Luzerner und Zuger Kantonsspital wären für zweite Corona-Welle bereit
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Um Engpässe früh zu erkennen, hat das Luks verschiedene Szenarien entwickelt. (Bild: zvg)

Trotz Schritte in Richtung Normalbetrieb Luzerner und Zuger Kantonsspital wären für zweite Corona-Welle bereit

3 min Lesezeit 2 Kommentare 15.05.2020, 12:00 Uhr

Die Spitäler gehen vom Notfall- in den Normalbetrieb über. Das Luzerner Kantonsspital hat die personellen Ressourcen auf Covid-Stationen reduziert, das Zuger Kantonsspital die Zahl der Intensivbetten heruntergefahren. Trotzdem bleiben beide Spitäler für einen neuen Ansturm gerüstet.

Läden, Beizen und Fitnesscenter haben seit Montag wieder geöffnet, die Schweiz lockert den Lockdown schrittweise. Auch das Luzerner und Zuger Kantonsspital wechseln Schritt für Schritt vom Notfall- in den Normalbetrieb.

Das Besuchsverbot: gelockert. Die Operationssäle: wieder in Betrieb. Schweizweit sind die Fallzahlen von neuen Covid-19-Erkrankten rückläufig, doch Experten warnen: Eine zweite Welle droht. Und diese könnte gar noch viel heftiger ausfallen als die erste. Wären hiesige Kantonsspitäler für eine zweite Welle gerüstet?

Personelle Ressourcen auf Corona-Stationen stark reduziert

Auf Anfrage teilt das Luzerner Kantonsspital (Luks) schriftlich mit, dass die personellen Ressourcen auf den Covid-19-Stationen «stark reduziert» wurden. Glücklicherweise seien die Fallzahlen in der Zentralschweiz nicht so stark angestiegen wie zunächst befürchtet. «Gleichwohl bleiben wir gerüstet.»

Im Zuger Kantonsspital sind aktuell keine Covid-19-Patienten mehr hospitalisiert. Auch wenn die tiefe Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen positiv stimmt, sei man auch in Zug für den Fall einer zweiten Ansteckungswelle vorbereitet.

Luzerner Kantonsspital hat Szenarien entwickelt

Doch was heisst das konkret? Um Engpässe früh zu erkennen und allenfalls Massnahmen einzuleiten, hat das Luks ein Prozessmodell entwickelt. Mit eigenen Zahlen aus dem neuen Klinikinformationssystem Lukis, den Daten anderer Spitäler und Angaben aus der Literatur haben sie verschiedene Szenarien entwickelt. «Wir sind vorbereitet, unsere Covid-Kapazitäten innert weniger Tage wieder zu erhöhen», versichert ein Sprecher. Gleich klingt es beim Zuger Kantonsspital.

Einblick in die Intensivstation am Standort Luzern des Luzerner Kantonsspitals. (Symbolbild: zvg)

Falls wirklich eine zweite, allenfalls sogar heftigere Corona-Welle über die Zentralschweiz rollen sollte, «würde der schweizweiten Koordination der Belegung der Intensivbetten wohl eine grosse Bedeutung zukommen», schreibt das Zuger Kantonsspital. Das, um regionale Überlastungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Besonders bereitet man sich nicht auf eine zweite Welle vor. Je nachdem, wie viele Corona-Patienten stationär und intensivmedizinisch betreut werden müssten, würde man aber den Normalbetrieb wieder so weit reduzieren, dass für Infizierte ausreichend personelle Ressourcen zur Verfügung stünden.

Zuger Kantonsspital füllt sein «Pandemie-Lager» wieder

Der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) kündigte bereits an, dass der Kanton Luzern bereit sei, Patienten aus anderen Kantonen zu übernehmen und medizinisch zu versorgen.

Aktuell habe man genügend medizinisches Verbrauchsmaterial, heisst es am Luks. Bestände – auch von Mundschutzmasken – zu überprüfen, sei eine Daueraufgabe. Das Zuger Kantonsspital füllt sein Pandemielager, über das es seit Jahren verfügt, wieder mit Schutzmaterial.

Wärmebildkameras und Masken

An allen drei Standorten des Luzerner Kantonsspitals stehen weiterhin Intensivbetten und Isolierstationen für Covid-19-Patienten zur Verfügung. Ob und wie viele Covid-Betten wieder für andere Patienten gebraucht werden, lässt das Luks offen. Die Luzerner Spitäler verfügten aber zwischenzeitlich – also vor den Lockerungen am 27. April –  an allen Standorten insgesamt über 250 Covid-19-Isolierbetten und 60 Beatmungsplätze. In Nottwil wurde eigens ein Notspital installiert. Wie es damit weitergeht, dürfte Luzerns Regierungsrat Guido Graf voraussichtlich an der Pressekonferenz diesen Freitagnachmittag bekanntgeben (zentralplus berichtete).

Covid-19-Patienten werden am Luks nach wie vor vom Rest des Spitals isoliert, für Verdachtsfälle stehen weiterhin separate Eingänge zur Verfügung. Im Spital herrscht generelle Maskentragpflicht, die Triage-Container bleiben im Betrieb. Bei den Eingangsbereichen kommen weiterhin Wärmebildkameras zum Einsatz, die Personen mit Fieber frühzeitig erkennen.

Im Zuger Kantonsspital standen am 22. April noch zehn Intensivbetten mit acht Beatmungsgeräten für Covid-19-Patienten bereit, aktuell sind es noch acht Intensivbetten, davon drei mit Beatmungsgeräten. Doch auch diese Kapazität könnte man innert Tagen wieder «deutlich erhöhen», versichern die Verantwortlichen.

Der Triage-Container beim Luzerner Kantonsspital.

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2 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 15.05.2020, 21:09 Uhr

    Die zweite Welle kommt wahlweise
    – schon im Juni
    – wohl Mitte Juli
    – im Herbst
    – ganz sicher im Herbst /Winter
    – bevor der Impfstoff da ist
    – gerade rechtzeitig zum Jahrestag im nächsten Februar
    – ist nicht zu befürchten

    Sie kommt, weil
    – Grippen immer zweite Wellen haben
    – die spanische Grippe viele Wellen hatte
    – die Massnahmen „gelockert“ werden
    – wir uns auf das Schlimmste vorbereiten müssen

    Ich schlage vor:
    Bei der Begründung die mit den „Lockerungen“, weil sich damit am besten moralisieren lässt.
    Beim Zeitpunkt der Jahrestag, weil es bis dann bereits die Hälfte der Medien verblasen hat.

  2. Silvan Studer, 15.05.2020, 12:39 Uhr

    Schön.
    Die Spitäler wären auch für die erste Welle bereit gewesen.
    Nur ist sie nicht gekommen, die Welle.
    Falls jetzt dann eine „Welle“ kommt, wäre das dann nicht eigentlich die erste Welle?
    So rein rechnerisch?

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