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Luzerner Theaterfreunde schicken «Stapi Löwenherz» in den Kampf
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Der Kampf für einen Neubau des Luzerner Theaters hat gerade erst begonnen. (Bild: montage zentralplus)

Theaterneubau soll her – trotz Denkmalschutz Luzerner Theaterfreunde schicken «Stapi Löwenherz» in den Kampf

4 min Lesezeit 01.12.2019, 05:00 Uhr

Umbau, Neubau oder Erweiterung? Für den Theaterclub ist klar, dass kein Weg daran vorbeiführt, das Spielhaus im Herzen der Stadt Luzern komplett neu zu gestalten. Die Hoffnung lebt, dass dies trotz Denkmalschutzvorgaben gelingen kann. Der Club hat dazu eine Resolution verabschiedet.

«Lueg, Stapi!» Philipp Zingg, Präsident des Theaterclubs Luzern, wandte sich an der Generalversammlung eindringlich an Stadtpräsident Beat Züsli, den er als Richard Löwenherz vorstellte. Er teilte Züsli die Rolle des edlen Ritterkönigs zu, der im Kampf für ein neues Luzerner Theater ins Feld zieht. Der Feind, und das war durchaus mit Ironie – aber nicht ohne Ernst – gemeint: Die eidgenössische Denkmalpflege (EDK) (zentralplus berichtete).

«Lueg Stapi, so gahds.» Zingg blendete am Freitagabend im Pool des Luzerner Neubads per Beamer die graue Fassade des eben eröffneten «Musée Cantonale des Beaux Arts» in Lausanne ein. Daran angebracht ist eine Stahlskulptur: «So erfüllen sie in Lausanne die Auflagen der Denkmalpflege.»

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Hürden fordern kreative Lösungen

In der Tat: Die Erhaltung der ursprünglichen Fassade war in Lausanne – wie nun in Luzern – eine Hürde, die der Neubau nehmen musste. Der kreative Umgang mit dieser Auflage mündete in einer Stahlkonstruktion, welche die alte Fassade andeutet. Diese ist zwar physisch nicht mehr da, man konnte so aber formell halt eben doch die denkmalpflegerischen Auflagen erfüllen.

«Wir wollen kein Flickwerk schaffen, sondern etwas Neues, Gutes.»

Stadtpräsident Beat Züsli

In Luzern geht es dabei um die Nordfassade, die laut Bundesinventar das Ortsbild prägt und deshalb schützenswert ist. Die Lösung, wie Luzern tatsächlich zu einem neuen Theater kommt, ist zwar noch nicht auf Papier gebracht. Aber Zinggs Beispiel zeigt: Es gibt auch originelle Lösungen, wie das Alte in das Neue integriert werden kann.

Die Berufsskeptikerin gibt dem Neubau eine Chance

Selbst Claudia Keller Lüthi, als Anwältin von Berufs wegen eher in der Rolle der Nein-Sagerin, gibt dem Anliegen eines Neubaus vor den versammelten Theaterfreunden «durchaus eine Chance». Wenn alle Beteiligten «in einem Boot» sind. «Dazu gehört auch, die Verbände einzubinden, die solche Schutzziele verfolgen», sagte die Baurechtsexpertin der Grossenbacher Anwälte. «Wenn ein derart breit abgestütztes Projekt entsteht, ist der Gang vors Bundesgericht vielleicht nicht einmal zwingend.» (zentralplus berichtete)

Zuvor hatten die Vereinsmitglieder eine Resolution verabschiedet. Nach einer kurzen Diskussion wurde dabei klar, dass nicht nur ein «neues Theater» gefordert werden soll, sondern nur ein «Neubau» den Ansprüchen eines modernen Theaters in Luzern genügen könne. Auch hält die Resolution fest, dass weiterhin die drei Sparten Tanz, Theater und Musiktheater angeboten werden sollen.

Öffentlicher Begegnungsort statt Kulturtempel

In der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung des Nidwaldner Denkmalpflegers (sic!) Gerold Kunz kristallisierte sich heraus, was ein neues Theater in Luzern neben einer modernen Infrastruktur bedeuten könnte: Ein öffentlicher Begegnungsort, der auch im Innern vielseitige Nutzungen bietet.

«Die Zeiten der Kulturtempel sind vorbei.»

Stefan Vogel, Staatstheater Mainz

«Es geht heute nicht mehr nur darum, dass das Theater in die Öffentlichkeit geht, sondern auch, dass die Öffentlichkeit immer mehr in das Theater eindringt», sagte Caspar Schärer, Generalsekretär des Bundes Schweizer Architekten. Sprich: Nicht nur der Theaterplatz, sondern auch das Haus, im besonderen das Foyer, soll zum öffentlichen Raum werden.

Das Podium zum Luzerner Theater von links: Der Genfer Kantonsarchitekt Francesco Della Casa; Thomas Keller, Geschäftsführer Kaserne Basel; Stefan Vogel, Staatstheater Mainz; Caspar Schärer, Generalsekretär des Bundes Schweizer Architekten und Moderator Gerold Kunz.

Es braucht einen «magischen Moment»

«Die Zeiten der Kulturtempel sind vorbei», hielt Stefan Vogel, Operngeschäftsführer des Staatstheaters Mainz fest. Er spielte dabei etwa auf das Londoner Theater an, dessen Foyer auch vor und nach den Aufführungen als Ort des Lernens, Verweilens und der Begegnung genutzt wird.

Mit der rhetorischen Beschwörung eines «Magic Moments», entlockte Vogel schliesslich den Zuhörern spontanen Applaus. Die Botschaft: Der Funken solle eben nicht nur von den Akteuren auf das Publikum überspringen, sondern: Es soll zwischen den Theaterfreunden und der breiten Bevölkerung das Feuer für einen Neubau entflammen. Den expliziten Bezug zum Luzerner Theater formulierte Vogel zwar nicht aus – doch die Zuhörer verstanden seine Intention.

«Stapi Löwenherz» lotet den Spielraum aus

«Stapi» Züsli schliesslich nahm die an ihn herangetragene Herausforderung an. «Wir wollen kein Flickwerk schaffen, sondern etwas Neues, Gutes», hielt er fest. Er beschrieb die Voraussetzungen durch die denkmalpflegerischen Einschränkungen zwar als «kompliziert», doch man wolle nun «den Spielraum ausloten».

Als nächsten wichtigen Termin kündigte Züsli eine Medienkonferenz für Mitte Dezember an – wo neben dem erwähnten Spielraum wohl auch Neuigkeiten zum Architekturwettbewerb erwartet werden dürfen. Es wird ein wichtiger Auftritt von «Stapi Löwenherz» im Kampf um eine neues Theater.

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