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Luzerner Theater: Wer steht mit von Peter vor dem Absprung?
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Benedikt von Peter will noch nicht Abschied von Luzern nehmen. (Bild: Vanessa Püntener)

Ein Team für Basels künftigen Intendanten Luzerner Theater: Wer steht mit von Peter vor dem Absprung?

4 min Lesezeit 23.08.2018, 12:23 Uhr

Ein Intendant reist selten alleine. Und wenn Benedikt von Peter das Luzerner Theater verlässt, wird neben dem Umbruch auch ein Aufbruch stattfinden. Dabei hofft von Peter aber auch, dass in Luzern sein Kurs weitergeführt wird.

«Dies ist kein Abschied», betont Benedikt von Peter gleich zu Beginn. Noch nicht mal die Hälfte seiner Intendanz in Luzern ist vorbei und noch drei Spielzeiten stehen bevor.

Doch ab 2020/21 wird von Peter in Basel wirken. Luzern diente ihm dabei mit dieser ersten und erfolgreichen Intendanz ganz klar als Sprungbrett, worauf man im Stiftungsrat auch stolz ist (zentralplus berichtete).

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Ein Appell aus Basel

Doch wer steht mit von Peter auf diesem Sprungbrett? Denn bekannt ist, dass Intendanten gerne mit Anhang reisen. So kam auch Benedikt von Peter für seine erste Intendanz mit Schauspiel- und Musikleitung aus Bremen nach Luzern. Regula Schröter ist nach der Geburt ihres Kindes bereits nicht mehr am Hause. Im Gegensatz zu Clemens Heil.

In Basel sehnt man sich offensichtlich nach einer Konstante in der Musik. «Basel ist es leid, von der Theaterleitung Gastdirigenten vor die Nase gesetzt zu bekommen, und möchte einen neuen, profilierten Musikdirektor», schreibt die Basler Zeitung als Appell an von Peter. Dieser hält sich zurück.

«Ich werde zu hundert Prozent immer wieder mit Clemens arbeiten.»

Für die Teambildung in Basel lasse er sich Zeit. Klar sei: Die Verträge von Musikchef Clemens Heil, Schauspielchefin Sandra Küpper und Opernchefin Johanna Wall laufen noch bis Mitte 2021. So auch der von Tanzchefin Kathleen McNurney. Klar sei jedoch auch: «Ich werde zu hundert Prozent immer wieder mit Clemens arbeiten, ob als Musikdirektor oder nicht», so von Peter. «Aber jetzt machen wir erst einmal die Kindertotenlieder zusammen.»

Ein neues Haus als Chance

Basel wünscht sich von Benedikt von Peter auch, dass er dort weitermacht, wo sein Vorgänger Andreas Beck aufhören wird, und den Aufbruch weiterträgt. Und die Ansprüche nach der Intendanz von Beck sind hochgesteckt. «Basel hat schon lange den Ruf, in der Kunst etwas zu wagen», so von Peter. 

Und Luzern? «Die Zentralschweizer scheinen zwar etwas vorsichtiger, aber auch Luzern hat das Image als starke Kulturstadt und die letzten Jahre hat sich nicht nur im Luzerner Theater, sondern auch in der Freien Szene extrem viel getan.»

Wünscht sich von Peter auch für seine Nachfolge in Luzern, dass diese seinen Aufbruch weiterträgt? «Natürlich», ist seine Antwort. «Und ich bin sehr gespannt, wen die Findungskommission aus dem Hut zaubern wird», sagt er. Er sei jedoch überzeugt, dass Luzern mit der Ausstrahlung eine starke Figur für den Posten finden wird. «Das Luzerner Theater steht gut da. Man weiss, hier kann man mit Herzblut etwas reissen.» Zudem steht auch ohne Salle Modulable das Thema Theaterneubau im Raum. «Das ist eine Chance und macht den Job hier interessant.»

Keine Zeit fürs Trauern

Dass er während der Spielzeit 2020/21 zwei Häuser gleichzeitig leiten wird und auch in den zwei Jahren zuvor – also ab sofort – in der Planung für Basel steckt, ist laut von Peter hart, aber durchaus zu schaffen. «Es besteht eine informelle Solidarität zwischen Theaterhäusern. Ich habe auch zwei Jahre lang für Luzern geplant, während ich noch in Bremen angestellt war», sagt er.

«Luzern hat sich ins Theater neu verliebt, jetzt müssen alle was für diese Liebe tun.»

Das Theaterleben sei schnelllebig und Wechsel nach drei oder fünf Jahren seien oft normal. Und wenn jemand keinen Erfolg habe, dann gehe es oft ganz schnell und Verträge spielen keine grosse Rolle mehr. Dass Leute so lang an einem Haus angestellt seien wie Wiebke Kayser (seit 2008) oder Kathleen McNurney (seit 2009), sei leider eine grosse Ausnahme.

Trotzdem: «Ich bin traurig, sie sind traurig», fasst von Peter die ersten Besprechungen mit dem Team in Luzern zusammen. Sich diesem Gefühl hinzugeben, dafür habe er weder Zeit noch Lust. «Ich will hier mit Vollgas weitermachen und nicht rührselig werden.»

Weiter wie gehabt

Dass das Tempo, das von Peter auch intern vorgibt, nicht bei allen gleich gut ankommt, hört man munkeln. «Das ist eben mein Tempo», sagt er. Und das Team habe gezeigt, dass es in Sprintform arbeiten kann. Er sei wohl manchmal ungeduldig und wohl auch etwas schnell. «Jeder Intendant hat seine Stärken und Schwächen. Für jede Zeit die richtige Figur», so von Peter. Und er ist die Figur für die «radikale Öffnung» des Hauses – so sagte er bereits im November 2014, als er als Nachfolger von Dominique Mentha verkündet wurde.

Den Kurs habe das Team in den ersten beiden «Sturmspielzeiten» gesetzt und verinnerlicht. Nun gehe es aber auch intern um viele weitere Neuerungen. Ihm sei wichtig, dass in den nächsten Jahren auch daran nachhaltig gearbeitet werde. Und die kulturpolitische Arbeit, die Vernetzung auf dem Theaterplatz Luzern weitergetrieben. Und natürlich noch ganz viel Theater im «Raum Luzern» geschaffen.

«Luzern hat sich ins Theater neu verliebt, jetzt müssen alle was für diese Liebe tun, wie in einer Beziehung», sagt er und macht sich auf – zur nächsten Probe.

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