Luzerner und Zuger Gärtnereien eröffnen mit riesigen Defiziten
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Noch dürfen sie nicht geöffnet haben, die Gärtnereien. (Bild: wia)

Viel Hoffnung auf den Sommer-Verkauf Luzerner und Zuger Gärtnereien eröffnen mit riesigen Defiziten

5 min Lesezeit 17.04.2020, 05:00 Uhr

Grosse Erleichterung bei den hiesigen Gärtnereien. Sie dürfen gemäss Bundesratsentscheid ihre Betriebe wieder für Kunden öffnen. Höchste Zeit, finden Zuger und Luzerner Betriebe. Nicht nur, weil einige der gezogenen Pflanzen bereits verblüht sind. Bei vielen geht’s schlichtweg ums Überleben.

Der Bundesrat hat entschieden. Ab dem 27. April dürfen unter anderem Gärtnereien wieder ihre Türen öffnen. Dies insbesondere, wenn sie ein genügendes Schutzkonzept vorweisen können.

Den Gartencenter und Gärtnereien fällt ein Stein vom Herzen. «Wir sind sehr erleichtert», sagt Ursula Elmiger von der Gärtnerei Luzia in Cham. Das kleine Unternehmen produziert selber nur einen Teil seiner Gewächse, den Rest kauft es bei einem Lieferanten. «Normalerweise finanziert unser Frühlingsverkauf unseren Sommereinkauf.»

Dass man nun den Sommerflor verkaufen darf, stimmt Elmiger glücklich. Sie ergänzt: «Pflanzen sind gut fürs Gemüt und steigern die Lebensqualität.»

«Die Leute haben nie mehr Lust auf Blumen als nach dem Winter.»

Christoph Wismer, Inhaber einer Zuger Blumengärtnerei

Bei der Blumengärtnerei Wismer in Zug sei man «mit einem blauen Auge davongekommen», wie der Geschäftsführer Christoph Wismer erklärt. Dies, weil man wie die Gärtnerei Luzia keine Pflanzen anbaue und gemäss der Lage einfach nichts beim Grosshändler eingekauft habe.

«Ausserdem haben wir ein zweites Standbein im Gartenbau. Diese Arbeiten durften wir in den letzten Wochen tätigen.» Dennoch gibt der Geschäftsführer zu bedenken: «Die Lage ist doppelt gemein, weil wir seit Wochen super Wetter haben und die Leute nie mehr Lust haben auf Blumen als nach dem Winter.»

Ein Schock, obwohl vorhersehbar

Gerade für Gärtnereien, die selber Kulturen produzieren, waren die letzten Wochen brutal. So etwa verzeichneten die Hauenstein-Gartencenter eine Umsatzeinbusse von ungefähr 90 Prozent, wie Rainer Marxsen von der Geschäftsleitung erklärt. «Für uns war der Entscheid des Bundesrates vor vier Wochen ein Schock, obwohl er damals absehbar war.» Dies aus zwei Gründen.

«Zum einen, weil wir unsere Center mitten in der Topsaison schliessen mussten. Zum anderen, da wir nicht wussten, wie lange diese Phase andauern würde.» Dass es unter anderem fürs Gartencenter Hauenstein in Baar Ende April wieder weitergeht, ist daher eine Erleichterung. «Hätten wir unsere Filialen erst in der zweiten Lockerungsphase, also am 11. Mai öffnen können, hätte es eine lange Durststrecke gegeben. Wir hätten mehr Arbeit gehabt und gleichzeitig mehr Kosten.

Umsatzeinbruch von 2 Millionen Franken

Ähnlich einschneidend war der Entscheid vor einem Monat für die Gärtnerei Schwitter in Gisikon. Der Geschäftsführer Roman Schwitter sagt auf Anfrage von zentralplus: «Die Massnahmen des Bundes haben uns definitiv hart getroffen. Bis dato haben wir 2 Millionen Franken weniger Umsatz gemacht. Das Hauptproblem ist insbesondere, dass wir nur bedingt auf Kurzarbeit umstellen können.» Die Pflanzen, die in der Gisikoner Gärtnerei wachsen, wollen nämlich trotz Corona gewässert, gedüngt und gepflegt werden.

«Unsere Lager sind voll. Schon jetzt bereiten wir die Pflanzen für den kommenden Herbst und sogar den Frühling 2021 vor. Das lässt sich nicht kurzfristig ändern», so Schwitter. «Ich vergleiche unsere Situation gern mit der eines Weinbauern, der eine ganze Saison lang Pflanzenschutz betreibt, die Reben schneidet und pflegt, und dann heisst es kurz vor der Ernte, man dürfe nicht ernten.»

Bei der Gärtnerei Schwitter habe man vereinzelt Pflanzen wegwerfen müssen, da diese nun bereits verblüht seien. «Dennoch sind wir von diesem Problem nicht allzu stark betroffen», relativiert der Geschäftsführer.

40 Prozent des Jahresumsatzes gingen flöten

Besonders prekär ist die Lage, weil gerade im Frühling normalerweise viel Umsatz gemacht wird. «Im April und Mai generieren wir 40 Prozent unseres Jahresumsatzes. Auch arbeiten wir dann 120 Prozent. Jetzt sind wir bei 90 Prozent. Generieren aber währenddessen nur wenig Einnahmen», sagt Schwitter, der 75 Angestellte hat.

Resigniert hat der Firmeninhaber jedoch nicht. «Wir hoffen, dass wir einen Teil dessen wieder aufholen können, was wir jetzt verloren haben. Nicht alles natürlich. Da sind wir realistisch.»

Doch gerade weil die Schweizer heuer wohl nicht in die Sommerferien verreisen, bestehe die Chance, dass sie sich stattdessen darauf konzentrieren, ihren Garten oder den Balkon so schön wie möglich zu gestalten.

Es blieb viel Zeit, sich ein Schutz auszudenken

Für die Wiedereröffnung ist man in Gisikon-Root bereit. «Wir hatten viel Zeit, um intensiv über ein nötiges Schutzkonzept nachzudenken. Wir wussten ja, dass es irgendwann wieder losgeht», so Schwitter.

«Im Moment sieht die finanzielle Lage dramatisch aus.»

Roman Schwitter, Geschäftsführer der Gärtnerei Schwitter in Gisikon

Platz gebe es auf den 10’000 Quadratmetern Verkaufsfläche genug, damit die Menschen die vorgegebenen Abstandsregeln befolgen können, «was wir noch umsetzen, sind Bodenmarkierungen vor der Kasse und die Abschirmung des Kassenraums», so der Geschäftsführer. «Doch haben wir den Vorteil, dass die Leute vom Einkaufen in den Läden schon sensibilisiert sind auf die Abstandsregeln.»

Abschliessend sagt er: «Im Moment sieht die finanzielle Lage zwar dramatisch aus, ich bin jedoch hoffnungsvoll, dass wir dank der Eröffnung am 27. April vernünftig durchs Jahr kommen. Wir sind jedenfalls sehr motiviert.»

Platz für einen Parcours ist auch bei den Kleinen da

Die Auflagen, welche der Bundesrat an die Wiedereröffnung der Geschäfte am 27. April stellt, könne man auch in der Gärtnerei Luzia gut erfüllen, ist sich Ursula Elmiger sicher. «Unser Verkaufsraum ist 100 Quadratmeter gross, dazu kommt der Aussenverkauf. Wir können einen Parcours einrichten, bei dem Ein- und Ausgang an verschiedenen Orten sind und sich die Kunden nicht in die Quere kommen.»

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