Luzerner wollte Polizist werden – jetzt droht ihm das Gefängnis
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Ein Töffahrer raste im April 2020 durch die Tempo-30-Zone am Inseliquai. (Bild: ber)

Über den Inseliquai gerast Luzerner wollte Polizist werden – jetzt droht ihm das Gefängnis

3 min Lesezeit 2 Kommentare 06.04.2021, 18:44 Uhr

Ein 19-Jähriger ist mit mindestens 70 Kilometern pro Stunde durch die Tempo-30-Zone am Inseliquai gerast. Das Kriminalgericht Luzern verurteilt ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Mit so einer Vorstrafe kann er sich seinen Traumberuf aus dem Kopf schlagen.

Während des ersten Lockdowns waren die Strassen frei und die Versuchung, zügiger zu fahren, gross. Am 17. April letzten Jahres machte ein junger Luzerner deshalb einen folgenschweren Fehler. Der Lernfahrer brauste mit seinem Töff über den Inseliquai – und zwar mit mindestens 40 km/h mehr, als erlaubt gewesen wäre.

Wer dermassen schnell unterwegs ist, geht das hohe Risiko ein, andere Menschen schwer zu verletzen oder zu töten. Deshalb gelten solche Fahrer vor dem Schweizer Gesetz als Raser. Und das heisst: Es droht ein Jahr Gefängnis. Mindestens.

Gefährliches Überholmanöver

Eine mildere Strafe zu beantragen, kommt für die Staatsanwaltschaft Luzern nicht in Frage. Die kritische Grenze von 40 km/h zu hoher Geschwindigkeit wurde überschritten – wenn auch ganz knapp. Erschwerend kommt hinzu: Zum Exzess kam es, weil der junge Mann einen anderen unsicher fahrenden Töfffahrer überholen wollte. Das ist gefährlich.

«Er bagatellisierte nicht und zeigte sich einsichtig.»

Aus der Anklageschrift

Zwar sei die Strasse frei und grundsätzlich übersichtlich gewesen, räumt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift ein. Aber: «Der Beschuldigte hätte wegen der stark überhöhten Geschwindigkeit nicht adäquat reagieren können, wenn sich etwas auf der Fahrbahn befunden hätte, jemand die Fahrbahn betreten hätte oder sonst ein überraschendes Problem aufgetreten wäre.»

Verteidigung und Staatsanwaltschaft schliessen einen Deal

Über die Mindeststrafe von einem Jahr hinaus will die Staatsanwaltschaft aber nicht gehen. Dies, weil der junge Mann geständig war und gar nicht erst versucht hat, sich herauszureden. «Er bagatellisierte nicht und zeigte sich einsichtig. Er scheint den Vorfall ehrlich zu bereuen», heisst es dazu.

«Solche Leute sind bei uns am falschen Ort.»

Franz Baumeler, Rekrutierungsverantwortlicher der Luzerner Polizei

Die Anklageschrift ist gleichzeitig der Urteilsvorschlag. Denn die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung haben sich in einem abgekürzten Verfahren darauf geeinigt, dass eine bedingte Gefängnisstrafe von zwölf Monaten in diesem Fall angemessen ist.

Das Kriminalgericht stimmt dem zu, wie im rechtskräftigen Urteil zu lesen ist. Es sei davon auszugehen, dass der junge Mann «seine Lehren gezogen und aus seinen Fehlern gelernt» habe. Da er keine Vorstrafen hat, muss der 19-Jährige nicht ins Gefängnis – vorausgesetzt, er lässt sich in den nächsten zwei Jahren keine weiteren Raserdelikte zuschulden kommen.

Der Traum ist geplatzt

Für den Schweizer ist der Entscheid dennoch sehr einschneidend. Wie aus den Akten hervorgeht, war es sein grosser Traum, auf die Polizeischule zu gehen. Mit der jetzigen Vorstrafe dürfte dies vom Tisch sein.

Denn um Polizist zu werden, braucht es einen «einwandfreien Leumund». Ordnungsbussen wegen Falschparkierens sind kein Problem. Und auch, wenn jemand beim Konsumieren von Drogen erwischt wurde, entscheidet die Polizei im Einzelfall, ob eine Bewerbung weiter eine Chance hat.

Wenn ein Polizeianwärter aber den Fahrausweis für mehr als drei Monate abgeben muss und nach Gesetz als Raser gilt, kennt die Luzerner Polizei kein Pardon. «Solche Leute sind bei uns am falschen Ort», sagte Franz Baumeler, Rekrutierungsverantwortlicher der Luzerner Polizei, 2016 gegenüber der «Luzerner Zeitung».

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2 Kommentare
  1. Andreas Peter, 06.04.2021, 19:05 Uhr

    Das Strafmass für sogenannte «Raserdelikte» steht in keinem Verhältnis zu anderen Vergehen.
    Diese Strafe ist rein ideologisch.
    Man sollten diesen Quatsch wieder abschaffen.
    Und das sage ich, obwohl ich mich selber an das die Vorschriften halte.

    1. Björn, 07.04.2021, 18:07 Uhr

      Genau so ist es!
      Das Strafmass ist im keinem Verhältnis zu anderen Delikten. Es gibt kein Pardon, als Ersttäter und auch wenn man 40 Jahre Unfallfrei unterwegs gewesen ist.
      Blödsinn pur

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