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Luzerner Wirt holt die Kapellbrücke nach Vietnam
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Hat sich ein Stück Heimat nach Südvietnam geholt: Hugo Fischli vor der Kapellbrücke. (Bild: Peter M. Jenni)

Hugo Fischli: vom «DownTown» nach Nha Trang Luzerner Wirt holt die Kapellbrücke nach Vietnam

4 min Lesezeit 02.06.2017, 15:54 Uhr

Seit gut drei Jahren führt der Luzerner Hugo Fischli das Swisshouse «La Casserole» in Südvietnam. Jetzt hat er, der früher das Kultlokal «DownTown» führte, sich ein Stück Heimat kommen lassen: die Kapellbrücke und das Matterhorn. Auch für die Fondue-Lieferungen hat er eine Luzerner Lösung gefunden.

Der Luzerner Hugo Fischli ist Schweizer durch und durch. Trotzdem lebt und arbeitet er in Südvietnam, genauer in Nha Trang. Seit drei Jahren führt er das Swisshouse «La Casserole». Und ein Schweizer Haus ist es wirklich. Die Karte liest sich wie in jedem gutbürgerlichen Schweizer Lokal: Rösti, Bratwurst, Geschnetzeltes, Raclette und Fondue.

Nun zieren die Wände im Swisshouse in Nha Trang zwei Wandmalereien des Hinwiler Künstlers Kurt A. Fischli – verwandt sind die beiden allerdings nicht. Dieser hatte in Nha Trang bereits einen Wandbildauftrag. Als Hugo Fischli davon erfuhr, engagierte er den Künstler aus dem Zürcher Oberland ohne Umschweife und mit klaren Vorgaben: «Ich wollte das Matterhorn, ein Alphorn, einen Bernhardiner und natürlich die Kapellbrücke.»

«Ich wollte nicht mehr weg. Alles, was man der Schweiz vorwerfen kann, wenn man im Ausland lebt, hat mich angezogen.»

Hugo Fischli, Schweizer Restaurantbesitzer in Vietnam

Die beiden Wandbilder erfreuen nach rund einer Woche Entstehungszeit nicht nur den Wirt. Auch die Schweizer Gäste (einmal im Monat ist Schweizer-Treff) zeigen sich sichtlich erfreut über das Stück Heimat, das sie im Swisshouse erwartet. Doch wie ist Hugo Fischli überhaupt nach Nha Trang gekommen?

Heimatgefühle: Die Kapellbrücke in Fischlis Restaurant.

Heimatgefühle: die Kapellbrücke in Fischlis Restaurant.

(Bild: Peter M. Jenni)

Schon früh mit Asien verbunden

Vor 51 Jahren in Luzern als Kind einer Gastrofamilie geboren, wurde ihm das Wirten sozusagen in die Wiege gelegt. Trotzdem absolvierte Hugo Fischli nach der Schule eine Lehre als Karosseriespengler. Lange hielt er es rund um die Alu- und Blechteile jedoch nicht aus. Zwei Jahre nach dem Lehrabschluss übernahm er als «quereinsteigender» Geschäftsführer den Metro-Music-Pub in Luzern, zwei weitere Jahre später dann die legendäre Musikbar «DownTown». Dort blieb er bis 1996.

Früh schon kam auch Asien ins Spiel: Mit zarten 19 Jahren heiratete er eine Thailänderin. Mit ihr hat er zwei Töchter, mittlerweile ist er stolzer Grossvater eines Enkels in der Schweiz. Thailand war denn auch seine erste Auslandsstation. In Pattay eröffnete er ein Schweizer Restaurant und blieb dort bis 2005.

«Hier fühle ich mich als Ausländer willkommen.»

Hugo Fischli

Er kam in die Schweiz zurück, weil sein Vater gestorben war. Und plötzlich fühlte er sich «in der pingeligen, sauberen und geregelten Schweiz» daheim. «Ich wollte nicht mehr weg. Alles, was man der Schweiz vorwerfen kann, wenn man im Ausland lebt, hat mich angezogen.» Und fügt amüsiert an: «Ja, genau. Die Tüpflischiisser!»

Was ist denn der Grund, warum Hugo Fischli nun in Vietnam lebt – einem Land, das nicht gerade für seine Rechtssicherheit bekannt ist? «Das Wetter!», erklärt Fischli herzhaft lachend.

Zurück an die Wärme

Die Kälte hat ihn also wieder aus der Schweiz vertrieben. Nachdem er Nha Trang, das er durch einen guten Freund kannte, mehrmals ferienhalber bereiste, eröffnete er vor drei Jahren das Restaurant Swisshouse «La Casserole». Für Fischli ging ein kleiner Traum in Erfüllung: In einem warmen Land als Einziger ein Schweizer Restaurant zu eröffnen. Noch heute hat er in diesem Bereich keine Konkurrenz, und seine Küche ist bei Schweizern, aber auch bei Deutschen und anderen Nationalitäten weit über Nha Trang hinaus bekannt.

Beliebter Treffpunkt in Nha Trang: Hugo Fischlis Swisshouse «La Casserole».

Beliebter Treffpunkt in Nha Trang: Hugo Fischlis Swisshouse «La Casserole».

(Bild: Peter M. Jenni)

Wenn er wieder die Wärme und das angenehme Klima gesucht hat – warum ging er nicht zurück nach Thailand? Fischli sagt: «Für Ausländer gibt es hier einiges mehr an Rechtssicherheit als in Thailand.» Auch wenn hier noch einiges auf «vielleicht» baue, so könne man doch davon ausgehen, dass Abmachungen eingehalten werden. «Hier fühle ich mich als Ausländer willkommen.»

Fischli ist aber auch klar – und das betont er –, dass gerade ich Sachen politische Sicherheit vieles im unsicheren Bereich liegt. Er erinnert daran, wie die Vietnamesen chinesische Firmen stürmten: «Das waren schon fast kriegsähnliche Zustände.» Trotzdem: «Mir gefällt es hier. Und drei Jahre sind für ein Restaurant im Ausland eine kurze Betriebszeit.» Die gröbste Aufbauarbeit hat er nun hinter sich. Aber im Vergleich zur Schweiz sagt er auch: «Hier arbeite ich viel für weniger.»

Easy Life in Südostasien

Auch wenn das Leben in Südostasien als easy bezeichnet werden kann: Das Organisieren ist mit vielen Tücken verbunden. So braucht es Beziehungen und viele Gespräche, damit das frische Fleisch vom 440 Kilometer entfernten Schweizer Metzger Norbert Ehrbar in Ho Chi Minh City zeitgerecht nach Nha Trang kommt, oder damit er immer genügend Fondue oder Raclette an Lager hat.

Auch das Matterhorn wollte sich Fischli nach Vietnam holen.

Auch das Matterhorn wollte sich Fischli nach Vietnam holen.

(Bild: Peter M. Jenni)

Zu Beginn wie auch heute noch sind es vor allem Freunde, die Hugo Fischli auf ihren Reisen nach Nha Trang mit Fondue beliefern. Doch seit einiger Zeit ist der Verbrauch derart hoch, dass er direkt von Emmi importiert. Hauptsaison ist zwischen Dezember und April. In dieser Zeit «überwintern» einige Schweizer in Nha Trang. Aber auch im Juni und Juli ist die Küstenstadt an der Mündung des Song Cai ein beliebtes Reiseziel. Es herrscht ein meist tropisches Klima mit einer Durchschnittstemperatur von rund 30 °C.

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