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«Luzerner Zeitung» schliesst Telefonverkauf – 13 Frauen verlieren Job
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Dies war sein Reich: die Redaktion der «Neuen Luzerner Zeitung». (Bild: Emanuel Ammon/AURA) (Bild: Emanuel Ammon/AURA )

Gewerkschaften verärgert über Vorgehen «Luzerner Zeitung» schliesst Telefonverkauf – 13 Frauen verlieren Job

4 min Lesezeit 15.05.2017, 14:38 Uhr

13 Mitarbeitende des Telefonverkaufs der «Luzerner Zeitung» verlieren ihre Stelle. Grund ist eine Zentralisierung in Zürich. Da es sich bei den betroffenen Angestellten fast ausschliesslich um über 50-jährige Teilzeitangestellte handelt, sind deren Chancen auf auf einen gleichwertigen Job gering. Für das Vorgehen gibt es harsche Kritik seitens der Gewerkschaften.

Bei der «Luzerner Zeitung» kommt es zu Entlassungen: 13 Mitarbeitenden im Telemarketing wurde per Ende Juni gekündigt. Dabei handelt es sich grösstenteils um Mitarbeiterinnen, meist über 50 Jahre alt und im Teilzeitpensum angestellt.

Der Grund der Entlassungen liegt bei der neuen Vermarktungsstrategie der NZZ-Gruppe. Das Telefonmarketing verliert im Werbemarkt an Bedeutung, viel wichtiger werden digitale Kanäle wie Social Media und Onlinemarketing. Um dies besser koordinieren zu können, will man das ganze Geschäftsfeld zentralisieren. Für die Angestellten in Luzern heisst dies aber: Kündigung. Auf Anfrage von zentralplus lässt die NZZ-Medien-Gruppe, zu welcher die «LZ» gehört, verlauten, dass gewisse Betroffene intern eine Stelle gefunden hätten – aber nicht alle.

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Trotz Unterstützung: keine Lösung für alle

Unter den Entlassenen gibt es Personen, die noch ein paar Jahre bis zur Pension haben – aber auf dem Arbeitsmarkt wird es für sie schwierig, eine ähnliche Stelle zu finden. Das zeigt sich dadurch, dass die NZZ-Gruppe mit allen Mitarbeiterinnen Gespräche führt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Lösungen gesucht hat: Das Medienhaus bietet den Entlassenen verlängerte Kündigungsfristen, Abgangsentschädigungen und professionelle Unterstützung bei der Neuorientierung. Dennoch konnte nicht allen eine Stelle vermittelt werden.

«Es ist schon sehr schade», sagt eine Betroffene, die mehrere Jahre bei der «LZ» angestellt war. «Wir haben unseren Job nämlich gut gemacht.» Doch es sei der Zeitgeist, das Marketing verschiebe sich ins Internet: «Wir merken selber, dass wir immer weniger Leute erreichen.»

Gewerkschaft kritisiert Vorgehen

Trotzdem gibt es Kritik. Stephanie Vonarburg, Zentralsekretärin der Mediengewerkschaft Syndicom, sagt: «In den Medienunternehmen ist das Zentralisieren oder gar Outsourcen von Diensten wie dem Telemarketing gang und gäbe.» So habe kürzlich die «Basler Zeitung» zusammen mit «Somedia» das technische Redaktionspersonal zusammengelegt – künftig wird die Arbeit von Chur aus gemacht. Die Mitarbeitenden in Basel verloren ihre Stelle.

Dabei werde zunehmend älteres durch jüngeres Personal – durch «Digital Natives» – ersetzt, so Vonarburg. «Grund dafür ist oft die fehlende Bereitschaft, das Personal genügend weiterzubilden.» So hätte man bereits vor Jahren anfangen müssen, die Mitarbeiterinnen für die neuen, digitalen Herausforderungen zu schulen. Dass mit den Entlassungen eine lange Kündigungsfrist und Entschädigungen einhergehen, sei deshalb auch nicht genug – die Aufgaben hätten auch mit dem aktuellen Personal bestritten werden können, hätte man früh genug geplant, ist Vonarburg überzeugt.

«Spesenentschädigungen für den Arbeitsweg sind nicht Usus.»

Myriam Käser, Mediensprecherin NZZ-Medien-Gruppe

Dabei sei es – gerade im Marketing – wichtig, dass die Mitarbeiterinnen in der Region verankert seien. Vonarburg: «Sie wissen, was die Leute vor Ort bewegt, und wissen, wovon sie reden. Wird das Marketing für Luzern von Zürich aus betrieben, fallen Qualitäten weg, die von Kunden geschätzt werden.» Dies könnten Kleinigkeiten sein, beispielsweise der lokale Dialekt.

NZZ bietet neue Stelle an – aber keine Spesen

Den entlassenen Mitarbeiterinnen wurde ein neuer Job beim Medienhaus in Zürich oder an einem anderen Standort in der Schweiz angeboten. Doch für viele kommt das nicht in Frage, da der Reiseweg für ein Teilzeitpensum zu lange ist – und nicht bezahlt wird. Für das Ticket nach Zürich würden täglich rund 25 Franken anfallen – oder monatlich 350 Franken für das Generalabonnement der SBB.

Die NZZ bestätigt: Das Zugticket müssen Luzernerinnen selber bezahlen, wenn sie eine neue Stelle ausserhalb der Region annehmen. «Spesenentschädigungen für den Arbeitsweg sind nicht Usus», so Mediensprecherin Myriam Käser. Man bedauere bei der NZZ, dass man sich im Zusammenhang mit der Umstrukturierung von Mitarbeitenden trennen müsse.

Gewerkschafterin Vonarburg widerspricht: «Es gibt sehr wohl Unternehmen – auch im Medienbusiness –, welche während einer Übergangszeit die Fahrtkosten zumindest teilweise übernehmen. So haben die Arbeitnehmenden ein oder zwei Jahre Zeit, um sich neu zu orientieren oder sogar umzuziehen.» Aber dafür müsse man sich wehren, so Vonarburg: «Von sich aus bieten Unternehmen selten solche Sozialpläne.»

Will die NZZ Kosten sparen?

Obwohl 13 Mitarbeitende eine Kündigung im Briefkasten hatten, stellt Käser klar: «Dabei handelt es sich nicht um ein Sparprogramm.» Es sei ein strategischer Entscheid zum Aufbau einer gemeinsamen Vermarktungsorganisation. Diese soll effizienter arbeiten als die lokalen Stellen vor Ort.

«Wir merken das selber, dass wir immer weniger Leute erreichen.»

Mitarbeiterin Telemarketing

Stephanie Vonarburg hingegen sagt: «Auf lange Sicht sind solche Zentralisierungen meistens auch Sparmassnahmen. Behauptet die NZZ das Gegenteil, so ist zumindest Skepsis angebracht.»

Denn es sei wichtig festzuhalten: «Der finanzielle Druck bei den grossen Medienunternehmen ist längst nicht so hoch, wie immer propagiert wird.» Sie sieht die Medienhäuser in der Verantwortung, frühzeitig die Personalplanung voranzutreiben und langjährige Mitarbeitende zu behalten. Aber sie weiss auch: «Momentan ist in der Medienbranche kein Job sicher.» 

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