Luzerner Tüftler tauscht Roboter gegen Kartenspiel
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Tobias Kaufmann mischt im Schweizer Spielemarkt mit einem neuen Kartenspiel mit. (Bild: Barbara Müller)

Von Schafen, Wölfen und dem richtigen Papier Luzerner Tüftler tauscht Roboter gegen Kartenspiel

4 min Lesezeit 21.09.2021, 14:00 Uhr

Der Luzerner Tobias Kaufmann hatte früher mit Rasenmäherrobotern zu tun. Jüngst hat er eine Spieleschmiede aus dem Boden gestampft und bringt nun sein erstes Kartenspiel auf den Markt. «Wolfpack» soll nur der erste Schritt zu einem kleinen Spiele-Imperium werden.

Jetzt, wo die Tage herbstlich und trübe werden, greifen viele Menschen zur Fernbedienung – oder einem Spiel. In Zeiten von Corona haben gemütliche Spieletage im Kreise von Freunden und Familien ein kleines Revival erlebt.

Tobias Kaufmann ist ein Spielemuffel. Zumindest bezeichnet er sich selbst so. Dass ausgerechnet er ein Kartenspiel entwickelt, mag auf den ersten Blick verwirren, macht bei näherer Betrachtung aber Sinn. Denn Kaufmann ist ein Tüftler.

Bevor er in die Spielebranche eintauchte, war er als Produktentwickler in der Robotikbranche tätig – beispielsweise mit Rasenmäherrobotern. «Im Mai 2020 habe ich mich von meinem Geschäftspartner getrennt und mir überlegt, was ich jetzt tun könnte», sagt der 41-jährige Kaufmann gegenüber zentralplus. Er liebäugelte mit einem kompletten Branchenwechsel, denn er wollte etwas machen, das «Spass macht und trotzdem meine Leidenschaft bedient». Und die liege nun mal beim Entwickeln – unabhängig vom Medium. Nach einiger Bedenkzeit habe er sich an seinen Sohn gewandt und verkündet: «Ich entwickle ein Spiel.»

Gehe über Los …

«Dabei bin ich überhaupt nicht der typische Spieler», sagt Kaufmann. «Weder habe ich 10’000 Spiele zuhause noch habe ich Geduld dafür, stundenlang Regeln auswendig zu lernen.» Tobias Kaufmann mag seine Spiele simpel und schnell erlernbar – und wollte dementsprechend sein eigenes Spiel «Wolfpack» nach diesem Credo aufbauen. «Ich wollte kein Spiel, das in eine Materialschlacht ausartet oder derart kompliziert ist, dass es wieder im Schrank verschwindet und verstaubt.»

Auch eine Sprachbarriere sollte es nicht geben. Darum war für Kaufmann schnell klar, dass sein Projekt ein Kartenspiel werden würde, bei dem es auf Symbole und Farben ankam. «Die Spielmechanik hatte ich relativ schnell beisammen.» Aufwändiger seien die Proberunden mit Testpublikum und den verschiedenen Karten-Prototypen – die ersten mit Papier und Bleistift, später dann auf Kartenrohlingen – gewesen. Und die Einarbeit in die Schweizer Spielebranche.

Kaufmann war während der Entwicklung auf mehrere Testspieler angewiesen. Nebst der eigenen Familie waren auch Freunde wie der Luzerner Origami-Künstler Sipho Mabona mit von der Partie.

Neuling in der Branche

«Ich war absolut grün hinter den Ohren. Und bin es immer noch», so der Entwickler. Mittlerweile bildet er sich mittels Workshops und Gesprächsrunden mit Branchenvertretern weiter und ist Mitglied im Schweizer Spielzeugverband. Und Kaufmann macht ernst. Für künftige Projekte hat der gebürtige Krienser an seinem Wohnsitz Sattel im Kanton Schwyz die Game Divison AG gegründet.

Aktuell arbeitet er noch als Einzelkämpfer in der Firma, hat aber ein Team von Unterstützern – alles Luzerner, wie er sagt – das ihn bei den diversen Aufgaben unterstützt. Sei es Design, Kommunikation oder Bereich eCommerce. «Keiner von ihnen hatte zuvor Erfahrung in der Spielentwicklung.» Aber eine Gemeinsamkeit hätte sie zusammengeschweisst: «Wir lesen alle nicht gerne Spieleanleitungen», so Kaufmann lachend.

Prominente Unterstützung

Ohne grosses Vorwissen über den Markt hat sich Kaufmann an seinem eigenen Kaufverhalten orientiert. «Bei mir geben Empfehlungen aus dem Umfeld den Ausschlag – und die Optik des Spieles.» Für den letzten Punkt hat er sich prominente Verstärkung aus seiner alten Heimat geholt: den Grafiker Erich Brechbühl aus Sempach.

Der mehrfach ausgezeichnete Künstler hat bei «Wolfpack» die ganzen gestalterischen Elemente kreiert. Kennengelernt haben sich die beiden über Kaufmanns Familie. «Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden», sagt er. Für ihn war nebst der Optik auch die Haptik, also das physische Spielgefühl wichtig. «Das richtige Spielkartenpapier ist entscheidend.» Und nicht gerade günstig. «Wenn man etwas zum ersten Mal macht, wird es meistens aufwändiger, als man zuerst dachte. Und teurer.» Bereuen tut er seine Entscheidung, einen kompletten Branchenwechsel vollzogen zu haben, trotzdem nicht. «Ich würde es jederzeit wieder machen», sagt Kaufmann und fügt nach einer kurzen Denkpause an: «Zumindest bis jetzt.»

Der Sempacher Grafiker Erich Brechbühl hat die Optik des Spiels entworfen.

Mit seiner Game Division hat Tobias Kaufmann in den kommenden Jahren noch einiges vor. Nebst weiteren Kartenspielen kann sich Kaufmann auch einen Sprung in die digitale Welt vorstellen: «Ein Mobile-Game würde mich reizen. Ich bin zwar kein Programmierer, aber die Mechanik dahinter interessiert mich sehr.»

Grundsätzlich habe er noch einige Spielprojekte im Köcher. Einige davon seien schon weit fortgeschritten, aber er will jetzt erstmal «klein anfangen.» Und dafür sei ein Kartenspiel ideal. «Wir warten das Echo des Publikums ab und ob der Markt das Spiel überhaupt akzeptiert.» Und wenn es das tut, kann sich Kaufmann auch vorstellen, sein «Wolfpack» international zu vertreiben. Anpassen müsste er dabei lediglich das, was er am wenigsten mag: die Spielanleitung.

Über das Spiel

«Wolfpack» läuft unter dem Motto «Nett sein kannst du später wieder.» Im Spiel geht es darum, Schafe zu reissen. Und Wölfe, die sich unter den Schafen verstecken. Vier Actionkarten bringen die Strategien der Spielerinnen durcheinander, mal nur wenig, mal komplett.

«Wolfpack» ist für 2 bis 5 Personen ab 10 Jahren geeignet. Es ist online erhältlich und soll demnächst auch im Fachhandel in die Regale wandern.

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