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Luzerner Theater wird jetzt schon «modulable»
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Benedikt von Peter stellt in der Viscose den neuen visuellen Auftritt des Theaters vor. (Bild: lru)

Neuer Intendant, neues Programm, neue Räume Luzerner Theater wird jetzt schon «modulable»

5 min Lesezeit 24.05.2016, 14:14 Uhr

Der neue Intendant des Luzerner Theaters, Benedikt von Peter, hat sein erstes Programm vorgestellt. Vieles wird neu, aber eines bleibt gleich: Das Theater muss allen etwas bieten. Eine Altersgruppe hat von Peter besonders im Visier.

Neues Design, neue Stücke, neue Menschen – mit dem Intendantenwechsel am Luzerner Theater (ebenfalls neu: LT) kommt frischer Wind ins Haus an der Reuss. Haus an der Reuss? Davon sollte man in der neuen Spielzeit vielleicht nicht allzu oft sprechen. Denn der neue Intendant Benedikt von Peter will 2016/17 eine ganze Reihe von neuen Räumen bespielen. Als eine Art Vorgriff auf die Salle Modulable werden die Künstlerinnen und Künstler des Theaters in der nächsten Saison insgesamt sieben verschiedene Räume bespielen.

Rigoletto in der Viscose, Avantgarde an der Reuss

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Allen voran steht die Pilothalle auf dem Areal der ehemaligen Viscosuisse in Emmenbrücke. «Blut-, aber auch Kaffeefilter» hätten die Tüftler der Viscose hier früher erprobt, sagte der mediengewandte neue Intendant Benedikt von Peter an der Pressekonferenz in der Halle, die seit über 15 Jahren leer steht.

Viele neue Köpfe am Luzerner Theater. Hier sehen Sie v.l.n.r. Susanne Benedek, Hannes Oppermann, Benedikt von Peter (vorne), Friederike Schubert, Julia Reichert und Laura Schmidt.

Viele neue Köpfe kommen ans Luzerner Theater. Hier sehen Sie v.l.n.r. Susanne Benedek, Hannes Oppermann, Benedikt von Peter (vorne), Friederike Schubert, Julia Reichert und Laura Schmidt.

(Bild: lru)

Nun schickt er sein Opernteam zusammen mit Videostudierenden der Hochschule für Design & Kunst und dem Luzerner Sinfonieorchester in die ehemalige Tüftelhalle. Ab Oktober werden sie dort für acht Wochen «Rigoletto» von Giuseppe Verdi aufführen, den «bekanntesten Opernklassiker, den es gibt». Danach wird die Halle abgerissen.

Ein Halbtax fürs Theater

Neu gibt es für die Jugend (und Studierende bis 30) auch ein Flatrate-Abo, das das bisherige Charter-Abo ablöst. Für 99 Franken dürfen diese für sechs Monate so oft ins Theater, wie sie wollen. Alle anderen können neu ein Halbtax-Abo lösen, es kostet für eine Saison 490 Franken. Und: «Die Ticketpreise bleiben zum x-ten Jahr in Folge gleich», freut sich Intendant von Peter.

Eine weitere Neuheit betrifft den Spielplan. Gewisse Stücke sollen ab nächster Saison schon nach vier bis acht Wochen abgespielt sein, also nicht mehr wie bisher über ein halbes Jahr laufen. «Kleineres Angebot, grössere Nachfrage», begründet Benedikt von Peter die Neuerung.

Im Gegensatz zu diesem Kassenschlager steht «Prometeo», das letzte grosse Werk des marxistischen Komponisten Luigi Nono. Dieses Werk war bisher noch kaum je in der Schweiz zu sehen und ist sonst auf grossen Festivals zu hören. Am 9. September wird die schwer zugängliche «Tragödie des Hörens» (Programmheft) die neue Saison eröffnen.

Auch da scheint das LT für eine Salle Modulable vorzuspuren: Das Stammhaus des Luzerner Theaters wird für diese Aufführung von den Stuhlreihen im Parkett befreit und soll ein Shakespearesches «Globe Theatre» imitieren. In Benedikt von Peters szenischer Einrichtung des Werkes soll nicht die blosse Illustration von Handlung, sondern das Hören, das gemeinsame Zuhören im Mittelpunkt stehen.

Box erhält eine Buvette

Ebenfalls am 9. September wird die «Box», die neue kleine Spielstätte auf dem Theaterplatz, eröffnet. Im ersten Monat ist die 200-Quadratmeter-Kiste nicht blosse Theaterspielstätte, sondern soll auch Begegnungsort sein, so von Peter. «Die Idee ist, dass auch Zaungäste einen Blick in die Aufführungen werfen können.» Offen täglich ab 17 Uhr, wird die Box auch eine öffentliche Buvette beinhalten.

Und als Verlängerung der Achse Theatergebäude–Box wird auch die Jesuitenkirche als neuer Raum bespielt. Monteverdis «Marienvesper» wird in einer Koproduktion mit dem Lucerne Festival gesungen und getanzt.

