Luzerner Traditionsfirma Schindler gibt Versprechen an Regenbogen-Community
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Am diesjährigen feministischen Streik hat man auch ein Zeichen für mehr Rechte der LGBTI-Community gesetzt. (Bild: ber)

«Für eine Kultur der Akzeptanz und Vielfalt» Luzerner Traditionsfirma Schindler gibt Versprechen an Regenbogen-Community

3 min Lesezeit 5 Kommentare 18.06.2021, 13:49 Uhr

Der Luzerner Lifthersteller Schindler hat ein Versprechen für die LGBTI-Community unterzeichnet. Das gibt die Firma demnächst in einem Inserat einer grossen Schweizer Tageszeitung bekannt. zentralplus hat nachgefragt, warum sie das tut – und was Ziel dieser Kampagne ist.

«Wir bewerten deine Arbeit nach vielen Kriterien … Doch niemals werden wir deine Arbeit danach bewerten, wer du bist oder wen du liebst. Niemals.»

Es lautet «Das LGBTIQ+-Versprechen». 24 CEOs bekannter Unternehmen haben dieses unterzeichnet. Darunter die NZZ, Swisscom und die UBS. Und das Luzerner Traditionsunternehmen Schindler. Das Statement mit dem Versprechen erscheint in der NZZ vom 19. Juni. Und es ist vom 14. bis 20. Juni auf den APG-Screens zu sehen. Also mittendrin im alljährlichen Pride Month, der weltweit gefeiert wird. Dabei wollen die Firmen ein Zeichen gegen Diskriminierung und ein Zeichen für mehr Rechte und Toleranz der Regenbogen-Community setzen.

Hinter der Aktion «Das LGBTIQ+-Versprechen»steht Daniel Kessler, Schweiz-Chef von Boston Consulting Group. Er will damit zeigen, dass sein Unternehmen für eine offene, tolerante und inklusive Firmenkultur einsteht. Die Idee, sich mit anderen Firmen zusammen zu tun, entstand nach dem Ausfall der Zurich Pride. Warum ist die Aktion nötig? «Weil wir als Wirtschaft und Gesellschaft noch nicht dort sind, wo wir sein müssten – solange LGBTIQ+-Personen nicht frei von jeglicher Diskriminierung leben können», sagte Kessler gegenüber dem Schweizer Wirtschaftsmagazin «Persönlich».

Auch die Unterschrift von Patrick Hess, CEO von Schindler Schweiz, steht unter dem Versprechen. Thomas Langenegger, Medienverantwortlicher von Schindler, sagt, weshalb sich das Unternehmen an der Kampagne beteiligt: «Wir wollen uns damit für eine Kultur der Akzeptanz einsetzen und der Vielfalt unserer Belegschaft Rechnung tragen.»

Als LGBTI-freundliches Unternehmen zertifiziert

Der Lifthersteller feiert bald seinen 150. Geburtstag. «Gleichstellung war für Schindler schon immer ein Thema», so Langenegger. Diversity und Inklusion seien wichtige Werte der Unternehmenskultur. Schindler hat 2017 die «Swiss Diversity Initiative» ins Leben gerufen, die sich für Vielfalt am Arbeitsplatz einsetzt. Der Fokus liegt auf der Erhöhung des Frauenanteils und Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Alters- und Generationenvielfalt sowie Inklusionsarbeitsplätzen. Weiter setzt sich die Initiative für eine Kultur der Akzeptanz ein, so Langenegger.

Im Rahmen des offenen Netzwerkes «Pride & Friends» können sich die Mitglieder austauschen. Zudem werden «LGBTI-freundliche» Events organisiert. Beispiele dafür sind der regelmässige Pride Lunch oder der Pride & Friends Fondue Event.

«Wir wollen der Vielfalt unserer Belegschaft Rechnung tragen.»

Thomas Langenegger, Schindler Schweiz

Letztes Jahr hat das Traditionsunternehmen das Swiss LGBTI-Label bekommen. Eine Auszeichnung, die auch die Stadt als Arbeitgeberin anpeilt (zentralplus berichtete). Mit dem Zertifikat werden Arbeitgeber ausgezeichnet, die Offenheit und Inklusion leben. Auch wenn das ein Prozess ist. Um das Label zu bekommen, müssen Unternehmen und Organisationen eine Selbstdeklaration abgeben. Für grosse Organisationen mit mehr als 250 Mitarbeitenden ist das ein Fragenkatalog, bestehend aus 60 Fragen, unter anderem zum Leitbild, der externen Kommunikation und zur Personalrekrutierung. Mindestens 33 von 100 Punkten müssen erfüllt sein, um das Label zu erhalten.

