Luzerner trainieren wegen Corona mehr zu Hause
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Die Fitnesscenter sind geschlossen, Sport ist vorwiegend zu Hause oder in der Natur möglich. (Symbolbild: Unsplash/Jonathan Borba)

«Viele Leute sind gesundheitsbewusster geworden» Luzerner trainieren wegen Corona mehr zu Hause

3 min Lesezeit 09.01.2021, 16:31 Uhr

Die Fitnesscenter sind geschlossen – schon wieder. Während in Luzern Geräte für das Heimtraining regen Absatz finden, ist die Lage für Profisportler und Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln deutlich angespannter.

Wer sich bewegen und schwitzen will, muss dies derzeit in den eigenen vier Wänden oder draussen tun. Wegen der Coronapandemie sind Fitnesscenter, Sportanlagen und Freizeitbetriebe geschlossen.

Der Triple X Fitness Shop an der Löwenstrasse leidet nicht unter der Schliessung der Fitnesscenter – im Gegenteil. «Wir haben davon sogar profitiert», sagt Betreiber Markus Schilling auf Anfrage. Die Leute hätten sich im vergangenen Jahr in der Filiale mit Heimgeräten eingedeckt, von Kurzhanteln bis zu grösserem Geschütz wie Crosstrainer oder Pressbank.

«Ich glaube, viele Leute sind gesundheitsbewusster geworden wegen Corona.»

Markus Schilling, Triple X Fitness Shop

Etwa gleich geblieben wie im Vorjahr sei der Umsatz im Food-Bereich, wo vor allem Ergänzungsmittel wie Kohlenhydratpulver und Proteinshakes angeboten werden. Gestiegen sei jedoch der Verkauf von Vitaminprodukten. «Ich glaube, viele Leute sind gesundheitsbewusster geworden wegen Corona», so Schilling.

Insgesamt konnte die Luzerner Filiale – eine zweite gibt es in Zürich – etwas mehr Umsatz verbuchen als noch im Vorjahr. Ein Vorsprung, der ohne den Lockdown im Frühling grösser ausgefallen wäre. Dabei war das Geschäft auch während des Lockdowns geöffnet. «Da wir auch Nahrungsmittel verkaufen, durften wir über diese Zeit offen haben.» Nur wussten das viele nicht, wie Schilling sagt. Verkauft werden durften während des Lockdowns jedoch lediglich Lebensmittel – Geräte waren tabu.

Kaum Tageskunden

Härter zu kämpfen hat derweil BeautyAndBeast an der Obergrundstrasse. Das Fachgeschäft hat sich auf den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, Proteinen und Diätmittel spezialisiert. Sportgeräte bietet der Laden keine an.

«Trainings sind auch ein Stressabbau.»

Bodybuilder aus Luzern

Das Geschäft laufe im Moment sehr schlecht, sagt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, auf Anfrage. «Ich hatte Tage, da kam kein einziger Kunde in den Laden», sagt der Mann, der Bodybuilding im Profibereich betreibt. «Und da auch viele schon den Job verloren oder sonst finanzielle Einbussen haben, liegen die Prioritäten auf anderen Bereichen als Nahrungsergänzungsmitteln.» Wenn aber etwas gekauft wird, dann seien das meistens Vitamine für den Outdoorsport.

Bodybuilder verlor zehn Kilogramm Muskelmasse

Der Mann, der hauptberuflich in einem Fitnesscenter im Kanton Luzern arbeitet, kann die Handhabung der Massnahmen nur schwer nachvollziehen. «Fitnessprofiathleten können wegen der Schliessung ihr Training nicht fortsetzen – Fussballer hingegen schon. Wo ist da die Logik?» Auch ärztlich verschriebene Physiotherapien würden oft in Fitnesscentern durchgeführt, auch das falle nun weg und könne für Betroffene zu einem gesundheitlichen Problem werden.

Proteinpräparate sind für viele Fitnessprofis ein Muss. (Symbolbild: Unsplash/Lyfe Fuel)

«Trainings sind auch ein Stressabbau», so der Bodybuilder weiter. Diese Energie nicht loswerden zu können, sei physisch und psychisch belastend. Er selbst habe im ersten Lockdown rund zehn Kilogramm Muskelmasse verloren, weil er sein strukturiertes Training nicht durchführen konnte. «Nicht alle haben zu Hause Platz für ein Fitnessgerät. Oder gar für mehrere», sagt der Bodybuilder und nennt sich gleich selbst als Beispiel. Und in den eigenen vier Wänden oder in der Natur sei nicht jedes Training möglich. Er sei es sich beispielsweise gewohnt, 100 Kilogramm zu stemmen.

Er befürchtet zudem mittelfristig negative wirtschaftliche Folgen. «Ich kenne viele Leute aus der Fitnessbranche, die noch keinen Rappen erhalten haben.» Manche Betriebe in der Schweiz seien wegen der Krise schon bankrott gegangen. Ein Fall in Luzern war beispielsweise die Filiale von Indigo Fitness – sie musste schliessen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen konnte (zentralplus berichtete).

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