Von Peter umarmt die Luzerner Szene

Von Peters Konzept funktioniert nach dem Prinzip Umarmung. Der Luzerner Theatermacher Patric Gehrig ist ebenso eingebunden (er bespielt in Mai 2017 mit Ivna Žic die Kleingartensiedlung im St.-Karli-Quartier) wie der ehemalige Südpol-Grafiker Felix Pfäffli und dessen Studio Feixen (es hat den neuen visuellen Auftritt in Reclam-Gelb gestaltet) und Neubad-Co-Präsident Mario Stübi aka Stadtnewsletter «Ron Orp», der seine eigene LT-Party schmeissen wird. 

Der neue Intendant Benedikt von Peter bei der Pressekonferenz in der Pilothalle in der Viscosistadt.

Der neue Intendant Benedikt von Peter bei der Pressekonferenz in der Pilothalle in der Viscosistadt.

(Bild: lru)

Im Stück «Mütter» der neuen, in Meggen aufgewachsenen Schauspielleiterin Regula Schröter (zusammen mit Alize Zandwijk) erzählen Luzerner Frauen aus aller Welt ihre Geschichten. Dabei kochen sie und laden anschliessend zu Tisch. Für Familien gibt es ein neues 4er-Abo und als Weihnachtsstück «Robin Hood», dazu die «Zauberflöte» in der klassischen Guckkastenbühne sowie «Hänsel und Gretel» in der Box. «Look at me» wird ein Tanzprojekt für Menschen ab 60 in Kooperation mit Pro Senectute.

Jugendtheater «gehört an ein Haus dieser Grösse»

Für die Jugend hat von Peter ebenfalls einige Zückerchen auf Lager. Über die Fasnacht überlässt er das Haus während zweier Wochen einer Truppe von 30 Jugendlichen aus Luzern, die unter der Leitung des neuen Hausregisseurs Marco Štorman ein Musiktheaterstück unter dem Titel «No Future Forever» entwickeln. Die Musik kommt vom 21-jährigen Luzerner Komponisten und Musiker Silvan Koch und wird gespielt vom 40-köpfigen Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester (ZJSO).

«Das Motto ist: kleines Haus, grosses Stück, gesamtes Ensemble.»

Schauspielleiterin Regula Schröter über «Ödipus Stadt»

Spätestens in zwei Jahren soll das Luzerner Theater auch wieder ein Spielangebot für Jugendliche haben, wie es früher die Playstation war, verspricht Benedikt von Peter: «Das gehört einfach an ein Haus dieser Grösse.» Vorbild sei das Junge Theater Basel, zu Hause wird das Jugendtheater im UG an der Winkelriedstrasse sein, übrigens der ehemalige Schiesskeller der Polizei.

Das gesamte Programm für die Spielzeit 2016/17 finden Sie in der Pressemappe des Luzerner Theaters.

Wechsel beim Schauspiel, Tanzdirektorin bleibt

Im Schauspiel stehen einige Klassiker auf dem Programm: Ein griechisches Theben-Drama in Bearbeitung von John von Düffel «Ödipus Stadt», Molières «Menschenfeind», Ibsens «Nora oder Ein Puppenheim», Shakespeares «Romeo und Julia» und Frischs «Der Mensch erscheint im Holozän» in Kombination mit Mahlers zehnter Sinfonie. Dazu ergänzen ein paar Neuheiten das Schauspiel. So bringt das LT erstmals Melinda Nadj Abonjis Buchpreis-Roman «Tauben fliegen auf» auf die Bühne und «Man bleibt, wo man hingehört, und wer nicht bleiben kann, gehört halt nirgends hin oder Eine arglose Beisetzung» der ehemaligen Hausautorin Katja Brunner wird ebenfalls in Luzern gezeigt.

Das Ensemble wird viele neue Gesichter aufweisen. Nur gerade zwei Schauspieler aus dem alten Team bleiben in Luzern: Christian Baus und Wiebke Kayser. Andere, etwa Jörg Dathe und Bettina Riebesel, ziehen weiter. Das gesamte neue Schauspielensemble kann man ab dem 16. September in «Ödipus Stadt» in der «Box» sehen. Motto dieser Aufführung, so Schauspielleiterin Regula Schröter sei: «kleines Haus, grosses Stück, gesamtes Ensemble».

Eine Konstante im Team des Theaters bleibt Kathleen McNurney. Die bewährte Leiterin der Sparte Tanz freut sich besonders, dass ihrem Ensemble mit «A Picture of You Falling» ein Stück der Star-Choreografin Crystal Pite zur Inszenierung anvertraut wurde.

Das offizielle Bild des neuen Leitungsteams. Regula Schröter, Brigitte Heusinger, Adrian Balmer, Susanne Benedek, Benedikt von Peter, Clemens Heil, Kathleen McNurney und Peter Klemm (v.l.n.r.). Bild: Marco Sieber.

Das offizielle Bild des neuen Leitungsteams. Regula Schröter, Brigitte Heusinger, Adrian Balmer, Susanne Benedek, Benedikt von Peter, Clemens Heil, Kathleen McNurney und Peter Klemm (v.l.n.r.). Bild: Marco Sieber.

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