Luzerner Wirt: «Wir mussten uns akribisch mit den Schutzkonzepten befassen»
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Bei der «Rathaus Brauerei» wurde das Einhalten der Corona-Massnahmen diskutiert. (Bild: z.V.g)

Studie zeigt Gästezufriedenheit während Corona Luzerner Wirt: «Wir mussten uns akribisch mit den Schutzkonzepten befassen»

5 min Lesezeit 30.04.2021, 17:44 Uhr

Den Luzerner Wirten wird während der Corona-Pandemie genau auf die Finger geschaut. Das zeigt eine Studie eines Luzerner Unternehmens. Dies führt dazu, dass die Beizer sich peinlich genau mit den Schutzmassnahmen auseinandersetzen. Damit die Gäste zufrieden waren, brauchte es aber auch Kreativität.

Das Luzerner Unternehmen «Re:spondelligent» analysierte in einer Studie rund 800’000 Online-Bewertungen von Schweizer Restaurants. Sie zeigt auf, dass im Jahr 2020 vermehrt über die Infrastruktur diskutiert wurde. Im Gegensatz zu vor Corona, wo der Fokus, ganz im Sinn der Sache, auf dem Essen und dem Ambiente lag. Interessant ist: Nach der Wiederöffnung nach dem ersten Corona-Lockdown enthielten fast zehn Prozent der Gästefeedbacks Inputs zu den Corona-Massnahmen.

Die Gäste erwähnen vor allem, falls positiv wahrgenommen, das Einhalten der Schutzmassnahmen. Kritischer betrachtet wurden dann konkrete Themen, wie der Abstand, das Desinfektionsmittel oder die Masken in Restaurants.

zentralplus hat bei verschiedenen Restaurants nachgefragt, welche die Terrassen zurzeit geöffnet haben. Es handelt sich um jene mit den meisten Bewertungen. Antworten kamen vom Restaurant Rathaus Brauerei (1’245 Tripadvisor-Rezensionen), dem Zunfthausrestaurant Pfistern (1’064) und dem Restaurant Ammos an der Pfistergasse (541 Google-Rezensionen).

Corona-Thema: Bewertung der Gäste

Restaurants bespielten trotz Schliessung die sozialen Medien

Wenig überraschend war es für die Restaurants notwendig, auch während der Corona-Pandemie «sichtbar» zu bleiben. So halten alle drei Restaurants fest, dass sie ihre Social-Media-Kanäle auch während der Corona-Pandemie unterhielten. Darunter primär Instagram, Facebook und die eigenen Websites der Restaurants.

Es gibt nur kleine Abweichungen unter den Restaurants. So erklärt beispielsweise das «Zunfthaus Pfistern», dass es Neuigkeiten für die Gäste zusätzlich über die Hauszeitung «à la minute» mitgeteilt habe. Zusätzlich ist es für das Restaurant wichtig, Anfragen, Unklarheiten und Reklamationen sofort über E-Mail zu beantworten.

Das «Ammos» hingegen informiert seine Gäste über die eigene Hausapp und mit Informationen an der Türe. Die «Rathaus Brauerei» war zudem auf Twitter unterwegs. Der Geschäftsführer der «Rathaus Brauerei», Alois Keiser, erzählt zudem, dass er die Diskussionen auf den sozialen Medien mitverfolgte. Die Kunden beschäftigte vor allem, ob das Restaurant die Schutzmassnahmen einhält oder eben nicht.

Kunden schauen den Wirten genau auf die Hände

Die Bewertungen der Infrastruktur bei den Restaurants haben natürlich auch die Geschäftsführer bemerkt. Jedoch gab es nebst den mehrheitlich positiven Feedbacks auch weniger schöne Momente. So beklagt sich zum Beispiel ein Gast beim Geschäftsführer und Inhaber des «Ammos», Chris Kontos, dass die Abstände der Tische nicht eingehalten worden seien.

«Manchmal wissen viele nicht, was, wo und wann korrekt ist. Ist auch nicht verwunderlich, bei der unglaublichen Informationsflut», schildert Kontos seine Reaktionen auf solche Bewertungen. Weiter erläutert Konto: «Wir mussten uns einfach akribisch mit unserem Branchenschutzkonzept befassen, damit wir genau wissen, was zu tun ist.»

Restaurantgäste zeigten sich verständnislos

Die «Rathaus Brauerei» hatte zudem mit dem Verständnis der Gäste zu kämpfen. «Einige Gäste, die wir seit den Lockerungen unter der Arkade oder am Reusssteg bedienen durften, konnten nicht verstehen, dass sie nun gehen müssen, und die Gäste, die reserviert hatten, kein Verständnis, dass der Tisch noch nicht frei ist», erläutert Keiser. So wurde entschieden, die 160 Aussenplätze bis auf Weiteres nicht mehr zur Reservation auszuschreiben.

Das «Zunfthaus Pfistern» äussert sich zu unangenehmen Situationen pragmatisch. «Allen recht machen können wir es nicht und an Beschlüssen vom Bund rütteln stand leider auch nicht in unserer Macht», so Bastian Eltschinger, Geschäftsleiter der Remimag Gastronomie AG, die das Lokal betreibt.

Restaurants zeigen sich kreativ

Es zeigt sich, dass die Erfahrungen mit den Schutzkonzepten während der Corona-Pandemie für die Betriebe im Grossen und Ganzen positiv waren. Am meisten war bei der Umsetzung von Schutzwänden und dem Desinfektionsmittel Kreativität gefragt.

So waren für Alois Keiser unscheinbare Momente die schönsten. Und Chris Kontos vom «Ammos» erzählt: «Einmal haben wir eine 6er-Gruppe an zwei Tischen nebeneinander platziert. Dazwischen die Trennwand aus Plexiglas. Die Gäste haben dann auf die Trennwände kurzerhand ein paar Botschaften geschrieben.»

Und Bastian Eltschinger erinnert sich, dass für die Umsetzung der Schutzkonzepte gemäss Vorgaben kreative Ideen gefragt waren, damit sich der Gast weiterhin wohlfühlt. Trotz der ungewohnten Schutzwände. «Diese wurden nach Möglichkeit nett dekoriert, damit sich diese bestmöglich dem Ambiente anpassen.»

Die eine oder andere Maske wurde vergessen

Zurück zur Studie: Ihr zufolge bewerteten die Gäste die Schutzmassnahmen der Restaurants positiv. «Klar kann es mal vorkommen, dass ein Gast vergisst, die Schutzmaske umgehend wieder anzuziehen», räumt Alois Keiser von der «Rathaus Brauerei» ein. «Doch unsere Service-Profis weisen die Gäste behutsam und dezent auf das Einhalten der Schutzmassnahmen hin.»

Die Maskenpflicht wurde beim «Zunfthaus Pfistern» schon sehr früh eingeführt. Dies sei von den Gästen mehrheitlich positiv wahrgenommen worden. Einige hingegen habe es irritiert. Auch die Temperaturmessungen am Eingang des Restaurants führte zu geteilten Meinungen. «Jedoch wollten wir als Unternehmen mit einem positiven Beispiel vorangehen, zum Schutz unserer Mitarbeitenden und Gäste», so Eltschinger.

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