Schindler setzt auf genderneutrale Toiletten

Vor einem Jahr teilte Schindler mit, dass man das Feedback der LGBTI-Kommission dafür nutzen werde, weiterhin an der Integration der LGBTI-Community zu arbeiten. Was hat sich seither bei Schindler getan?

Laut Langenegger sind mehrere Massnahmen bereits unternommen worden oder geplant. Beispielsweise die Verwendung einer inklusiven Sprache, genderneutrale Toiletten oder eben die Teilnahme am «LGBTIQ-Versprechen» der Boston Consulting Group.

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5 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 18.06.2021, 18:56 Uhr

    Es geht ja bald jeder Kaninchenzüchterverein auf die Knie. Und es ist tatsächlich relativ schwierig, die Gründe dafür zu analysieren, sofern es solche jenseits einer schamlosen Anbiederung an den Zeitgeist überhaupt gibt.
    «Wir bewerten deine Arbeit nach vielen Kriterien … Doch niemals werden wir deine Arbeit danach bewerten, wer du bist oder wen du liebst. Niemals.» Das tönt zunächst einmal derart übertrieben hysterisch, dass man sich fragt, wie ehrlich so etwas gemeint sein kann. Denn schliesslich will sich ja auch kein Arbeitgeber vorwerfen lassen, dass das nicht immer schon so gewesen sei. Im Interesse der Firma sind es selbstverständlich immer die Besten, die angestellt werden. Also was? Wenn es keine Rolle spielt, welche Vorlieben jemand lebt, ist es auch völlig überflüssig, das zu erwähnen. Wer gesellschaftliche Gruppen eigens und einzeln adressiert, läuft Gefahr, der Letzte zu sein, der noch davon redet. Die überlaute Dauertabuisierung ist im Grunde schlimmer als die klammheimliche vor 40 Jahren. Die Diversity endet in der von Beginn weg angelegten Aporie. „Schauen Sie alle hin, ich schaue grad weg!“
    Eine Weltfirma wird sich über die Vermintheit des Geländes im Klaren sein, in das sie sich begibt. Wieso also tut sie es trotzdem?
    Erklärungsversuch: Globalisierung zwingt grosse Firmen dazu, sich immer und überall den gerade am lautesten propagierten Normen und Moden anzupassen. In jedem System wieder etwas anders und reibungsarm, flexibel und überlaut. In China verhält man sich anders als in arabischen Ländern; und im „Westen“ jetzt halt gerade sehr sehr bunt. Natürlich nicht im Sinne einer vom Mainstream abweichenden Meinung, sondern eben genau dort bunt, wo der Mainstream Buntheit propagiert.

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  2. Consulta, 18.06.2021, 15:16 Uhr

    Endet dieses Bekenntnis an den Landesgrenzen oder gilt es auch für die Schindler-Geschäfte in China, Saudi-Arabien, Ägypten usw.?

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  3. Paul Bründler, 18.06.2021, 14:52 Uhr

    Was soll eigentlich das Dauer-Theater mit LGBTIQ?
    Von mir aus kann jede und jeder ins Bett mir wem sie oder er will, aber muss ich darüber jeden Tag in der Zeitung lesen? Wen interessiert das? Was versprecht ihr euch von dieser Dauerbeschallung?
    Hört doch überhaupt endlich auf mit dieser brandgefährlichen, spaltenden, Hass schürenden, linken Identitätspolitik.

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    1. Hugo Ball, 18.06.2021, 16:34 Uhr

      Neue gesellschaftliche Denkschemata sollen, ja müssen unumkehrbar etabliert werden. Wer solche neue gesellschaftliche Doktrin ausgibt, bleibt jedoch im Dunkeln – analog dazu sind die Auswüchse der Gender Mainstreaming-Ideologie. Eine organische Entwicklung aufgrund gesellschaftlicher Notwendigkeiten und breit abgestützt durch die Mehrheitsgesellschaft (soll wohl alsbald zu einer Minderheit verkommen, wenn es um Sendungsbewusstsein geht) kann ich hier ebenfalls nicht erkennen. Und wie Sie sagen, auch ich sehe die gesellschaftliche Kohäsion mit dieser Entwicklung nicht gefördert. Eine Atomisierung, eine Umkehr des Wertekanons ist damit wohl angestrebt. Cui bono?

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  4. Hegard, 18.06.2021, 14:04 Uhr

    Schindler ist ja auch einer der schon früh in China die schwerarbeit machen lässt und viele Arbeiter in der Schweiz entlassen hat drotz guter umsatzzahlen..In der Schweiz werden nur noch spezial Aufträge produziert.

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