Facebook lässt Beat Murer Dampf ab. Als «dreistes Vorgehen» beschreibt er das Verhalten der «Luzerner Zeitung». Per 1. Juli hat diese das Onlineportal «beiUns» eingestellt. Der Link führt inzwischen direkt auf die LZ-Seite, wo eine kurze Erklärung abgeben wird.

Auf wenigen Zeilen heisst es, dass man die Inhalte wie Fotostrecken, Veranstaltungsanzeigen oder Leserbriefe künftig gerne auf der LZ-Seite selbst veröffentlichen könne.

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«Für mich ist es eine Stilfrage, dass man zumindest die Autoren vorab informiert.»

Beat Murer

 «beiUns» war ein Mitmach-Medium, auf welchem sogenannte «Regioporter» für die Inhalte zuständig waren. Beat Murer zählte dazu. Er ist über das abrupte Ende überrascht: «Damit hätte ich nicht gerechnet.» Als langjähriger Autor, der seine Inhalte immer gratis zur Verfügung stellte, stört er sich. «Ich fühle mich vor den Kopf gestossen. Für mich ist es eine Stilfrage, dass man zumindest die Autoren vorab informiert», sagt er zu zentralplus. Die Kritik richtet sich an die Adresse der «Luzerner Zeitung». Murer: «Das macht einen schlechten Eindruck.» Auf Facebook erhält er grossen Zuspruch.

Beat Murer treibt noch eine andere Sorge um: «Weil ich keine Vorinformation erhielt, hatte ich keine Gelegenheit meine Texte dementsprechend abzusichern.» Er habe «beiUns» oft auch als eigenes Nachschlagewerk benutzt und möchte gerne wissen, was nun mit den Texten und Fotos passiert.

Gründer überrascht das Ende nicht

Bruno Affentranger hatte das Portal 2012 ins Leben gerufen. Doch richtig zu fliegen begann das Projekt nie. Im November 2016 berichtete zentralplus über den schleichenden Tod des Mediums. Doch nur einen Monat später kaufte die Luzerner Zeitung «beiUns» überraschend. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Affentranger gibt mittlerweile das Magazin «Stadtsicht» heraus.

«Ich war immer mit Herzblut dabei.»

Bruno Affentranger

Die Einstellung überrascht den langjährigen Wirtschaftsjournalisten nicht wirklich: «Die Seite wurde schon länger nicht mehr gepflegt.» Auch als Gründervater wurde er nicht informiert, dass sein ehemaliges Produkt eingestellt wird. «Ich hätte es eine schöne Geste gefunden», sagt er, auch wenn er mit dem Verkauf alle Rechte abgetreten habe. Ein bisschen Wehmut schwingt trotzdem mit. «Ich war immer mit Herzblut dabei», sagt Affentranger. «Das Portal beinhaltete gelebte Alltagsgeschichten», sagt er. Beim Verkauf habe er sich schon erhofft, dass mit dem neuen Partner nun das Wachstum eintritt. «Anfänglich wurde mit vielen Inseraten dafür geworben», erinnert er sich.

Archiv bleibt auf Anfrage zugänglich

Beim Medienunternehmen CH Media, zu welchem die «LZ» gehört, heisst es auf Anfrage, dass die Plattform für Citizen Journalism angedacht war. Die Bürger selbst sollten also die Inputs liefern. Der stellvertretende CEO Jürg Weber sagt: «Das Bedürfnis danach blieb bescheiden.» Man habe sich deshalb entschieden, die Idee des Leser-Reporting in die LZ-Seite zu integrieren.

Weber versichert: «Wir haben die User und Autoren auf dem Portal BeiUns informiert.» Was könnte das Ende einer Plattform wohl besser begründen, als dass nicht einmal jemand die Ankündigung der Einstellung wahrnahm?

Hilfsbereit zeigt sich Weber, was den Zugriff auf die archivierten Texte betrifft. Man könne sich bei der zuständigen Person melden. «Sollte tatsächlich ein entsprechendes Bedürfnis bestehen, schalte ich die Personen gerne kurz.»

Die Frage nach einem möglichen Image-Verlust, lässt CH Media unbeantwortet. Dabei ist das «beiUns»-Aus bekanntlich nur ein Puzzleteil im Umbruch, den das Medienhaus durchmacht. Bekanntlich erschien die «Zentralschweiz am Sonntag» nur einen Tag zuvor zum letzten Mal.

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